Regionalporträt: Fein Essen in Rheinhessen

Frisch aus dem Garten auf den Teller: Im »Schlösschen am Morstein« spielt Gemüse die Hauptrolle. 

© Mario Andreya

Frisch aus dem Garten auf den Teller: Im »Schlösschen am Morstein« spielt Gemüse die Hauptrolle. 

© Mario Andreya

Das »Schlösschen am Morstein« im Weindorf Westhofen ist ein historisches Kleinod. In dieser Idylle sprießt nicht nur die Natur üppig, auch die Küche von Peter Kubach widmet sich ausschließlich pflanzlichen Genüssen. Er kombiniert Olivenöl-Eis, Birne und Champignons und macht aus Radieschen, Brot-Espuma und Schwarzkümmelöl ein Gericht mit feinem Räucheraroma. »Ich möchte ohne Fleisch und Fisch so lust­­voll kochen, dass niemand etwas vermisst«, beschreibt Peter Kubach die Herausforderung.

Das »Schlösschen am Morstein« ist nur eine von vielen bemerkenswerten Adressen in Rheinhessen. Die hiesigen Weine sind längst weit über die Grenzen hinaus bekannt. Doch die kulinarischen Qualitäten wollen erst noch entdeckt werden. Eine Genussreise durch die Region lohnt sich im Herbst ganz besonders – ausgewählte Lokale bieten spezielle regionale Gerichte und Weine an. Rheinhessen soll so als Genussziel noch bekannter gemacht werden.

Nach Stationen in Österreich und im »Erbprinzen« verwöhnt Peter Kubach im »Schlösschen am Morstein« (u.) kulinarisch. 

© Mario Andreya

Erste Adresse

Gastronomischer Primus in der Region ist Dirk Maus. Sein »Sandhof« in Heidesheim, eine restaurierte alte Mühle, liegt etwas versteckt auf grüner Heide. Das stattliche Refugium besteht aus Gourmetrestaurant und Landgasthaus, gespeist werden beide aus der gleichen offenen Küche. Ein Signature-Gericht ist die Taubenbrust mit Kräuterfarce und knuspriger Brotkruste in Trüffeljus. Eierlikör-Mousse mit Wiesenkräuter-Eis ist ein besonders schöner Nachtisch.

Das Schlösschen am Morstein.
Das Schlösschen am Morstein.

Foto beigestellt

Das in der Nähe von Nackenheim liegende Zornheim heißt nur so und ist ein altes, friedliches Weindörfchen. Gleich unterhalb der Kirche St. Bartholomäus kauern die »Zornheimer Stuben«, als würden sie dazugehören. Tatsächlich war das Schmuckstück einst das Küsterhaus mit Scheune und Bauernstube. Die Tische verteilen sich in dem verwinkelten Fachwerkhaus auf verschiedenen Ebenen, ganz oben ist es am romantischsten. Inhaber und Küchenchef Lucas Christgen sorgt für eine herzhafte Küche mit Hang zum Mediterranen. Wer will, kann auch nur einige Kleinigkeiten zum Wein bestellen, etwa rhein­hessische Kartoffelsuppe mit gebratener Blut- und Leberwurst.

Bei den Hauptgerichten wartet eine tolle Lammhaxe in pikantem Sud mit speckigen Kartoffeln und großartigem Würzspinat. Die Portionen sind respektabel, die Preise alles andere als übermäßig.

Eine Variation des rheinischen Klassikers »Himmel & Erd«.

© Wilfried Cleres

Marijana Christgen weiß die Gerichte ihres Mannes animierend zu offerieren und freut sich sichtlich, dass sie in dem entzückenden historischen Haus ihre Gäste bewirten kann. Zur guten Laune tragen auch über hundert Weine bei, zwanzig davon im offenen Ausschank. Zu empfehlen sind vorzugsweise die guten Tropfen der Heimatregion, von Knewitz, Dreißigacker, Wagner-Stempel, Battenfeld-Spanier oder Kühling-Gillot.

In Saulheim ist das Restaurant »Mundart« zu Hause, mit dem sich Markus und Beatrix Hebestreit in einem verschachtelten Häuschen mit hübschem Innenhof selbständig machen konnten. Kräuterrisotto, Bärlauch­ravioli und Jakobsmuscheln auf Rhabarber mit Basilikum-Pesto gehören in der Saison zum Repertoire. Als leichte und duftige Delikatesse bietet sich Pulpo auf Safranfenchel mit Pernodschaum an. Da Markus Hebestreit auch gelernter Pâtissier ist, sollte man ein Dessert keinesfalls auslassen. Tonkabohnen-Eis, Waldmeistercreme, Krapfen, Erdbeeren und Holunderschaum, vereint auf einem Teller, schmecken wie vieles hier einfach nach Lebensfreude.

Im »Landhaus Dubs«werden Klassiker modern angerichtet.

Im »Landhaus Dubs«werden Klassiker modern angerichtet.

Foto beigestellt

Hohe Gasthaus-Kultur

Rheinhessen, das sind blühende Landschaften, sanft aufschwingende Weinberge, eine oft italienisch anmutende Kulisse. Es wirkt hier alles sehr entspannt, weshalb sich bei den Reisenden auch schnell ein Urlaubs­gefühl einstellt. Weiter in Richtung Alzey stößt man in Osthofen mit dem charmanten »Landhaus Dubs« und in Flonheim mit dem »Goldenen Engel« auf zwei der besten Gasthäuser der Region. Letzteres, prominent neben Kirche und Rathaus gelegen, war einst eine Poststation von Thurn und Taxis. Inzwischen ist das Haus ein Kulturdenkmal zum Wohlfühlen, mit Bruchsteinen, Balken, Parkett und blanken Holztischen. Klaus und Sabine Mayer betreiben ihr Lokal engagiert, aber mit Understatement.

Dessert aus dem »Goldenen Engel«: Vanille-Krokant-Parfait mit marinierter Mango und lauwarmer Schokoladensauce.

© Gregor Zawadzki

Klaus Mayers kulinarische Karriere ist vielsagend: Er hat in der »Ente« in Wiesbaden bei den Spitzenköchen Gerd Eis und Michael Kammermeier gearbeitet und war danach Souschef beim gerade verstorbenen großen Drei-Sterne-Koch Helmut Thieltges im »Waldhotel Sonnora« an der Mosel. Mayer könnte gewiss ganz fulminant auffahren, hat sich aber für die verfeinerte Rustikalität entschieden, die zur Region passt. Alles, was er über den Pass schickt, zeigt jedoch die Klasse, die er nun einmal in sich trägt: krosser Pulpo mit cremiger Polenta; rosa gebratener Rücken vom Duroc-Schwein mit Parmesan-Risotto, Kräuterseitlingen und lauwarmem mediterranem Gemüsesalat; lauwarme Schokoladentarte mit Heidelbeersauce und Joghurt-Limonen-Eis. Dazu die allerbesten Weine aus der Region. Der »Goldene Engel« verleiht Flügel, so etwas gibt es leider nur noch selten, schon gar nicht zu diesen gastfreundlichen Preisen.

In einem charmanten Fachwerkhaus befindet sich das Ein-Sterne-Restaurant von Nora Breyer und Sebastian Kauper. In ihrem »Kaupers Restaurant« verbinden sie auf genussvolle Weise die Leidenschaft für rheinhessischen Wein und gutes Essen. Dabei steht die Eigen­aromatik der Produkte immer im Vordergrund.

Das Restaurant »Zum goldenen Engel« ist ein wahres Kulturdenkmal zum Wohlfühlen.
Das Restaurant »Zum goldenen Engel« ist ein wahres Kulturdenkmal zum Wohlfühlen.

© Gregor Zawadzki

»Kaupers Bauerngarten« mit unter anderem Feld­erbsencreme, Urgetreide, sauer ein­gelegtem Gemüse wie roter Zwiebel und gelb geschlossenen Zwiebeltrieben sowie salziger Wildpreiselbeermarmelade.

Foto beigestellt

Rheinhessen genießen 2018

Immer im Herbst präsentiert sich die Weinregion Rheinhessen im Zuge des Genussfestivals »Rheinhessen genießen« von seiner kulinarischen Seite. Gastronomen bringen die frisch geernteten Produkte auf den Tisch und servieren dazu natürlich die passenden Weine der Region. 2018 findet das Festival voraussichtlich von 14. September bis 4. November statt!

ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 07/2017
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Die besten Adressen im Überblick

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