Moseltal: Wo König Riesling Hof hält

So präsentiert sich die Mosel auf mehr als 160 Kilometern: als mäandernder Fluss mit Rebenmeer.

© Shutterstock

So präsentiert sich die Mosel auf mehr als 160 Kilometern: als mäandernder Fluss mit Rebenmeer.

© Shutterstock

Die Mosel, man kann es nicht verhehlen, ist ein ziemlich langer Fluss. Wenn man ihn im Urlaub erkunden möchte, führt praktisch kein Weg daran vorbei, sich auf einige Brennpunkte zu konzentrieren. Der erste weinbauliche Hotspot, wenn man von Nordosten und also vom Rhein her kommt, ist die Terrassenmosel mit ihrem malerischen Oberzentrum Winningen.

Der Ort hat eine bewegte Geschichte: Schon zur Römerzeit besiedelt, ging er im Mittelalter durch verschiedene klerikale Herrschaft, war eine Zeit lang sogar markgräflich badisch, ehe er an Preußen fiel. Heute ist Winningen vor allem für seine beiden Spitzenlagen Uhlen und Röttgen berühmt, die man auf Voranmeldung von den Topwinzern des Orts gezeigt bekommt, etwa von Reinhard Löwenstein und seinem Team oder von Familie Knebel.

Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann den Wagen auch auf dem Hochplateau am Flugplatz Koblenz-Winningen parken und auf eigene Faust den Steilhang des Röttgen hinabsteigen.

Unten lockt eine Weinprobe oder auch eine stärkende Einkehr im Gasthaus »Brunnenklause« bei frittierten Moselfischen mit Senf-Kartoffelsalat und einer Weinkarte, die die Gewächse eines guten Dutzends örtlicher Winzer vorhält. Wer es etwas rustikaler bevorzugt, wird in der »Gutsschänke Schaaf« auf seine Kosten kommen. Ein empfehlenswertes Hotel liegt in bequemer Taxi-Distanz auf Koblenzer Gemarkung: das »Fährhaus« mit seinem hellen, modernen Chic.

Flussaufwärts lohnen unter vielen anderen die Weingüter Kilian Franzen in Bremm – wo es Europas steilsten Weinberg zu besichtigen gibt, den Bremmer Calmont – und der Biopionier Clemens Busch in Pünderich einen Abstecher.

Im Nachbarort Reil haben die jungen Winzer Tobias Treis und Ivan Giovanett den Sorentberg in einem kühlen Seitental wieder aufgestockt – nach jahrzehntelanger Brache. Noch mal zwei Orte weiter hat das Weingut Immich-Batterieberg in Enkirch eine ungewöhnliche Geschichte: Die namensgebende Steillage wurde zwischen 1841 und 1845 mit Dynamit in den Schieferfels gesprengt.

Mittelmosel

Bei Erden und Ürzig ist man im Zentrum der Mittelmosel. Einen Stopp verdient die alte Römerkelter bei Erden, die 1992 bei einer Flurbereinigung entdeckt und von einem Förderverein zu einem kleinen Freilichtmuseum gestaltet wurde.

Hier in der Nachbarschaft reiht sich Weingut-Legende an Weingut-Legende, seien es J. J. Prüm oder Dr. Loosen, Willi Schaefer oder Markus Molitor. Natürlich verdient auch Bernkastel-Kues mit seinem Doctorberg ausgiebige Erkundung, ebenso wie weiter flussaufwärts die Weingüter der Haag-Geschwister in Brauneberg und Lieser.

Das aufwendig renovierte Hotel »Schloss Lieser« (das organisatorisch nichts mit dem Weingut zu tun hat) verfügt über wunderschöne Zimmer, war aber zuletzt – unabhängig von Corona – gastronomisch verwaist. Jetzt soll das Restaurant mit neuem Konzept wieder eröffnet werden.

Quartier mit Sterneküche

Wer kulinarisch auf Nummer sicher gehen will, quartiert sich etwas abseits des Flusses im »Landhaus Rüssel« in Naurath/Wald ein. Bei der Auswahl zwischen Harald Rüssels Gourmetrestaurant und dem Zweitrestaurant »Hasenpfeffer« kann man keinen Fehler machen.

Im Sternerestaurant speist man Kalbsbries mit confiertem Herz oder Jakobsmuschel mit Couscous, Chicorée und Salzzitrone, das »Hasenpfeffer« zelebriert die Jagdleidenschaft des Hausherrn und die bürgerliche Küche ganz allgemein, etwa mit hausgemachten Rehwürsten, Cordon bleu vom Kalb oder getrüffelten Tagliatelle.

Durch den Wald an die Moselschleife

Das wildromantische Tal der Kleinen Dhron lädt zu einem Spaziergang ein oder auch zu einer Wanderung. Nach etwa neun Kilometern, die fast durchgehend im Wald verlaufen, erreicht man die Moselschleife von Trittenheim und Leiwen. In Trittenheim mit seiner Spitzenlage Apotheke lohnt ein gutes Dutzend Weinbaubetriebe einen Besuch. Fest in der Hand der Familien Clüsserath und Eifel, sind die Weingüter Ansgar Clüsserath und Franz-Josef Eifel die bekanntesten, aber auch die Güter Ernst Clüsserath, Clüsserath-Weiler, Bernhard Eifel und Clüsserath-Eifel spielen in der Top-Liga des Gebiets.

In Leiwen sind der Urbanshof von Nik Weis sowie die Weingüter Carl Loewen und Grans-Fassian die ersten Pilgerstätten für Weinliebhaber. Wem nach Sterne-Hopping der Sinn steht, der kann nach dem Besuch im »Landhaus Rüssel« auch im »Wein- und Tafelhaus« in Trittenheim oder zwei Orte weiter im Restaurant »Schanz« in Piesport Station machen.

Ein Schmuckstück: die Altstadt von Trier. 

Ein Schmuckstück: die Altstadt von Trier. 

© Shutterstock

An Ruwer und Saar

Trier lohnt mit seinem historischen Stadtbild einen ausgiebigen Besuch, und wer das frankophile kulinarische Erbe sucht, wird einen Abstecher an den Stadtrand zu Hubert Scheid ins »Schloss Monaise« in Betracht ziehen. Die Reben locken zu einer Landpartie – etwa mit einem Ausflug ins Tal der Ruwer, wo auf Voranmeldung das Weingut Maximin Grünhaus, der Karthäuserhof und in Morscheid das Schloss Marienlay des Weinguts Reichgraf zu Kesselstatt önologische Kurzweil versprechen. Auch übernachten lässt sich hier trefflich, etwa im Weingut und Hotel »Karlsmühle« oder im »Hotel Weis«, das zum Weingut Erben von Beulwitz gehört.

Auch ein Tal weiter, an der Saar, gibt es ein Weingut, das zugleich Hotel und Restaurant betreibt: Florian Lauer in Ayl. Sein »Weinhotel Ayler Kupp« ist ein guter Startpunkt, um sich die gleichnamige Lage erklären zu lassen, die 1971 aus einem Dutzend Weinbergen zusammengewürfelt wurde.

Bei einer Verkostung macht es großen Spaß, auseinanderzudividieren, was nicht zusammengehört. Auch die Küche ist auf der Höhe und kocht weinfreundlich mit regionalen Produkten. Ein Tagesausflug kann nach Saarburg führen, in die historische Altstadt mit ihrem spektakulären Wasserfall. Hat man genug gesehen, gibt es vor Ort auch noch (mindestens) zwei Weingüter, die einen auch schmecken lassen: Forstmeister Geltz-Zilliken und Dr. Wagner.

Schlafen mit Blick auf den Steilhang

Eine schöne Übernachtungsalternative ist auch das brandneue »Gästehaus Cantzheim« in Kanzem. Ob man im denkmal­gerecht renovierten Altbau – einem Herrenhaus aus dem Barock – übernachtet oder in der Remise, die im Stil der Gegenwart aus handwerklich gearbeitetem Stampfbeton danebengesetzt wurde: Stets hat man den Steilhang des Kanzemer Altenbergs direkt vor dem Fenster.

Weinlagen durch das Panoramafenster

Die Themen der modernen Architektur und der legendären Weinbergslage lassen sich vertiefen, indem man dem Neubau des Weinguts Van Volxem in Wiltingen einen Besuch abstattet. Roman Niewodniczanskis Interpretation eines Schlosses mit Türmchen und Haupthaus lädt zur Weinprobe ein, vor allem aber auch dazu, aus dem Obergeschoss des Turms durch ein fast neun Meter breites Panoramafenster die Reihe der Großen-Gewächse-Lagen zu betrachten: im Zentrum der Scharzhofberg, links davon die Wiltinger Lagen Braunfels und Gottesfuß, im Rücken der Wawerner Goldberg.

Das ist hautnahes Fern-Sehen, live und in Farbe, für Weinfreunde und alle, die es werden wollen. Und der würdige Abschluss einer Reise durch eine der schönsten Weinregionen, die Deutschland zu bieten hat.

HOTELS

Fährhaus Koblenz
An der Fähre 3
56072 Koblenz
T: +49 261 201710
faehr.haus

Schloss Lieser
Moselstraße 33
54470 Lieser
T: +49 6531 986990
schlosslieser.de

Rüssels Landhaus
Büdlicherbrück 1
54426 Naurath (Wald)
T: +49 6509 91400
ruessels-landhaus.de

Karlsmühle
Im Mühlengrund 2
54318 Mertesdorf
T: +49 651 5123
karlsmuehle.de

Hotel Weis
Eitelsbacher Weg 4
54318 Mertesdorf
T: +49 651 95610
hotel-weis.de

Gästehaus Cantzheim
Weinstraße 4
54441 Kanzem
T: +49 6501 6077735
gaestehaus-cantzheim.de

Weinhotel Ayler Kupp
Trierer Straße 49a, 54441 Ayl
T: +49 6581 988380
saarwein-hotel.de

ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 04/2020
Zum Magazin

MEHR ENTDECKEN

Die besten Adressen im Überblick