Long Weekend in Graz: Die besten Genuss-Tipps

Blick vom Schlossberg auf Graz: Was sofort auffällt, ist das harmonische Miteinander von historisch und modern. Hier starten wir unser Wochenendabenteuer.

© Lupi Spuma

Blick vom Schlossberg auf Graz: Was sofort auffällt, ist das harmonische Miteinander von historisch und modern. Hier starten wir unser Wochenendabenteuer.

© Lupi Spuma

Freitag

Österreichs zweitgrößte Stadt präsentiert sich als bunter Schmelztiegel aus urbanem Lifestyle, Kultur und bester Kulinarik.

Ob man den Schlossberg über die gut 300 Stufen der imposanten Steintreppe erklimmt, eines der romantischen Weglein auf der Rückseite des Berges wählt, mit dem Lift durch sein Inneres hinauffährt oder sich mit der Schlossbergbahn transportieren lässt – wer einmal oben ist und neben dem berühmten Uhrturm steht, dem liegt die Stadt im wahrsten Sinne des Wortes zu Füßen.

Und man befindet sich gleichzeitig an einem guten Ausgangspunkt für unser Wochenende: unten die prächtige Dächerlandschaft der Grazer Altstadt, die seit 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, ruhig schwebt die Murinsel mit ihrem futuristischen Café (Lendkai 19, murinselgraz.at), dahinter sticht das als Friendly Alien weltbekannte Kunsthaus (Tipp: Brunch im »Kunsthauscafé«) als modernes Gegenstück zum historischen Stadtkern ins Auge. Der Blick reicht bis zum Schloss Eggenberg, das mit seinen Prunkräumen und historischen Gärten einen eigenen Ausflug wert ist.

Am Schlossberg selbst laden Cafés wie das ­»Aiola Upstairs«, Restaurants, ein Biergarten und sogar eine »Skybar« zum Verweilen ein. Ab kommendem September kann man die Geschichte des 123 Meter hohen Felsens, der wuchtig aus der Stadt ragt, übrigens auch im neuen Schlossbergmuseum entdecken.

Bauernmärkte und Rundgänge

Der angebrochene Vormittag eignet sich bestens, um über einen der vielen Bauernmärkte von Graz zu flanieren. Zwei der bekanntesten finden sich gleich im Zen­trum – der eine am Kaiser-Josef-Platz vis-à-vis der Oper (Tipp: fantastische Käseauswahl bei der Kasalm), der andere im hippen Lendviertel.

Hier begegnet man schon früh den Köchen der Stadt, die sich bei den Bauern aus dem Umland frische Zutaten holen. So landen in den Töpfen und Pfannen der »GenussHauptstadt«-Wirte beste Produkte von der Käferbohne über den Seesaibling bis zum Grazer Krauthäuptel. Und auch wir tauchen heute tief in die bunte Kulinarik der Stadt ein: Der »Kulinarische Rundgang« (Termine: graztourismus.at) führt in eine Reihe der besten Restaurants der Stadt, in jedem servieren die Köche großzügige Kostproben.

Wer Grazer Genüsse abseits der Innenstadt erkunden will, steigt in den Cabriobus ein (Stationen unter anderem beim Restaurant »Nova-Air«, das in einer Original-Boeing 727 untergebracht ist, Fischeraustraße 22, novapark.at).

Bestens gestärkt gehen wir in den Nachmittag und auf eine Entdeckungsreise durch das kulturelle Graz: Der Dom, das Mausoleum oder die Doppelwendeltreppe überraschen immer wieder selbst auch einheimische Wiederholungstäter. Die Innenstadt lädt zum Shopping-Genuss ein – interna­tionale Marken reihen sich an Grazer Traditionsläden, dazwischen blühen zahllose Gastgärten auf. Hier lassen wir auch den Tag ausklingen, nämlich im »Dreizehn« am Franziskanerplatz, und verfolgen das Treiben mit dem für diese Stadt so typischen südlichen Flair – auch das ist ein Stück Grazer Kulturerlebnis.

Samstag

In nur wenigen Minuten erreichen wir das Grazer Umland und machen einen Abstecher zu einer der besten Bierbrauerinnen des Landes.

Ausflug in den Süden der Stadt: In nur zehn Minuten erreichen wir Premstätten, kurz vor dem Schwarzlsee biegen wir ab und finden uns plötzlich in ­einer fantastischen Welt voller überdimensionaler Kunstinstallationen wieder. Der Spaziergang über das sieben Hektar große Gelände des Skulpturenparks (museum-joanneum.at/skulpturenpark – vom »Guardian« unter die Top Ten Europas gewählt) führt vorbei an mehr als 70 surrealen Werken ­wie dem »Fat House« von Künstler Erwin Wurm, einem riesigen, zwischen zwei Hügeln klebenden pinken Ball von Werner Reiterer und dem einsam im Grün gestrandeten »Betonboot« von Michael Schuster.

Ist der Kulturhunger gestillt, wächst ­der Appetit auf kulinarische Hochgenüsse. Wie gut, dass das »Restaurant Kupferdachl« von Daniel Edelsbrunner nicht weit ist. ­Erst dieses Frühjahr hat der junge Koch den Familienbetrieb liebevoll umgestaltet – roman­­tisch mutet vor allem der Gastgarten mit altem Olivenbaum, schönen Holztischen und lauschigem Teich an.

Edelsbrunner selbst hat Stationen bei den Besten seiner Zunft absolviert, etwa bei den mit jeweils drei Michelin-Sternen ausgezeichneten Starköchen Jonnie Boer (»De Librije«, Niederlande) und Kevin Fehling (»The Table«, Hamburg). An seiner Seite im »Kupferdachl« werkt mit Kevin Hamminger zudem einer der talentiertesten und einst einer der jüngsten Zwei-Hauben-Köchen Österreichs. Gemeinsam tischen sie im Traditionshaus eine regionale Küche auf, die von Klassikern bis zu ausgefallenen Gerichten (im Gourmetmenü auf Vorbestellung) reicht.

Der angebrochene Nachmittag führt uns nur einen Ort weiter nach Kalsdorf zu Elfi Forstner, einer der besten Bierbrauerinnen Österreichs. Vorab haben wir mit ihr eine Verkostung vereinbart. Und so sitzen wir hier nun im verträumten Innenhof ihrer kleinen Handbrauerei, die in einem alten Schulhaus untergebracht ist. Im Glas schäumen »Chili Hot Beer«, »Lucky Ginger« und ein kräftiges »Dry Stout«.

Wer so flüssig Richtung Abendsonne schreitet, dem tut etwas Waldluft gut. Also nutzen wir die letzten Sonnenstrahlen, um den Erlebnisweg namens sebastian RELOADED® zu erkunden und ein ausgedehntes Waldbad zu genießen. Direkt an der Strecke liegt übrigens das »Hotel Liebmann«, wo wir auf der Terrasse mit Blick in das Hügelland den Tag ausklingen lassen.

Und zwar zuerst mit einem »Yin Gin inspired by 6020«, der Eigenkreation von Hausherr Stefan Liebmann, und später mit weiteren Köstlichkeiten aus seiner Gin-Bar – mit mehr als 270 Marken übrigens die größte Gin-Sammlung der Steiermark.

Sonntag

Eine Entdeckungsreise in eine längst vergessene Welt und ein kulinarisches Feuerwerk als letztes Highlight dieses Wochenendes.

Zum Abschluss zieht es uns in den Norden. In Frohnleiten wartet mit dem 18-Loch-Golfplatz Murhof eine der schönsten Anlagen des Landes. Gleich nebenan befindet sich übrigens das »Murhof Hotel« mit wunderbarem Wellness- und Spa-Bereich. Ein paar Abschläge auf der Driving Range bringen den Körper auf Betriebstemperatur und wecken die Idee für das nächste kleine Abenteuer, das hier quasi in Schlagweite liegt.

Keine Viertelstunde brauchen wir die Straße hinunter bis nach Stübing, wo wir uns ­im Österreichischen Freilichtmuseum auf eine spannende Zeitreise durch sechs Jahrhunderte ländlichen Lebens und bäuerlichen Arbei­­tens begeben. Bei einer Führung erfahren ­wir nicht nur eine Menge über die historischen Bauernhäuser, sondern entdecken auch den Zauber alter Handwerkskunst ­und die Schönheit von längst vergessenem Brauchtum.

Gestillt wird neben dem Wissensdurst auch der Hunger. In die Führung inkludiert ist ein Picknickkorb, gefüllt mit steirischen Spezialitäten wie Schweinsbraten, gekochtem Speck, Käse und Aufstrichen, einem feinen Kuchen und sogar dem obligatorischen (Verdauungs-)Schnapserl, dem wir aber noch einen ausgedehnten (Verdauungs-)Spaziergang durch das sogenannte Museumstal folgen lassen.

Denn immerhin schwebt uns für den Ausklang unseres Graz-Wochenendes noch ein letztes kulinarisches Highlight vor: In Weinitzen, idyllisch zwischen dem Grazer Hausberg Schöckl und den Weinbergen gelegen, kehren wir bei Barbara und Manuél Höfer-Schwarze ein. Ganz vorne auf der Terrasse ist unser Tisch reserviert – der Ausblick auf die darunter liegenden Weinreben verrät, dass hier nicht nur Köstliches auf die Teller kommt, sondern auch ins Glas. Das Besondere: Manuél, der Koch, ist gleichzeitig auch Winzer.

Die Liebe zum Wein ist nicht nur in der angrenzenden Vinothek (perfekt für Feiern) zu erkennen, sondern auch am prickelnden Aushängeschild des Hauses Höfer: dem Sekt Blanc de Blancs aus Chardonnay-Trauben, ver­goren nach der Méthode traditionelle. Mit diesem Aperitif starten wir und lassen un­ser Wochenende Revue passieren, während Manuél einen Gang nach dem anderen serviert. Zum Abschied winkt die ganze Familie, und auch wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Graz!

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