Kvarner-Bucht: Die Scampibucht

Volosko: malerische Hafenstadt in der Kvarner-Bucht, eine Region Kroatiens, die unter Feinschmeckern immer beliebter wird.

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Volosko: malerische Hafenstadt in der Kvarner-Bucht, eine Region Kroatiens, die unter Feinschmeckern immer beliebter wird.

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Das Haus von außen: ziemlich unscheinbar. Der Ort: ein kleines Fischerdorf namens Mošćenička Draga. Etwas einfacher auszusprechen ist der Name des Restaurants: »Johnson«, benannt nach dem 36. Präsidenten der USA, Lyndon B. Johnson. Für ein kroatisches Lokal ein etwas seltsamer Name: Er geht auf den einstigen Besitzer zurück, der in den 1960er-Jahren ein großer Bewunderer des amerikanischen Politikers war.

Besonders ist aber nicht nur der Name, sondern es sind vor allem jene Meerestierchen, die hier für gewöhnlich roh serviert werden – lediglich mit ein bisschen Olivenöl mariniert. Es sind Scampi, auch Kaisergranate genannt, für die die Kvarner-Bucht berühmt ist. Die Scampi von hier sind im Geschmack ein wenig süßlicher als andere, die Schalen sind dünn und das Fleisch ist besonders zart.

Ob alle Scampi, die in den Restaurants der Kvarner-Bucht serviert werden, tatsächlich aus den unmittelbaren Küstengewässern stammen, ist fraglich. So viele Scampi kann es dort unmöglich geben. In einigen Restaurants aber stammen die köstlichen Krustentiere tatsächlich von lokalen Fischern, die täglich ihre Beute persönlich an die Köche liefern.

Kultlokal »Johnson«

Eines dieser Restaurants ist das bereits erwähnte, von den Brüdern Dean und Dragan Jurdana geführte »Johnson«, unter Fisch- und Krustentier-Liebhabern seit Jahren ein Kultlokal. Wer das Glück hat, an einem Tag einen Tisch zu bekommen, an dem der Fischer eine volle Wanne mit Fischen, Muscheln und Scampi angeschleppt hat, der kann sich durch ein Menü durchkosten, dass er lange nicht mehr vergessen wird: Meeresspinne und rohe Scampi, kurz in Olivenöl und Zitronensaft mariniert, Salat vom Wildspargel mit Scampi, Canestrelli (Muscheln) und als Hauptgang ein Stück Steinbutt vom Grill mit gedämpftem Grünzeug von Karotten und Fenchel. Viel besser wird man Scampi und Fisch in ganz Kroatien nicht bekommen.

Die Kvarner-Bucht ist aber nicht nur kulinarisch interessant. Hier erinnern viele Häuser und Villen an die K.u.k.-Monarchie, vor allem in Opatija. Und laufend werden alte Hotels umgebaut und renoviert. So wie das palastartige Grandhotel von Crikvenica: Seit fünf Jahren knüpft das »Hotel Kvarner Palace« wieder an seine große Tradition an. Der Salzburger Hotelier Wilfried Holleis, der in Kroatien auch das erfolgreiche Adria Relax Resort »Miramar« in Opatija führt, hat das historische Haus von Grund auf sanieren lassen. Hinter der kaiserlichen Fassade mit ihren Panoramabalkonen im verspielten Romantikstil genießen Gäste nun wieder modernen Komfort sowie Wellnessbereiche und das Restaurant mit der abends besonders stimmungsvollen Adria-Terrasse.

Wer in einem historisch bemerkenswerten Restaurant in absoluter Traumlage große Küche erleben will, für den lohnt sich die Überwindung einer längeren Serpentinenstraße auf die steilen Hänge der Učka oberhalb von Lovran. Dort stößt man auf das kleine Gebirgshotel »Draga di Lovrana« mit einem Sterne-Restaurant, dessen Lage wohl schöner kaum sein kann. Der Panoramablick aufs Meer ist überwältigend.

Das Haus wurde zu Monarchiezeiten erbaut und damals als »schönstes Ausflugsziel der österreichischen Riviera« beworben. Danach fiel es den Wirren der Geschichte zum Opfer und stand jahrzehntelang abgebrannt und verwahrlost in der Landschaft. Erst 2005 wurde es detailgetreu wiederaufgebaut. Seither bietet es den Gästen vier Doppelzimmer und eine Juniorsuite sowie ein Restaurant mit neuerdings einem Michelin-Stern. Der ehemalige Küchenchef Zdravko Tomšić übergab 2014 einem jungen Mitarbeiter namens Deni Srdoč die Leitung der Küche – seither zählt der mittlerweile 27-Jährige zu den Shootingstars der Kvarner-Bucht und meint selbstbewusst: »Meine Küchenlinie soll unverwechselbar sein, jeder einzelne Teller.«

Auf keinen Fall versäumen sollte man auch einen Besuch bei Nenad Kukurin, der im Bergdörfchen Kastav oberhalb von Opatija sein charmantes Hotel »Kukuriku« samt großartigem Restaurant betreibt. Kukurin ist ein Pionier der kroatischen Slow-Food-Bewegung und hat als Sommelier eine Menge an Auszeichnungen bekommen. Sein Scampi-Risotto ist ebenso überwältigend wie seine Auswahl an kroatischen Weinen, darunter die besten und ausgefallensten Natur-Weine der Region.

Stilvolle »Villa Astra«

Auch die Auswahl an empfehlenswerten Unterkünften ist in der Kvarner-Bucht durchaus vielfältig. Eines der stilvollsten Quartiere ist die »Villa Astra« am Rande des leicht verschlafenen Küstenorts Lovran. Das Haus wurde 1905 vom Jugendstilbaumeister Attilio Maguolo gebaut. Heute fühlt man sich hier immer noch wie Sisi und Franzl auf Sommerfrische. Das Setting: gepflegter Palmengarten mit blitzblauem Salzwasserpool, die Promenade direkt vor der Haustür, dahinter der Zugang zum Meer.

Ganz neu ist hingegen das Hotel »Ikador« zwischen Opatija und Lovran. Es verfügt über eine »Riva-Lounge«, von denen es weltweit nur vier gibt: in Monte Carlo, in Venedig, auf Mykonos und, ganz neu, in Ika an der Riviera von Opatija. Dort ist der stylishe Rückzugsort am Meer Teil des 2019 eröffneten 5-Sterne-Boutiquehotels mit Motorboot samt Anlegestelle, 14 Zimmern und Suiten, Pool und Spa sowie dem Restaurant »Nobilion« mit feiner mediterraner Küche und Dining-Separee.

Boutiquehotels

2013 wurde am Lido von Opatija das moderne Boutiquehotel »Bevanda« eröffnet. Die Lage direkt am Meer ist spektakulär, das dazugehörige Restaurant bietet gehobene mediterrane Küche mit viel Fisch.

Cool und modern – und direkt in einen Fels am Meer hineingebaut – ist auch das Boutiquehotel »Navis« zwischen Opatija und Rijeka. Das Restaurant mit Terrasse und Traumpanorama gilt als eine verlässliche Adresse.

Ebenfalls eines der besten Boutiquehotels ist das 5-Sterne-Hotel »Alhambra« mit dem herausragenden Restaurant »Alfred Keller«. Das Haus ist für eine gehobene mediterrane Küche bekannt, die Bandbreite der verwendeten Produkte reicht von Fisch und Scampi bis hin zu Lamm von der Insel Cres und handverlesenem Fleisch aus ganz Istrien.

Im Weinkeller lagern mehr als 400 Weine, der Ausblick aufs Meer ist alles andere als gewöhnlich. Das wusste offenbar auch der namensgebende Alfred Keller, ein österreichischer Architekt, der die Gegend hier schon vor mehr als hundert Jahren schätzte.

ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 07/2019
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