Die Lagunen-Diva Venedig

Blick über Venedig mit der berühmten Basilica di San Marino.

© Shutterstock

Blick über Venedig mit der berühmten Basilica di San Marino.

© Shutterstock

Kann man in einer Stadt, die vom Tourismus so geschunden wird wie Venedig, überhaupt noch gut essen? Ja, man kann. Neben einigen Sterne-Restaurants findet man immer noch charmante Fischlokale, Osterien und Bacari mit typisch venezianischer Küche.

FREITAG

Die Restaurantszene in Venedig kann man in drei Kategorien einteilen: erstens die Sterne-Restaurants, zweitens die zahlreichen Trattorien, Fischlokale und Ristoranti und drittens die für Venedig so typischen Bacari – die Weinbars, in denen auch die köstlichen Cicchetti zu haben sind. Das sind diese herrlichen kleinen Brötchen, die mit allem belegt werden, was schmeckt. 

Wir widmen uns zunächst der zweiten Kategorie und suchen ein gutes Fischlokal auf. Die Trattoria »Antiche Carampane« ist nicht leicht zu finden, sie liegt in einer kleinen, engen Gasse, nicht allzu weit vom Campo San Polo. Doch sie ist eine Pflichtadresse. Sämtliche Gerichte mit Krabben, Scampi und Muscheln sind hier wirklich sensationell gut. Im Frühling gibt es auch »Moleche«, die in Venedig eigentlich »Moeche« heißen (die Venezianer lassen das »l« einfach weg): Es sind Weichschalen-Krabben, andere nennen sie weltgewandt »Soft Shell Crabs«, je nachdem. Frittiert sind diese kleinen Biester jedenfalls eine echte Delikatesse. Am Nachmittag holen wir uns noch schnell einen Kaffee im »Caffè Florian« und ertragen die Massen an Touristen mit Würde. Am Markusplatz befindet sich auch unser Abendlokal: das »Ristorante Quadri«, ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern. Massimiliano Alajmo kocht hier in einem wahrhaft barocken Ambiente eine ziemlich verrückt moderne Küche.

SAMSTAG

Den Samstag legen wir kulinarisch ganz traditionell an. Keine Sterne-Restaurants, keine Gourmet-Tempel, sondern Lokale, die für Venedig viel typischer sind: zum Beispiel die Bacari, also die venezianischen Weinbars. Für Frühaufsteher lohnt auch ein Besuch des Fischmarktes nahe der Rialto-Brücke: Der Markt öffnet um sechs Uhr morgens und ist atmosphärisch nur interessant, bevor die Touristenmassen kommen. Der Stadtteil Dorsoduro ist überhaupt eine ideale Gegend, um herumzuschlendern und sich Kirchen, Handwerksbetriebe, Souvenirshops oder das Peggy-Guggenheim-Museum anzuschauen. In diesem Sestiere (Venedig hat sechs solcher Stadtteile) findet man auch die »Cantine del Vino già Schiavi« (man achte auf das Schild »Vini al Bottegon« über der Tür). Die Cicchetti dort sind wirklich großartig, auch wenn dieses Bacaro schon längst auch von Touristen belagert wird.

Für den Abend haben wir uns hingegen ein Lokal ausgesucht, in dem Touristen nicht so oft einfallen. Die urgemütliche »Osteria Mo-ce-nigo« ist unter Einheimischen für eine sehr typisch venezianische Küche bekannt, mit vielen Fischgerichten, Pasta mit Meeresfrüchten und allem, was sich frittieren lässt. Besonders schön sitzt man am Fenster mit Blick auf einen Kanal. Noch ein Extra-Tipp: Davor sollte man den ganz in der Nähe befindlichen Palazzo Mocenigo besuchen. In diesem Museum lassen sich die Wohnverhältnisse des venezianischen Adels gut studieren. Dazu gibt es wertvolle Gemälde und Fresken, Armleuchter aus Muranoglas und historische Kleidungsstücke, edle Stoffe und Accessoires zu bewundern. Neu ist das Museum der Düfte.

SONNTAG

Was die Sehenswürdigkeiten in Venedig betrifft, so muss man natürlich all die bekannten Highlights gesehen haben: den Dogenpalast, den Markusdom, die Seufzerbrücke, das Guggenheim-Museum oder die Accademia. Aber das versteht sich von selbst. Unverzichtbar ist aber auch eine Besichtigung der Kirche Santi Giovanni e Paolo (venezianisch: San Zanipolo). Diese prachtvolle Klosterkirche im Sestiere Castello ist einer der bedeutendsten Sakralbauten der venezianischen Gotik. Weniger bekannt, aber nicht minder großartig: die Kirche San Zaccaria. Dort befindet sich eines der schönsten Renaissance-Gemälde überhaupt: die »Sacra Conversazione« von Giovanni Bellini.

Der Name Bellini führt uns wiederum direkt in »Harry’s Bar«, in der bekanntlich der Bellini zum weltberühmten Signature-Drink entwickelt wurde. Auch legendär: die Luxushotels »Cipriani«, »Danieli« und »Bauer«. Sie alle haben hervorragende Restaurants, manche davon mit einem Stern. So wie das überaus charmante »Hotel Metropole« mit dem Restaurant »Met«. Dort kocht Luca Veritti, der 2013 zum ersten Mal einen Michelin-Stern für das Haus erhielt. Diese Bewertung hält er bis heute. Meist bietet er seinen Gästen zwei Menüs: ein traditionelles und ein zeitgenössisches. In beiden Fällen ist sein Hang zu hochwertigen Produkten unübersehbar, er verarbeitet sie subtil, kreativ und auf einem handwerklich extrem hohen Niveau. Herausragend sind auch seine Desserts. 

Das »Metropole« ist übrigens ein besonders schönes Hotel. Das wussten aber auch schon Thomas Mann und Sigmund Freud und noch früher Antonio Vivaldi. 

Aus dem Falstaff Magazin Nr. 02/2017.

MEHR ENTDECKEN

  • Bologna – Italiens fetter Bauch
    Es ist die Stadt der Tortellini, Tortelloni, der Mortadella und des Schinkens. Deshalb wird sie auch »La Grassa«, zu Deutsch »die Fette«, genannt. Bologna ist der kulinarische Mittelpunkt der Emilia-Romagna. Falstaff gibt Tipps für ein langes und nahrhaftes Wochenende.
  • Long Weekend: Amalfiküste – Buongiorno, dolce vita!
    Die Amalfiküste ist eine wahre Perle Italiens: schicke Restaurants, entzückende Gässchen und luxuriöse Hotels. Hier kann man genießen. Falstaff sagt, was Sie an einem langen Wochenende unbedingt sehen sollten.
  • Long Weekend: Venetien – Das Prosecco-Paradies
    In Venetien wird nicht nur Grappa und der bekannteste Schaumwein Italiens erzeugt, die Region ist an und für sich ein Mekka für Feinschmecker. Ein Drei-Tages-Genusstrip zwischen den Orten Valdobbiadene und Bassano del Grappa.
  • Die Königsklasse des Piemonts
    Die malerischen Hügel um die Stadt Alba im südlichen Piemont – auch Langhe genannt – sind typisch für eine der berühmtesten Weinregionen Italiens. Falstaff über einige der Top-Weine aus dem Anbaugebiet von ­Barolo und Barbaresco.

Die besten Adressen im Überblick

Mehr zum Thema

News

Niko Romito im Gespräch: Die absolute Essenz

Der italienische Spitzenkoch vom Restaurant »Reale« aus Castel di Sangro gewährt tiefe Einblicke in seinen Lebensweg und Kochtöpfe.

News

Tenuta di Castelgiocondo – Brunello 2011

Die Frescobaldi-Gruppe stellt den Topwein des Jahrgangs 2011 aus dem Montalcino vor.

News

Gereift für die Insel: Weine, die nicht jeder kennt

Nicht nur auf Sizilien und Sardinien wächst Wein. Auch auf den vielen anderen kleineren Inseln Italiens entstehen besonders charaktervolle Weine –...

Rezept

Sgroppino

Drink oder Dessert? Sgroppino ist das schnellste Dessert Italiens und sorgt für Urlaubsstimmung. Bellissimo!

News

»Tantris«-Besitzer kaufen italienisches Weingut

Felix und Sabine Eichbauer übernehmen den ökologischen Betrieb Podere Salicutti in Montalcino.

News

Per Auktion zum Schlossbesitzer

Das Castel Valer in Nord-Italien braucht einen neuen Besitzer und kommt daher Anfang September unter den Hammer.

News

Pasta all'Amatriciana essen und helfen

»Slow Food«-Gründer Carlo Petrini startet Kampagne zur Unterstützung der vom Erdbeben Betroffenen in Amatrice.

News

Gewinnspiel: Ein Wochenende bei Monteverro gewinnen

Verbringen Sie zur Lese im September 2017 ein Wochenende in dem Weingut, das in einem der mineralhaltigsten Anbaugebiete der Welt beheimatet ist!

Advertorial
Rezept

Gekochter Timballo (Auflauf) mit Trüffel und Pilzen

Das Rezept von Maria Elisa Piroli wird mit Parmigiano Reggiano verfeinert.

News

Cucina in Casa

Starkoch Alexander Dressel durfte in die Welt italienischer Hausfrauen eintauchen und entdeckte die vielfältigen Einsatzmöglich­keiten von Parmigiano...

Advertorial
News

Sabotage im Weingut Conte Vistarino

Erneut wird ein italienisches Weingut Ziel einer Attacke. Wer steckt dahinter? Frustrierte Traubenerzeuger oder die Mafia?

News

Siddùra: Prämierte Weine für stilvollen Genuss

Eine Liebeserklärung an Sardinien, seine uralten Traditionen und die edle Kultur des Weins.

Advertorial
News

Viva Italia: »Cucina alla Mamma«

Nirgendwo sonst in der Welt hat die Mamma in der Küche einen höheren Stellenwert als in Italien. Falstaff besuchte einige Köchinnen, um ihnen die...