Arty Weekend: Barcelona

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El Clásico nennt der Fußball-Fan das Gipfeltreffen zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona. Auch kulturell herrscht unter-haltsame Rivalität zwischen den beiden Metropolen, von der man als Zuschauer nur profitieren kann. Klar: Madrid hat seinen Prado, aber die katalanische Hauptstadt ist offener und lebendiger. Das mag daran liegen, dass Hafenstädte immer etwas bunter sind, es mag aber auch daran liegen, dass Barcelona zu den Olympischen Spielen 1992 einen kompletten Innovationsschub erfahren hat, von dem die Stadt bis heute profitiert: prachtvolle neue Plätze, eine neue Promenade am Strand, Museen, Galerien und neue Architektur. Katalanischer Stolz, Unternehmergeist und ein bunter, internationaler Mix an Bewohnern und Besuchern schaffen hier einen idealen Nährboden für die Kunst.

Freitag

Die älteste Galerie Spaniens, ein modernes Bergdorf für einen Surrealisten und ein weißer Tempel der Kunst in den Gassen der Altstadt.

Der Touristenboom in Barcelona ist ein junges Phänomen, doch Kunst und Kultur waren schon lange vorher etabliert. Kaum jemand weiß, dass hier die älteste Kunstgalerie Spaniens und eine der ältesten noch aktiven Kunstgalerien der Welt zu Hause ist: Die Galerie Sala Parés wurde 1877 im Barri Gótic, mitten in der Altstadt Barcelonas, ­eröffnet. 1991 kam die Galería Trama im ersten Stock dazu, 2017 fusionierten die beiden Teile schließlich. Die Räume atmen heute noch die Aura des 19. Jahrhunderts – eine Zeitkapsel mitten im Herz der Metropole.

SURREALES DORF

Rund ein Jahrhundert jünger, aber ebenso fest verankert in der kulturellen Landschaft Barcelonas ist die Fundació Joan Miró. Gegründet noch vom Künstler selbst, wurde sie 1975 eröffnet, seitdem werden Werke des in Barcelona geborenen Meisters des Surrealismus gemeinsam mit zeitgenössischer Kunst gezeigt. Sehenswert auch das Museum selbst: Wie ein mediterranes Dorf schmiegt es sich an den Montjuïc über der Stadt. Das Ensemble aus modernen weißen Kuben und Bögen wurde vom katalanischen Architekten Josep Lluís Sert entworfen, einem langjährigen Freund Mirós. Die Sammlung umfasst rund 14.000 Werke von Miró, darunter fast alle seiner Drucke. Eines der jüngsten unter den großen Museen der Stadt steht beispielhaft für die Wiederentdeckung Barcelonas in den 90er-Jahren, als auch Architektur, Kunst und Kultur eine Verjüngungskur erfuhren. Das Museu d’Art Contemporani de Barcelona, kurz MACBA, wurde 1995 eröffnet – der vom US-Architekten Richard Meier entworfene weiße Bau steht mitten im dicht bebauten Altstadtviertel El Raval. Hier wird, dem Namen gemäß, zeitgenössische Kunst in wechselnden Ausstellungen gezeigt; die stetig wachsende Sammlung umfasst katalanische, spanische und internationale Künstler. Von Anfang an populär war der Platz vor dem Museum: ein idealer Ort, um am frühen Abend den Skatern, den Einheimischen und den Touristen zuzuschauen.

Samstag

Vom Großen ins Kleine, von der Geschichte in die Gegenwart. Ein Palast der Künste, eine Werkstatt der Imagination und ein Raum für Experimente.

Man muss kein katalanischer Nationalist sein, um von diesem Palast der Kultur beeindruckt zu sein. Das Museu Nacional d’Art de Catalunya auf dem Montjuïc wurde als Palau Nacional zur Weltausstellung 1929 erbaut und ist mit seiner Kuppel und seinen vier Türmen ein wahres Monument iberischen Stolzes. Schon das Gebäude und der Blick auf die Stadt lohnen den Besuch, aber auch die Sammlung herausragender Werke von der Fotografie bis zur Skulptur ist unbedingt sehenswert. 1934 startete man mit der Sammlung mittelalterlicher Kunst, später kam die romanische Periode dazu (sehr beeindruckend: die Fresken) und schließlich die Kunst der Moderne. Nicht verpassen sollte man die Sala Oval, die riesige Halle inmitten des Museums.

MAGISCH UND ABSTRAKT

Einige Nummern kleiner, aber kaum weniger prachtvoll ist die Fundació Antoni Tàpies im Stadtviertel Eixample. 1984 in einer ehemaligen Druckerei aus dem 19. Jahrhundert eingerichtet, signalisiert das Museum seinen wilden Geist durch metallene Wirbel, die über das Dach zu quellen scheinen. Der katalanische Künstler, der bis zu seinem Tod im Alter von 88 Jahren hochaktiv war, gründete das Museum selbst, die wirbelnde Drahtwolke schuf er speziell für diesen Ort. Faszinierend auch die Werke im Inneren, die zwischen magischem Realismus und fast
abstrakten Malereien oszillieren – ein Reich der ungebändigten Imagination.

Von hier zurück in die absolute Gegenwart: Gleich ums Eck der Ramblas in El Raval versteckt sich die Galerie Àngels Barcelona. Wer sich von Experimenten überraschen lassen will, ist hier richtig. Abstraktes, Videokunst, Installationen und kluge Konzepte bilden den Kern des Programms. 2007 gegründet, wirft die Galerie stets einen kritischen Blick auf die Schnittstelle von Kunst und Medien. 

Sonntag

Ein Besuch bei zwei Superstars des 20. Jahrhunderts, die in Barcelona ihre Spuren in Kunst und Architektur hinterlassen haben. Und zum Schluss eine große Dosis Design.

Er war der berühmteste spanische Künstler des 20. Jahrhunderts, einer der berühmtesten der Welt: Pablo Picasso. Auch in Barcelona hat er seine Spuren hinterlassen und pflegte sein ganzes Leben eine enge Beziehung zu der Stadt, in der er neun Jahre seiner Jugend verbrachte – ein Grund, warum er höchstselbst 1963 die Gründung eines Museums an diesem Ort befürwortete. Über 4000 seiner Werke sind im Museu Picasso zu sehen, vor allem aus seiner frühen Schaffens­phase. Das Museum selbst verstärkt noch die enge Beziehung zwischen Werk und Ort: Es ist in fünf Stadtpalästen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert untergebracht.

MODERNES MEISTERWERK

Ein anderes architektonisches Highlight findet sich am Fuß des Montjuïc: Der Barcelona Pavillon, von Ludwig Mies van der Rohe zur Expo 1929 erbaut und später originalgetreu rekonstruiert, gilt zu Recht als ein Meisterwerk der Moderne. Edle Materialien, reduziert auf das absolut Wesent-liche, ein luftiger Raum voller Erhabenheit und Eleganz. Auch die Möbel – die legendä-ren Barcelona Chairs – sind selbst-verständlich von Mies selbst. Kunstwerke werden hier keine aus-gestellt, das würde den Purismus nur stören. Hier ist der Pavillon selbst das Kunstwerk.

Ebenfalls modern, aber völlig anders präsentiert sich die letzte Station unseres Wochenendes: Das Museu del Disseny ragt grau und wuchtig über die Plaça de les Glòries Catalanes – ein Wahrzeichen der Stadterweiterung in den Osten und ein Leuchtturm des hervorragenden spanischen Designs. Dafür wurden drei bestehende Museen an neuem Ort fusioniert, dementsprechend rangiert die Bandbreite von Textil über Grafik bis Produktdesign, von der Leuchte über den Sessel bis zum Motorrad und zum Kleid von Balenciaga. Eine Dauerausstellung und zahlreiche Wechselausstellungen eröffnen hier vielfältige Einblicke in den Kosmos des Designs. Und zum Abschluss des Wochenendes? Da flanieren wir hinunter zum Strand und die Promenade entlang bis zum Sonnenuntergang.

Die besten Adressen im Überblick

  • 1
    Colmillo de Morsa
    Auf der Suche nach junger, hipper Mode sollte man hier einen Besuch einplanen. Das Duo hinter dem Brand legt bei der Produktion großen Wert auf Nachhaltigkeit. Alle Stücke werden lokal von Hand gefertigt.
    Carrer de Vic, 15, 08006 Barcelona
    Telefon: +34 645 206365
  • 2
    FUSTA’M
    Vintage-Fans aufgepasst: Fusta’m ist ein heimeliger Shop, der sich auf den Verkauf von gut erhaltenen Möbeln und Wohnaccessoires spezialisiert hat. Ein besonderer Fokus liegt auf Retro-Pieces der 50er-, 60er- und 70er-Jahre.
    Carrer Joaquím Costa, 62, 08008 Barcelona
    Telefon: +34 639 527076
  • 3
    Oriol Balaguer
    Kleine Schokoboutiquen boomen in Barcelona, aber der unangefochtene Großmeister unter den Choco­latiers ist Oriol Balaguer.
    Plaça de Sant Gregori Taumaturg, 2, 08021 Barcelona
    Telefon: +34 93 2011846
  • 4
    Sombrerería Obach
    Die Wahl der richtigen Kopfbedeckung fällt in diesem traditionellen Familienunternehmen leicht.
    Carrer del Call, 2, 08002 Barcelona
    Telefon: +34 93 3184094
  • 5
    Custo
    Um ein lässiges Custo-Outfit zu erstehen, muss man nicht mehr nach Barcelona reisen. Der Online-Shop und zahlreiche Outlets in ganz Spanien (auch am Flughafen von Barcelona) haben etwas von der Exklusivität genommen. Reizvoll ist der Besuch des Originals dennoch.
    Plaça del Pi, 2, 08002 Barcelona
    Telefon: +34 93 4813930
  • 6
    Mercat de Santa Caterina
    Der wunderbare Boqueria-Markt wird leider täglich von Touristenhorden gestürmt. Wer frische, lokale Lebensmittel sucht, ist mit dem Mercat de Santa Caterina besser bedient.
    Avinguda de Francesc Cambó, 16, 08003 Barcelona
    Telefon: +34 93 3195740
  • 7
    La Comercial Home
    Geschmackvolles Design von Fornasetti und Co. kann man in dieser namenhaften Boutique entdecken. Weitere Standorte von La Comercial bieten ebenfalls Herren- und Damenmode in entspanntem Ambiente.
    Carrer de Bonaire, 4, 08003 Barcelona
    Telefon: +34 93 2954630
  • 8
    It Reminds Me Of Something
    Stücke aufstrebender Kunstschaffender und Designer der Independent-Szene werden hier verkauft. Die einzigartigen Design-Pieces werden allesamt in traditionellen Handwerksverfahren hergestellt.
    Carrer Sagristans, 9, 08002 Barcelona
    Telefon: +34 93 3186020
  • 9
    Amato Sole
    Der Interior- und Designshop hat sich auf Refurbishment spezialisiert. Das Angebot umfasst Möbel und Einrichtungsobjekte mit Geschichte, die mit großer Sorgfalt aufbereitet und neu interpretiert wurden. Hier findet man bestimmt das eine oder andere interessante Unikat.
    Carrer Perill, 39, 08012 Barcelona
    Telefon: +34 619 098100
  • 10
    Siesta
    In unmittelbarer Nähe zum Museum für zeitgenössische Kunst befindet sich dieser Laden – ein Mix aus Galerie und Store. Eine ausgewählte Selektion an Kunst und Designobjekten lässt Herzen von design­affinem Publikum hier höherschlagen. Aber auch der hübsche Laden an sich ist einen Besuch wert.
    Calle Ferlandina, 18, 08001 Barcelona
    Telefon: +34 93 3178041
  • 11
    Sir Victor Shop
    Allerlei hippe Objekte aufstrebender katalanischer Künstler findet man seit Kurzem im Designshop des Hotels »Sir Victor«. Modern, trendig, am Puls der Zeit.
    Carrer del Rosselló, 265, 08008 Barcelona
    Telefon: +34 93 2711244
  • 12
    Ras Gallery
    Diese ausgefallene Kunstbuchhandlung verfügt sogar über eine eigene Galerie für zeitgenössische Kunst. Ein Besuch dieses Shops lohnt sich auch für Architektur- und Fotografie-Fans.
    Doctor Dou, 10, 08001 Barcelona
    Telefon: +34 93 4127199
  • 13
    Sagrada Família
    Trotz Touristenrummels ist das UNESCO-Welt­kulturerbe von Antoni Gaudí absolut sehenswert. Carrer de Mallorca, 401, 08013 Barcelona
    Carrer de Mallorca, 401, 08013 Barcelona
    Telefon: +34 93 2080414
  • 14
    Monestir de Pedralbes
    Das Kloster gilt als eines der bekanntesten Beispiele der katalanisch-gotischen Architektur. Früher diente es als Heimat blaublütiger Nonnen, heute steht es als Museum für Besucher bereit.
    Baixada del Monestir, 9, 08034 Barcelona
    Telefon: + 34 93 2563434
  • 15
    Park Güell
    Auch im Park Güell kommen Fans von Gaudís verspielter Architektur auf ihre Kosten – außerdem zählt er zu den Pflichtadressen eines Barcelona-Besuchs.
    Carrer d’Olot, 3, 08024 Barcelona
    Telefon: + 34 93 2130488
  • 16
    Centre de Cultura Contemporània
    Fern der üblichen Touristenmassen zählt das Centre de Cultura Contemporània zu Barcelonas wichtigsten Kulturstätten. Bei Insidern sind besonders die Multimedia-Ausstellungen beliebt.
    Montalegre, 5, 08001 Barcelona
    Telefon: +34 93 3064100
  • 17
    Muhba Refugi 307
    Einem traurigen Teil der Geschichte Barcelonas kommt man in diesem Bunker nahe. Er wurde während des spanischen Bürgerkriegs erbaut und war der 307. von insgesamt 1000 Luftschutzbunkern.
    Carrer Nou de la Rambla, 175, 08004 Barcelona
    Telefon: +34 93 2562100
  • 18
    Caixaforum Barcelona
    Hier trifft man auf einen ausgefallenen architektonischen Mix des Architekten Josep Puig i Cadafalch. Dieser war neben Gaudí einer der bedeutensten Vertreter der katalanischen Moderne. Der legendäre Bau dient heute als Ausstellungsstätte temporärer Projekte.
    Avinguda de Francesc Ferrer i Guàrdia, 6–8, 08038 Barcelona
    Telefon: +39 02 70003987
  • 19
    Museu del Modernisme
    Kleines Museum, das einen guten Einblick in die katalanische Interpretation des Jugendstils vermittelt. Die ausgestellten Möbelstücke und Gegenstände des Alltags sind besonders interessant.
    Balmes, 48, 08007 Barcelona
    Telefon: +34 93 2722896
  • 20
    MEAM Museu Europeu d’Art Modern
    Direkt neben dem Museu Picasso befindet sich das MEAM. Hier findet man nicht nur aktuelle Kunstwerke, sondern auch ein eindrucksvolles Ambiente.
    Carrer de la Barra de Ferro, 5, 08003 Barcelona
    Telefon: +34 93 3195693