Beschreibung

Sandrones »Barolo Cannubi Boschis« – das schlichte, geradlinige Etikett mit dem marineblauen Quadrat ist bei Weinliebhabern auf der ganzen Welt Kult. Spätestens seitdem der legendäre 1990 Barolo Cannubi Boschis von Parker zuerst mit 99 und später mit 100 Punkten bedacht wurde, wurde aus dem Wein eine gesuchte Rarität und aus seinem Macher ein Star. Dabei lag das gar nicht in dessen Absicht. Luciano Sandrone ist ein bedächtiger, zurückhaltender Mensch, der sich vor allem in seinem Keller glücklich fühlt. Er wollte einfach einen Barolo machen, der seinen Vorstellungen entspricht, geschmeidiger und eleganter als viele der damals gängigen Barolos. Sein Vorbild war und ist ganz klar: Burgund. Die Eleganz, die er in seinen ersten Ausflügen ins Burgund bei den dortigen Weinen fand, wollte er auch in seinem Barolo wiederfinden. Die knapp zwei Hektar, die Sandrone in der Lage Cannubi Boschis hat, waren dafür perfekt geeignet. 1978 erzeugte Sandrone seinen ersten Barolo, ab dem Jahrgang 1985 trug er auch den Lagen­namen Cannubi Boschis. Der Cannubi-Hügel, der unmittelbar am Ortsausgang von Barolo beginnt und sich sanft geschwungen mehrere Kilometer Richtung Norden hinzieht, ist eine der renommiertesten Barolo-Lagen. Er liegt geologisch in der Mitte zwischen der jüngeren Tortonianum-Zone, die vor allem La Morra prägt, und der wesentlich älteren Helvetikum-Zone, die die Lagen in Monforte und Serralunga charakterisiert. Cannubi Boschis befindet sich im weiter vom Ort entfernten Teil des Hügels und gehörte früher einmal der Familie Boschis, daher der Name. Die nach Süden bis Südosten geneigten Hänge bieten beste Voraussetzungen für die Nebbiolo-Rebe. »Gerade in nicht so guten Jahren«, so Luciano Sandrone, »erweist sich die Güte dieser Lage. Das hebt die Weine aus Cannubi von anderen Lagen ab.« Wie vom Boden vorgegeben, ist der Wein auch stilistisch eine gelungene Mischung aus Tradition und Moderne. Nach einer Maischestandzeit von rund drei Wochen im Stahltank reift der Wein in neuen und gebrauchen 500-Liter-Fässern. Die jährliche Produktion beschränkt sich auf neun- bis elftausend Flaschen.

Mit 22 Jahrgängen war diese Verkostung die kompletteste Cannubi-Boschis-Vertikale der vergangenen Jahre. Einige der Weine waren schlichtweg Weltklasse. Begeisternd war einmal mehr der 1990er; selbst nach 25 Jahren zeigte er sich jung und präsent. Aber auch einige sogenannte »kleinere« Jahrgänge waren brillant. Einzig mit dem 2001er hatten wir Pech, beide Flaschen hatten Korkschmecker. Ausgerichtet hat diese einzigartige Vertikalverkostung Peter Roggenhofer von »Barolista«, eine kleine aber feine Vinothek in Wien, die sich langsam und kontinuierlich zum Top-Anbieter für Weine aus dem Piemont gemausert hat. Eine Pflichtadresse für alle, die Barolo und die anderen Weine aus dem Piemont lieben.

Notizen von Othmar Kiem

BEZUG: Barolista, Wien; Döllerer, Golling; Neururer, Vomp; Vinussi, Dornbirn; WeinArt, Attersee; Wein & Co., Wien; Wild, Siegendorf; Extraprima, Mannheim; Geisel’s Weingalerie, München Lobenberg, Bremen; Pinard de Picard, Saarwellingen; Superiore, Dresden; 50 Second Finish, Falkensee Weinpiemont, Hattersheim; Cave SA, Gland; Vini d'Amato, Basel; von Salis, Landquart; Ceresio Vini, Lugano; Vintra, Zürich

Tasting aus Falstaff Magazin Österreich Nr. 8/2015

VON FALSTAFF BEWERTETE WEINE

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