Beschreibung

Seit 1880 ist Château Rayas, das längst zu den besten Weingütern Frankreichs gezählt wird, in den Händen der Familie Reynaud. Unter den Weinen von Châteauneuf-du-Pape genießt dieses Haus einen herausragenden Ruf. Das mit nur zwölf Hektar ausgestattete Weingut ist in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit. Während die meisten Weine der Appellation aus einer Vielzahl von verschiedenen Rebsorten komponiert sind, besteht der rote Rayas aus reiner Grenache, die etwa zehn Hektar einnimmt, der Weißwein aus Grenache Blanc und Clairette. Während nach dem Zweiten Weltkrieg viele Betriebe neue Klone auspflanzten, blieben hier viele alte Stöcke stehen, was den Charakter der Weine bis heute entscheidend prägt. Für viele Kenner ist diese Tatsache für den fast »burgundischen« Touch der Weine mitverantwortlich. Die Böden von Rayas bestehen aus Lehm, auf

dem eine Schicht Mergel liegt und darüber rötliche und gelbe Sande. Die in Châteauneuf-du-Pape so typischen großen runden Steine, die »Galettes«, fehlen fast völlig. In diesem sehr kargen Terroir haben die Reben hart um

ihr Überleben zu kämpfen, oft müssen sie ersetzt werden, was das Durchschnittsalter auf etwa 35 Jahre drückt. Die Rebparzellen sind von Pinien-

und Schirmkieferwäldern umgeben, damit sie vor dem Mistral geschützt sind. Und mancher Weinfreund meint, einen Hauch von Pinienätherik auch im Wein von Rayas entdeckt zu haben. Die Produktion des roten Rayas liegt etwa bei 16.000 Flaschen jährlich, vom weißen Rayas gibt es 5000 Flaschen. Im Jahr 1978 übernahm Jacques Reynaud die Leitung von Château Rayas und Fonsalette von seinem Vater. 20 Jahre lang bestimmte diese große Winzerpersönlichkeit die Qualität der Weine von Rayas, die in dieser Periode dank kräftiger Unterstützung durch Robert Parker zu internationalem Ruhm gelangten. Der amerikanische Kritiker profilierte sich sehr früh als Promoter der Weine aus Châteauneuf-du-Pape und verschaffte Château Rayas mit seinen hohen Bewertungen große Aufmerksamkeit. Neben dem Château Rayas wird ein weiterer Châteauneuf-du-Pape vinifizert, der den Namen Pignan trägt. Im Keller gleich behandelt, stammt das Traubengut für den Pignan aus jüngeren Anlagen. Als Jacques Reynaud im Jahr 1997 verstarb, gingen die Güter auf seinen Neffen Emmanuel über, der bereits ab 1989 mit der Domaine des Tours einen anderen Betrieb der Familie Reynaud führte und heute mit seiner Mannschaft gleich drei Weingüter zu leiten hat. Château de Fonsalette hat der Großvater des heutigen Besitzers im Jahre 1945 im Norden von Orange erworben, hier entsteht seit Jahrzehnten ein heraus­ragender Côtes du Rhône mit 50 Prozent Grenache-Anteil, von dem es

auch eine reinsortige Variante aus purem Syrah gibt. Der Stil des großen Rayas ist geprägt von Frische und Finesse, wie man sie kaum in anderen Produkten der Appellation Châteauneuf-du-Pape antrifft. Der große 1990er, der lange ein epochales Trinkerlebnis bot, präsentiert sich heute trotz seiner unbestreitbaren Qualität nicht mehr auf jener lichten Höhe wie vor zehn Jahren, bietet aber Freunden gereifter Aromen noch enormen Charme und Trinkvergnügen. Von den aktuellen Jahrgängen empfehle ich 2005, 2001 und 2000, wobei sich im Restaurant der köstliche 2001er besonders empfiehlt, bei den gereiften Weinen den 1995er, den extrem teuren Kultwein aus 1990, wobei ich im Moment den strafferen 1989er vorziehen würde. Die Einkaufsstrategie lautet: direkt beim Importeur den Jungwein kaufen.

Anmerkungen: Château Rayas 1991 deklassifiziert, nicht erzeugt; Das Tasting enthält auch noch weitere Weine von Château Rayas; Notizen Peter Moser

VON FALSTAFF BEWERTETE WEINE

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