Beschreibung

Linz. Die »Linzer Runde« hatte Ende 2003 das vorweihnachtliche Vergnügen, die sehr guten, aber bereits in die Jahre gekommenen Weine aus 1964 noch einmal Revue passieren zu lassen. Auf Ein­ladung von Dr. Peter Baumann, unterstützt von Jan-Erik Paulson, dem Experten für gereifte Edelweine aus Wald­kirchen im Bayrischen Wald (www.rare-­wine.com) verkostete wie alle Jahre davor ein internationales Panel in Günter Hagers »Josef« in Linz. Dieses Jahr ging in die Geschichte ein, weil es diejenigen bestrafte, die der höheren Reife und Qualität zu Liebe mit der Weinlese etwas zugewartet hatten. Nur wer rechtzeitig geerntet hatte, konnte in diesem Jahrgang reüssieren. Als am 8. Oktober ein Gewitter aufzog und sich zu einem fünftägigen Regensturm auswuchs, hatten vor allem im ­Médoc viele Winzer ihre Cabernet ­Sauvignons noch nicht fertig ­ge­lesen. Die Winzer in Pessac-Léognan, ­Graves und am rechten Ufer waren zum Zeitpunkt des Wetterumschwungs mit ihren Merlots und Cabernet Francs schon auf der sicheren Seite. Die Weine der spätlesenden Süßweinecken Barsac und Sauternes wurden in diesem Jahr regelrecht weggeschwemmt. Sollte man ihnen einen d’Yquem 1964 anbieten, handelt es sich um eine Fälschung. Ein kaltes Frühjahr, speziell ein verregneter April, ließ das Jahr 1964 langsam in die Vegetation kommen, und als man im Mai schon um die Blüte bangte, wandelte sich das Blatt. Gutes Wetter ließ alles gut gedeihen, die prächtige Witterung ließ Presse und zuständige Minister noch Anfang September von einem Jahrhundertjahrgang sprechen. Der Regen veränderte allerdings das Endergebnis, das dem Weinfreund eine genaue Sachkenntnis abverlangt. Denn neben den teilsweise superlativen Weinen aus den bereits angesprochenen Regionen gibt es einige Ausnahmen aus den weniger begünstigten Gebieten. Insbesondere Château Latour und Château Montrose zählen am Papier zu diesen erfreulichen Ausreißern. Nun, wenn Weine vierzig Jahre alt geworden sind, dann gelten manche Stehsätze nicht mehr. Für viele der verkosteten Flaschen wäre die Zeit bereits längst gekommen gewesen, um ihnen trinkender Weise »Adieu« zu sagen. Für die gelungenen Weine des Jahrgangs sind alle größere Formate als die Eintelflasche hilfreich, ordnungsgemäße Lagerung stets vorausgesetzt. Richtig teuer war der Jahrgang aufgrund der etwas unsicherer Ausgangslage nie, daran hat sich bis heute nichts grundlegend verändert. P.M.

VON FALSTAFF BEWERTETE WEINE

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