Zu Gast bei Minotti

Im Showroom in Meda traf LIVING den Minotti-Clan zum Interview und Shooting. V. l. n. r.: Rodolfo Dordoni, Renato und Roberto Minotti.

© Davide Lovatti

Im Showroom in Meda traf LIVING den Minotti-Clan zum Interview und Shooting. V. l. n. r.: Rodolfo Dordoni, Renato und Roberto Minotti.

© Davide Lovatti

Man genießt die Eleganz aneinandergereihter Sofas, die Cosiness der luxuriösen Ottomanen – meist in beige oder dunkleren Farben gehalten –, die zum Verweilen verführen. Ein edler wie praktischer Couchtisch dort und da gekonnt in Szene gesetzt komplettiert die Lust und die Sehnsucht nach einer schnellen Umstrukturierung des eigenen Wohnzimmers. Minotti fühlt man. Minotti lebt man. Minotti versprüht nicht nur, sondern ist zeitlose Extravaganza. Nicht umsonst spricht man von der großzügigen italienischen Lebensart, die Experten beflügelt und Konsumenten ins Schwärmen versetzt. Der attraktiv inszenierte Showroom in den Headquarters in Meda nahe Mailand umreißt eine Vielfalt an Kollektionen, die Minotti aktuell zu offerieren hat. Der Candystore für Interior-Liebhaber weckt die Neugierde an Fragen, die bald gestillt werden soll, als Roberto und Renato Minotti, gefolgt von deren Designer Rodolfo Dordoni, den Showroom betreten. Man will Resümee ziehen – von einer aufregenden Zeit und Ära, denn das italienische Luxuslabel feiert heuer einen großen Geburtstag: 70 Jahre Unternehmen und 20 davon mit dem Architekten und Designer-Star Rodolfo Dordoni.

LIVING bat das inspiratives Trio zu einem ausführlichen Gespräch über Traditionen,Familienbusiness, Leidenschaft für das Geschäft und die Frage, warum Kompromissbereitschaft die Antriebsfeder für ihren Erfolg ist.

LIVING: Cari Signori, herzliche Gratulation zu 70 Jahren Minotti! Und ebenso zur Zusammenarbeit mit Ihrem Designer Rodolfo Dordoni – diese enge Kollaboration dauert bereits 20 Jahre an. Ein überaus erfolgreiches Teamwork, das offensichtlich auf einem gemeinsamen geistigen Level beruht.
Rodolfo Dordoni: Wir haben uns vor rund 25 Jahren bei einer Messe kennengelernt. Dann trafen wir uns wieder und intensivierten Gespräche, wie man Minotti weiter nach vorne entwickeln könnte. Das Gute daran: Wir hatten schon damals ähnliche Ansichten, haben sie auch noch heute, aber trotzdem sind wir völlig unterschiedlich, und darin liegt letztendlich der Erfolg dieser Zusammenarbeit.

Roberto Minotti: Der Start mit Rodolfo war für uns alle sehr beflügelnd, da er das klassische und moderne Design, wie es der Lifestyle von Minotti transportiert, auch sofort in seinen Kollektionen auslebte. Wichtig dabei ist, dass wir uns nicht nur auf unsere Produkte fokussieren, sondern ein großes Ganzes dahinter sehen. Wenn Minotti auf einer Messe präsentiert, ist die Architektur des Standes genauso wichtig wie die Kollektion – vergleichen wir es mit einem Kuchen mit seinen vielen wichtigen und guten Ingredienzen, die ihn im Endeffekt so perfekt aussehen lassen, dass er viele Emotionen auslöst.
Renato Minotti: Für mich war vor allem der menschliche Aspekt ganz wesentlich. Wie soll eine Zusammenarbeit funktionieren, wenn die Chemie nicht stimmt? Und das hat sie von Anfang an. Ich legte immer großen Wert auf globale Kultur, und Rodolfo hatte diesbezüglich genau meinen Geschmacksnerv getroffen – die Art, wie er die Kunst sieht, sein Geschmack und die Zusammenstellung von Farben aus der Betrachtung des Architekten. Unsere Familie lebte plötzlich mit einer Mission, unseren Teamgeist und die Wertigkeiten unseres Unternehmens zu vertiefen.

Darum kann man auch von einer sukzessiv ansteigenden Expansion weltweit sprechen. Und es gibt auch kontinuierlich neue Kollektionen – in welchen Intervallen wird bei Minotti entworfen? 
Roberto Minotti: Wenn wir ein neues Projekt in Angriff nehmen, sind wir sehr umsichtig, was sonst gerade auf der Welt passiert und welchen Trends wir ausgesetzt sind. Das reicht von Fashion, Interior, Reise, Kulinarik über Kunst bis zu sozialen Bedürfnissen. Wir fokussieren uns darauf und versuchen, für die nächste Kollektion genau diese gesellschaftlichen Vorgaben einzufangen. Wichtig ist uns dabei immer, zeitlos zu bleiben und mit unseren Materialien und Produkten eine gewisse Nachhaltigkeit zu schaffen. 

»Ein Familienunternehmen heutzutage führen zu können ist ein seltenes Gut. Damit alles reibungslos funktioniert, gehört eine große Portion an Kompromissbereitschaft dazu.«



Die Globalisierung spielt eine wichtige Rolle im Konzern?
Roberto Minotti: Wir sind natürlich nicht blind und nehmen Rücksicht, denn sie ist fraglos ein Phänomen. Dennoch ist es wichtig für uns, wir selbst zu bleiben und nicht von unserer Linie abzuweichen.
Rodolfo Dordoni: Die Globalisierung gab uns die Energie – und so sehen es viele andere Firmen auch –, ein Lebensgefühl an Wohnen in verschiedene Märkte zu transportieren. Wir lassen die Welt an unserem italienischen Lifestyle teilhaben. So mussten wir bei vielen Produktionen umdenken, um es für jeden verständlich zu machen: wie man die Balance hält zwischen italienischem Style und globalen Bedürfnissen.

Ein Grund, warum Minotti auch international so erfolgreich ist?
Rodolfo Dordoni: Ja, wir unterscheiden uns sehr von anderen europäischen Brands, da wir immer den italienischen Stil im Vordergrund sehen und diesen auch verkaufen. 

»Made in Italy« beherrscht also ziemlich den Markt. Was macht den italienischen Lifestyle im Interior-Design so anziehend?  
Roberto Minotti: Vielleicht liegt es in der DNA der Italiener, mit dem richtigen Gespür und viel Leidenschaft der Ästhetik in Design und Fashion zu folgen. Emotion und Komfort sind ebenso ausschlaggebend. Sitzt man auf einem Sofa, so muss man das Gefühl von Intimität spüren. Der Look, die Qualität, das Material – alles muss stimmen. 

Damit alles perfekt ist, bedarf es eines gemeinsamen Konsens. In einem Familien­unternehmen rangiert Harmonie aber nicht immer unbedingt an erster Stelle. Wie funktioniert das im Minotti-Clan?  
Renato Minotti: Es ist natürlich nicht immer einfach. Meine Söhne und auch die Tochter von Roberto haben ein großes Mitspracherecht. Die Voraussetzung, damit auch Kontroversen aus dem Weg geräumt werden, ist der gegenseitige Respekt. Und diesen haben wir von unserem Vater gelernt. Man kann eine Diskussion mit Toleranz dem anderen gegenüber führen, ohne dass man sein eigenes Gesicht verliert. Man hört zu und beginnt, den Standpunkt des anderen zu verstehen. Und so kommt man auch zu einem Konsens.
Roberto Minotti: Wir verfolgen ja schließlich alle eine Strategie und ziehen an einem Strang. Wir sind nur dann stark und gut, wenn wir flexibel genug sind, auch andere Meinungen zu akzeptieren. Ein Familienunternehmen heutzutage gut führen zu können, ist ein seltenes Gut. Und es gehört eine große Portion an Kompromissbereitschaft dazu.
Renato Minotti: Unser Vater hat uns ein wichtiges Detail mitgegeben, nämlich die Möglichkeit, dass wir auch einmal Fehler machen können. Denn nur aus Fehlern wird man größer, stärker und lernt daraus. Diese Meinung haben wir auch für die dritte Generation übernommen. Und wenn man ein Team ist, kann davon nur profitiert werden.

Nun feiert Minotti heuer mit 70 Jahren ein respektierliches Jubiläum. Wenn Sie die letzten sagen wir 25 bis 30 Jahre zurückblicken – was waren die schwierigsten Momente in Ihrem Unternehmen? 
Renato Minotti: Das war zweifellos, als unser Vater 1991 mit nur 66 Jahren verstarb. Er war schließlich zu 100 Prozent im Unternehmen engagiert, der Boss, und führte uns alle. Das war wirklich ein sehr tougher Moment für uns.
Roberto Minotti: Es war eine sehr kritische Situation. Aber neben dieser Trauer mussten wir auch darauf reagieren und konnten nicht einfach resignieren. Wir mussten an die Zukunft denken. Es war ein Moment, da wir eine Allianz bildeten und uns vornahmen, neue Dinge zu tun. Wir wollten Neues entwickeln und mit dem Unternehmen wachsen. Den Namen Minotti international bekannt machen. 

»Im Moment ist Minotti in einer sehr guten Situation. Wir sind auf allen Märkten solide unterwegs und konnten uns gut etablieren. Diesen Zustand möchten wir in der Zukunft erhalten.« Renato Minotti Eigentümer Minotti

Das ist Ihnen auch gelungen. Wo sehen Sie Minotti in den nächsten 20 bis 30 Jahren? Roberto, Renato Minotti und Rodolfo Dordoni unisono: Können wir bitte einmal nur von den nächsten zehn Jahren sprechen? Die nächsten 30 Jahre machen uns Angst (lachen).

Sehr gerne, legen Sie los.
Renato Minotti: Im Moment ist unsere Firma in einer sehr guten Situation. Wir stehen mit beiden Beinen am Boden, sind solide auf allen Märkten unterwegs und konnten uns in den vergangenen Jahren gut etablieren. Unser Ziel ist es nun, diesen stabilen Zustand in den nächsten 30 Jahren zu erhalten.
Rodolfo Dordoni: Minotti und ich waren uns in den letzten 20 Jahren über die Zukunft einig und haben etwas sehr Wichtiges erreicht: Wir haben nicht nur an Produkten gearbeitet, sondern haben die Identität einer Company neu definiert. Es war nicht so, dass Minotti eine neue Linie gebraucht hätte, aber es war damals die perfekte Zeit, dem Unternehmen eine neue Idee der Identität zu geben. Das Konzept ist aufgegangen und war erfolgreich. Jetzt müssen wir wieder einen Schritt nach vorne machen und in die Zukunft sehen. Wir müssen wieder ein neues Image entwerfen, ein neues Konzept. 

Und wie sieht das aus?
Rodolfo Dordoni: Ich spreche nicht von neuen Katalogen oder Sofas, sondern von einer neuen Idee, das Unternehmen die nächsten Jahre in die Zukunft zu führen. Es ist schwer zu sagen, aber ich denke da an eine Entwicklung von Minotti »Step 3«.

Was wird uns auf dem Salone del Mobile in Mailand diesen April erwarten? Es ist ja schließlich ein besonderes Jahr für Minotti …
Roberto Minotti: Das ist alles topgeheim (lacht). Da es ein Jubiläum ist, haben wir uns ein besonderes Programm ausgedacht. Natürlich werden wir eine neue große Linie präsentieren. Die Kontinuität der Philosophie Minot­tis wird dabei aber nicht geändert.
Rodolfo Dordoni: Die Company wird dieses Jahr offener sein für eine neue Ausdrucksweise, ich bin schon sehr neugierig, wie das auf der Messe ankommen wird. Das hat auch mit einer anderen Kultur zu tun. Jetzt wird aber nicht mehr verraten.

Signori, zum Abschluss: Wenn Sie Minotti mit drei Worten beschreiben müssten, welche würden das sein? 
Rodolfo Dordoni: Die drei R! Roberto, Renato, Rodolfo (lacht)!

Wunderbar! Trio Infernal! Und sonst?
Renato Minotti: Leidenschaft, Wertigkeit, Innovation.
Roberto Minotti: Leidenschaft, Zeitlosigkeit, Nachhaltigkeit.
Rodolfo dordoni: Eleganz, Diskretion, Nüchternheit.

Design-Brüder

Roberto (57) und Renato (62) Minotti leiten seit 1991, nach dem unerwartet frühen Tod ihres Vaters, die Geschäfte des Familienunternehmens. Roberto, studierter Architekt, ist für die Kommunikation und Markenbildung zuständig, Renato für Finanzen. Sie initiierten einen Wachstumsprozess. Mittlerweile arbeitet auch die nächste Generation mit. Robertos Tochter Susanna leitet die Interior-Decoration des Betriebs, Renatos Söhne Alessio und Alessandro sind für Verkaufsabteilung und Einkauf zuständig. Der Brand ist weltweit in 63 Ländern vertreten, davon mit 33 Monobrand-Stores. 2017 betrug der Jahresumsatz 115 Millionen Euro.

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