Zeit zum Aufräumen: Ab in den Keller

© Living4media / View Pictures

© Living4media / View Pictures

Wer einen persönlichen Weinkeller sein Eigen nennt, ist in diesen ­Tagen klar im Vor­teil. Man muss nicht außer, sondern nur unters Haus gehen, ­um die gewünschten Tropfen auszuwählen. Und wenn man nun unfreiwillig auch etwas mehr Zeit daheim verbringt als sonst, dann könnte man doch gleich ein paar Stunden darauf verwenden, anstatt »Home Office« einmal »Home Cellar« zu nutzen. Die Partnerin oder der Partner wird ja vielleicht ­sogar froh und dankbar sein für ein paar Stunden Privatspähre. Denn wenn Sie keinen hauptamtlichen Kellerknecht haben, dann könnte es sein, dass im unterirdischen Reich neben vielen Flaschen auch einige ­Arbeit für Sie liegen geblieben ist.

Ordnung ist alles

Wenn wir schon dabei sind: Führen Sie eigentlich noch Ihr Kellerbuch, in das Sie anfangs noch so fleißig Ihre Neuerwerbungen samt Daten wie Menge und Preis eingetragen haben? Und wie rasch finden Sie diese eine gesuchte, sehr spezielle Flasche, auf ­die Sie sich gerade heute Abend freuen? Zu Beginn einer Sammlung denkt man ja, das Gedächtnis reicht zu diesem Zwecke völlig aus. Einige Jahre später überlegt man dann allerdings schon eher den Griff zur Flasche mit dem Gehirn-Tonikum statt zu der unauffindbaren Château Margaux 1983. Daher der erste Rat: Denken Sie über einen Neustart in Ihrer Kellerverwaltung nach. Dafür ist es nie zu spät, und es macht ab dem Moment Sinn, wo die Zahl Ihrer Lagerbestände dreistellig wird. Es gibt hierfür auch moderne technische Hilfen. Eine simple Excel-Liste am PC ist ein kostengünstiger Einstieg, aber es gibt natürlich auch eine Menge an speziell für diesen Zweck entwickelter Software bis hin zu maßgeschneiderten Programm-Lösungen. Sicher, das Einpflegen­ der neuen und das Austragen der genossenen Weine bleibt Ihnen nicht erspart. Aber auf Knopfdruck zu sehen, wo welche Flasche liegt oder welchen Wert Ihre Raritäten tagesaktuell darstellen, ist schon eine tolle Sache. Und erst eine komplette elektronische Kellerinventur mit einem Tastendruck – denken Sie jetzt darüber nach!

Den Keller aufzuräumen, ist eine spannende Herausforderung. Man freut sich stets über neue, unerwartete Funde.

Den Keller aufzuräumen, ist eine spannende Herausforderung. Man freut sich stets über neue,
unerwartete Funde.

© GettyImages

Platz sinnvoll nutzen

Unlängst durfte ich mich im Keller eines befreundeten Sammlers umsehen, und dabei ist mir wieder einmal ein Phänomen aufgefallen, das mich schon länger vor ein Rätsel stellt. Der gute Mann hatte volle Holzkisten – sechs Stück davon – mit edlen Rotweinen, wohlgeordnet nach Produzenten, übereinandergestapelt. »Ich kaufe mir jedes Jahr zwölf Flaschen von diesen Betrieben«, erzählte er voll Stolz. Der jeweils älteste Jahrgang, und damit jener der Trinkreife am nächsten, befand sich ganz unten im Stapel, der jüngste in der obersten Schicht. Wie der Mann es anstellt, da jemals wieder heranzukommen, weiß ich nicht. Welchen Wein ich bei unserem nächsten Dinner von ihm anfordern werde? Sie ahnen es …Ich persönlich kann mir keinen Designer-Keller leisten, lege aber Wert auf Funktionalität. Und weil ich im Keller auch nicht so viel Platz habe, wie ich gerne hätte, arbeite ich mit stapelbaren, zusammenklappbaren Kunststofflagerkisten, die sich auf beiden schmalen Frontseiten öffnen lassen. So kann ich auf sehr begrenztem Raum auch Tausende Flaschen ruhen lassen und komme stets an jede einzelne Flasche heran. Diese Zwölfer-Kisten sind ungemein robust und lassen sich sehr gut transportieren. Braucht man sie nicht, legt man sie einfach zusammen und kann auf geringer Fläche problemlos hundert Stück und noch mehr auftürmen. Ein weiterer Vorteil: Diese Stapelkisten sind vollkommen problemlos zu reinigen.

Land unter vermeiden

Wann haben Sie zuletzt die Luftfeuchtig-keit in Ihrem Keller gemessen? Dieser Punkt wird gerne unterschätzt. Zu viel Feuchtigkeit ist genauso schlecht wie ein zu trockener Keller. Manche Menschen denken, Wein fühlt sich in diesen überfeuchten Tropfsteinhöhlen wohl, und diese wären gut für die Naturkorken, damit sie nicht austrocknen. Irrtum, die Feuchtigkeit fördert die Schimmelbildung, und die Etiketten werden ruiniert oder lösen sich auf. Sollten Sie Ihre Weinflaschen stehend aufbewahren, hätte zu viel Feuchtigkeit im Keller vielleicht einen Sinn. Sollten sie aber liegen – was explizit vorzuziehen ist –, dann wird der Kork ohnehin befeuchtet, und zwar von der anderen Seite – und das reicht.

Legen Sie Wert auf Etikette

Apropos Etikette: Sollten Sie Sorge haben, dass Ihr Kellerklima für die Erhaltung des einwandfreien Zustands der Flaschenetikette – und das ist bei gewissen Weinen durchaus auch wertbestimmend – suboptimal geeignet sein könnte, dann kaufen Sie sich bitte transparente Frischhaltefolie. Genau, die aus der Küche. Mit diesem dünnen, aber sehr reißfesten Material, das sich bei späterer Gelegenheit ganz leicht und rückstandslos entfernen lässt, schützt man seine Sammlerstücke sehr effektiv, denn auch in einem trockenen Keller ist man vor Staub und Schmutz nie sicher. Bei optimalem Klima kann man die Flaschen natürlich auch in Seidenpapier einwickeln.

Stapelbare Lagerkisten aus Kunststoff sind extrem stabil und vielseitig einsetzbar.

Stapelbare Lagerkisten aus Kunststoff sind extrem stabil und vielseitig einsetzbar.

Foto beigestellt

Der Sicherheits-Check

Für einen optimalen Weingenuss möchte ich Ihnen zwei Helfer vorstellen: Der ers­te heißt Coravin. Die meisten von Ihnen kennen dieses geniale Tool, das es möglich macht, einen Wein zu verkosten, ohne die Flasche tatsächlich zu öffnen. Dieses etwas kostspielige Gerät findet in der Gastronomie breite Anwendung, im privaten Bereich stößt es erstaunlicherweise auf weniger Verständnis. Wie oft habe ich schon gehört: »Coravin? Brauche ich nicht, wenn ich eine gute Flasche aufmache, dann trinke ich sie sowieso aus – auch allein, wenn es sein muss.« Man ist offensichtlich der Meinung, der Coravin ist nur etwas für Weinasketen, die sich alle paar Tage in absoluter Einsamkeit mit einer Handbreit von Pétrus im Glas bescheiden. Ein Irrtum. Man kann das Gerät auch wesentlich sinnvoller verwenden. Mal angenommen, Sie wollen feststellen, ob ein spezieller Wein die von Ihnen gewünschte Trinkreife erreicht hat oder doch noch nicht. Klassische Lösung: Flasche öffnen, probieren und sich ärgern – der hätte noch ein, zwei Jahre vertragen. Mit Coravin: Minimenge für den Probeschluck aus der Flasche geholt. Jetzt können Sie entscheiden – trinken oder warten. Bei der zweiten guten Flasche Bordeaux hat sich das Gerät schon gerechnet. Fall zwei: Sie sind eingeladen und bringen eine tolle Flasche aus Ihrem Keller mit. Dort wird diese unter großem Tamtam geöffnet – und dann das Unvermeidliche: Korkfehler. Man riecht Moder statt beerige Aromen und feine Röstanklänge. Peinlich. Hätten Sie den Wein schon zu Hause gecheckt, wären Sie jetzt auf der sicheren ­Seite. Aus eigener Erfahrung darf ich an­fügen: Wenn man nur kleine Mengen aus der Flasche entnimmt, dann reift der Wein locker für die nächsten fünf Jahre so weiter, dass Sie keinen Unterschied zu einer Originalflasche finden werden.

Der Korken-Schreck

Wenn Sie öfter ältere Weine oder solche aus Burgunderflaschen öffnen, dann wissen Sie, dass dies mit herkömmlichen Korkenziehern schwierig ist. Alte Korken zerbröseln, Burgunderkorken reißen auch mit dem besten Screwpull ab. Wir haben vieles ausprobiert, am Ende hat uns aber ein Spezialkorkenzieher überzeugt. Er ist zwar nicht billig, aber sein Geld unbedingt wert. Unter dem Na-men »The Durand« verbindet er auf geniale Weise die Wirkung eines klassischen Spiralkorkenziehers mit hohler Seele und dem Prinzip eines Lamellenkorkenziehers. Für junge Weine braucht man dieses Spezialgerät natürlich nicht, aber wenn es ans Ein­gemachte geht, dann will man nie wieder etwas anderes als den Durand. So, nun wird es aber Zeit, sich an die Arbeit zu machen, im Keller wartet nämlich auch manch liebsame Überraschung. Denn man findet immer einen edlen Tropfen, den man eigentlich längst ausgetrunken glaubte. Es sei denn, man hat brav und lückenlos sein Kellerbuch geführt …


»Kühl, feucht und dunkel«

Die wichtigsten Regeln für einen perfekten Weinkeller:

  • Stehend oder liegend? Alle Weine, die mit einem Naturkork verschlossen sind, werden liegend gelagert, um das Austrocknen des Korkens zu verhindern. Sind Flaschen mit Vinolok-Glasverschlüssen oder Schraubern versehen, kann man sie auch problemlos stehend lagern.
     
  • Die ideale Temperatur: Je kälter der Wein aufbewahrt wird, umso langsamer entwickelt er sich. Hitze ist der Feind einer optimalen Rei­fung, Profis lagern ihre Weine bei 12 ­bis 13 Grad, das mögliche Temperatur­fenster liegt zwischen 7 und 18 Grad, alles darüber oder darunter sollte man meiden. Wichtig ist, so wenig Tempera­turschwankungen wie möglich zu haben.
     
  • Wein liebt es dunkel: Dauerbelichtung tut keinem Wein gut, besonders Schaumwein verliert bereits nach 14 Tagen im Tageslicht an Frische – die UV-Strahlen des Sonnenlichts führen zu einem vorschnellen Reifungsprozess.
     
  • Die ideale luftfeuchtigkeit: Zu viel Feuchtigkeit im Keller unterstützt unerwünschte Schimmelbildung, der Zustand der Etiketten leidet. Zu trockene Luft lässt die Naturkorken austrocknen und unter Umständen undicht werden. Heute geht man von einem idealen Bereich von 50 bis 80 Prozent aus.
     
  • Neutrale Umgebung: Vermeiden Sie es, anderes im Weinkeller zu lagern, denn alle Arten von Gerüchen werden durch die Korken von Weinen über kurz oder lang »eingeatmet«. ­Ge­müse, Winterreifen oder Lackdosen haben im Weinkeller nichts verloren!
     
  • Stoßfrei lagern: Die Erfahrung hat gezeigt, dass man­che Weine sehr schlecht auf ständige Erschütterungen reagieren. Wenn also unter Ihrem Haus die U-Bahn durch­braust oder eine Eisenbahntrasse direkt daneben liegt, sollten Sie für Ihre edlen Tropfen lieber eine andere Lagermög­lichkeit finden.

ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 03/2020
Zum Magazin

Mehr zum Thema

News

Würzburger Stein: Salz und Sinnlichkeit

Der Würzburger Stein ist die Paradelage der fränkischen Barockstadt. Und er atmet Geschichte. Bereits vor mehr als 200 Jahren hatte er einen...

News

Die Sieger der Weißburgunder Trophy 2020

Der Weißburgunder fordert den Chardonnay heraus: Zu den besten zählen die der Weingüter Vorderer Winklerberg, Salwey und Friedrich Becker.

News

Die Sieger der Spätburgunder Trophy 2020

2017 war kein einfacher Jahrgang, doch die Weine sind ausgezeichnet! Die Sieger-Rotweine kommen vom Weingut Jülg, der Georg Müller Stiftung und Karl...

News

G-Max: Das Phantom

Nur sehr wenige trockene Weißweine kosten mehr als 2000 Euro pro Flasche, fast immer kommen sie aus dem Burgund. Doch aus Rheinhessen kommt ein...

News

Quiz: Testen Sie Ihr Weinwissen!

Beantworten Sie elf kurzweilige Fragen und küren Sie sich zum Weingott! Oder reicht Ihr Weinwissen gerade einmal für den Status als Cola-Rot-Trinker?

News

Die Sieger des Kremstal DAC Cup 2020

Kremstal DAC bietet ein vielseitiges Sortiment an Grünen Veltlinern und Riesling an. Leo Müller belegte mit seinem Grünen Veltliner den ersten Platz,...

News

Das Geheimnis des Bernkasteler Doctors

Der Trierer Kurfürst Boemund II., so sagt die Legende, soll im 14. Jahrhundert von einer schweren Krankheit genesen sein, nachdem er von diesem Wein...

News

Weinkeller für die Wohnung

Nicht jede Wohnung bietet genügend Raum für die ideale Weinlagerung. Abhilfe schaffen Weinklima- und Temperierschränke – sie sind Weinkeller in...

News

Die besten Online-Auktionen

Auch der Auktionsbetrieb für edle Weine hat sich inzwischen längst ins Internet verlagert. Hier die spannendsten Adressen.

News

Trinken im Auge der Webcam

Die Corona-Krise hat das soziale Leben ins Internet verlagert – auch und gerade in Sachen Wein. Aber kann eine Weinprobe per Video-Chat wirklich Spaß...

News

Zeit zum Aufräumen: Ab in den Keller

Falstaff verrät wie man den eigenen Weinkeller fit für die Zeit nach Corona macht und was es dabei zu beachten gilt.

News

Zwiesel Glas unterstützt Restaurants, Bars und Winzer

Das deutsche Kristallglas-Unternehmen hat gemeinsam mit der Online-Agentur active value die Plattform local-foodlovers.de ins Leben gerufen.

News

Shortlist mit aktuellen Weintipps

Wein-Empfehlungen aus dem Handel, verkostet und bewertet von der Falstaff-Weinredaktion.

News

Wein & Corona: Was Sie wissen müssen

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die Weinwelt? Wir haben die häufigsten Fragen und unsere Antworten für Sie zusammengefasst.

News

Falstaff 03/2020: Daheim genießen

Mit der neuen Ausgabe des Falstaff Magazins liefern wir Ihnen eine perfekte Anleitung für eine genussvolle Zeit zu Hause.

News

ALDI SÜD: Auf die wärmende Kraft der Sonne ist Verlass

Der Frühling steht vor der Tür – und mit ihm neue Genüsse aus dem Weinsortiment von ALDI SÜD.

Advertorial
News

Goldene Keller: Weinkeller in den Alpen

Es gibt sie, die nahezu perfekten, ja grandiosen Weinkeller in den Alpen. Weinkeller, die durch Einzigartigkeit glänzen. Falstaff hat sie gefunden.

News

Tenuta Luce: Eröffnung des neuen Weinkellers

Der neue Weinkeller von Luce della Vite in Montalcino öffnet seine Tore für geführte Besichtigungen und Verkostungen.

News

Aktuelle Weinklimaschränke im Falstaff-Test

Welcher Weinkühlschrank eignet sich für welchen Zweck? Falstaff hat acht aktuelle Geräte für Weinliebhaber und jeden Geldbeutel gefunden.

News

»wineBANK«: Geburtstagsfest, Neueröffnung und Expansionspläne

In Hamburg seit einem Jahr erfolgreich kann man seinen Wein zukünftig auch in Frankfurt zur Bank tragen!