World Champions: Château de Beaucastel

Das Weinmachen ist auf Beaucastel eine Familientradition, die generationsübergreifend gepflegt wird.

© Philippe Martineau

Das Weinmachen ist auf Beaucastel eine Familientradition, die generationsübergreifend gepflegt wird.

© Philippe Martineau

Im Schwärmen sind die Franzosen unübertrefflich. Keine andere Sprache eignet sich so vorzüglich, das Gute und Schöne in beeindruckende Worte zu fassen. So bereitet auch ein Gespräch mit François Perrin höchsten Genuss, wenn er – wie könnte es anders sein – über den französischen Wein im Allgemeinen und das eigene weltbekannte Gut, Château de Beaucastel, im Speziellen zu erzählen beginnt: »Ein großer Châteauneuf-du-Pape ist in erster Linie ein Wein, der gut altert. Der zweite Punkt – sehr wichtig für einen großen Wein – liegt in der Emotion. Es geht darum, Emotion zu transportieren. Genau darin liegt seine Definition: Ein großer Wein spendet Emotion gepaart mit Zivilisation, er ist die Summe eines speziellen Ausdrucks, und ich hoffe, dass Beaucastel all diese Qualitäten besitzt.«

François Perrin selbst bezeichnet sich und seinen Bruder Jean-Pierre – beide leiten die Geschicke von Château de Beaucastel und zahlreiche weitere Projekte – als »die alte Generation – … Schade, aber es ist so«. Sie sind die Söhne des legendären Jacques Perrin, der das von seinem Großvater gegründete Familienweingut zu einer der bedeutendsten Weinkellereien Frankreichs ausgebaut hat. Mit den Kindern Marc, Pierre, Thomas, Cécile, Charles, Matthieu und César sind auch die Vertreter der fünften Generation bereits aktiv auf Château de Beaucastel involviert. 

In sonnendurchfluteten Weingärten wachsen die Trauben für den langlebigen Châteauneuf-du-Pape.

© Philippe Martineau

Den wohl besten Einstieg in die Weinwelt der Familie Perrin bildet der Coudoulet de Beaucastel, der die Appellationsbezeichnung Côtes du Rhône AOC trägt. Die dreißig Hektar Weingärten liegen im Osten von jenen, aus denen der Châteauneuf-du-Pape des Hauses kommt. Hier, auf der anderen Seite der Autobahn A7, die die Grenze für die Erzeugung des »päpstlichen« Weins markiert, wachsen die typischen regionalen Rotweinsorten, drei Hektar sind für den weißen Coudoulet reserviert. Die Böden weisen große Ähnlichkeit mit jenen in Châteauneuf-du-Pape auf; auch hier, im Gebiet zwischen Avignon und Orange, dominieren die Galets Rouléts, jene großen Kieselsteine, die das Terroir bedecken.

Die Trauben für den legendären Châteauneuf-du-Pape AOC, der den Namen Château de Beaucastel trägt, kommen aus einem siebzig Hektar großen Rebbestand an der nördlichen Grenze der Appellation. Man legt Wert darauf, für diesen Wein auf alle 13 zugelassenen Rebsorten zurückzugreifen und nicht, wie oft in Châteauneuf-du-Pape der Fall, dem Grenache eine dominierende Rolle zukommen zu lassen. In der Regel besteht die Cuvée des Grands Vins aus 30 Prozent Grenache, 30 Prozent Mourvèdre, je 10 Prozent Syrah und Counoise; die restlichen 20 Prozent setzen sich aus allen anderen Sorten zusammen. Deren Namen lauten: Cinsault, Vaccarese, Terret Noir, Muscardin, Clairette, Picpoul, Picardan, Bourboulenc und schließlich Roussanne.

Die Weine reifen ein Jahr lang in großen Eichenfässern, lediglich der Syrah kommt ins Barrique.

© Philippe Martineau

Weißwein aus uralten Reben

Für die Produktion der weißen Variante des Châteauneuf-du-Pape stehen sieben Hektar bereit, die dominierende Rolle spielt hier der Roussanne, der etwa 80 Prozent der Cuvée ausmacht. Es gibt von der gesuchten Weißweinsorte aber auch in streng limitierter Flaschenzahl von wenigen Tausenden eine reinsortige Füllung – erzeugt aus den Trauben uralter Reben: den Châteauneuf-du-Pape Blanc Roussanne Vieilles Vignes, der zu Recht als einer der größten Weißweine Frankreichs gilt. Dieser Roussanne wird zur Hälfte im Holz ausgebaut und dem biologischen Säureabbau unterzogen, was ihm zusätzliche Haltbarkeit verleiht. 

Den unbestrittenen Spitzenplatz im Sortiment der Familie Perrin nimmt die Cuvée »Hommage à Jacques Perrin« ein, das sind pro Produktionsjahr rund 400 bis 500 Kisten eines roten Châteauneuf-du-Pape, der dem Andenken an den 1978 verstorbenen Vater gewidmet ist.

Unverwechselbare Note

Dieser Wein wurde im Jahrgang 1989 erstmals vinifiziert und wird wie damals auch heute noch komplett im Foudre ausgebaut. Seinen unverwechselbaren Charakter bezieht er aus dem hohen Anteil der betont würzigen Sorte Mourvèdre, die in der Regel rund 60 Prozent ausmacht. Ursprünglich sollte der Wein nur aus den allerbesten Jahrgängen kommen, er entpuppte sich aber als derartiger Erfolg, dass er de facto seit 1998 jedes Jahr herausgekommen ist. Nur 2002 und 2006 wurden ausgelassen. Der »Hommage« wird die Ehre zuteil, der erste Wein zu sein, der über den Platz Bordeaux in Subskription zum Verkauf angeboten wurde, obwohl er dort nicht erzeugt wird.

Vergoren wird bei Beaucastel je nach Bedarf und Sorte in Holz- oder Edelstahlgärständern.

© Philippe Martineau

Bio-Vorreiter

Ganze fünf handverlesene Négociants dürfen dieses Weinjuwel in die weite Welt verteilen. Insgesamt verfügt Château de Beaucastel über 130 Hektar, von denen 100 mit Reben bedeckt sind, der Rest wird mit wechselnder Fruchtfolge für den künftigen Weinbau vorbereitet. Jahr für Jahr werden ein, zwei Hektar gerodet und an anderer Stelle wieder neu gepflanzt. 

Das Weingut ist ein Vorreiter des biologischen Weinbaus, mit dem bereits 1950 begonnen wurde; seit 1974 wird konsequent der Weg der Biodynamik beschritten. Die gesamte Weinlese wird per Hand durchgeführt, die Trauben werden bei der Ankunft im Keller sorgfältig sortiert und vor der Vinifikation zur Gänze entrappt. Nach 15 Tagen im Gärständer reifen die Weine anschließend ein Jahr in großen Eichenfässern, lediglich der Syrah kommt ins Barriquefass. Danach lagern die Weine von Beaucastel ein weiteres Jahr auf der Flasche in den Kellern, bevor sie schließlich ihre Reise auf die Märkte in aller Welt antreten. Neben den Weinen mit dem Etikett Château de Beaucastel kommen aus der Serie Famille Perrin zahlreiche regionale Weine auf den Markt, die aus unterschiedlichen Appellationen des südlichen Rhônegebiets stammen, wo die Perrins mit heute insgesamt 350 Hektar die größten einzelnen Weingartenbesitzer sind. 

Spannender Bogen

Die Palette reicht von den zahlreichen Côtes du Rhônes, allen voran dem herausragenden Vinsobres Les Haut de Julien, bis hin zu den klassischen aus Gigondas, an deren Spitze der Clos des Tourelles und L’Argnée, der aus 130 Jahre alten, unveredelten Grenachestöcken stammt, brillieren. Für den Châteauneuf-du-Pape »Les Sinards« verwendet die Familie Perrin die Trauben der jungen Anlagen von Beaucastel, aber auch welche aus Weingärten, die näher an der Ortschaft Châteauneuf-du-Pape liegen. Mit dem Etikett »La Vieille Ferme« verfügt man über sehr preisleistungsstarke Weine aus den Appellationen Ventoux für Rosé und Roz und Luberon für die frischen Weißweine. 

Der Wein reift in großen Eichenfässern.
Der Wein reift in großen Eichenfässern.

© Lionel Moulet

Jolie, Pitt und Perrin

Weites internationales Interesse zog ein Weinprojekt auf sich, für das die Familie Perrin seit einigen Jahren önologisch die Verantwortung trägt: Im Jahr 2008 hatte sich das mittlerweile geschiedene Hollywoodpaar Angelina Jolie und Brad Pitt um kolportierte 60 Millionen US-Dollar ein Anwesen in der Provence zugelegt, zu dem auch weitläufige Weinberge gehören. Man suchte nach einem geeigneten Partner, der die Trauben in einen ansprechenden Rosé de Provence verwandeln kann, und im Jahr 2013 kam der »Miraval« erstmals auf den Markt. Eine neue Erfolgsgeschichte hatte begonnen. Inzwischen ist die Glamourehe geschieden, das Weingut aber scheint nicht betroffen. 

Back to the roots

Charles Perrin, der vor Ort die Verantwortung trägt, nimmt es gelassen. »Die beiden sehen das als langfristige Investition für ihre Kinder, geändert hat sich nur der Erzeugerpassus am Rückenetikett. Statt Jolie-Pitt und Perrin steht da jetzt eben seit 2017 Jolie, Pitt und Perrin. Wir haben noch zusätzlich ganz neu ein feines Olivenöl ins Sortiment genommen.« Gewissermaßen eine Rückkehr zu den Wurzeln. Im Interview mit der französischen Weinfachzeitschrift »La Revue du Vin de France« erzählt Senior François Perrin: »Als mein Großvater Château de Beaucastel im Jahr 1909 erwarb, befasste sich unsere Familie in erster Linie mit der Herstellung von Olivenöl und Tramier-Öl (basiert auf einer Olivenöl-Sonnenblumenöl-Mischung, Anm.). Nach Jahren des Parallel-Handels mit Öl und Weinen beschloss mein Vater im Jahr 1956, sich ausschließlich dem Wein zu widmen.« Was danach folgte, ist eine weltbekannte Erfolgsgeschichte.

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Falstaff Nr. 02/2018
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  • Winzer
    Château de Beaucastel
    84350 Courthezon
    Rhone-Alpes, Frankreich
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