Wir hören das Ticken bei Leica

Die Leica »L2«

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Es hat schon einmal Versuche gegeben Uhren mit dem Namen Leica am Zifferblatt zu fertigen, doch die waren eher kläglich. Das meinen nicht nur wir, das meint auch Herr Kaufmann. Was jetzt folgt ist auf Augenhöhe mit den weltberühmten Kameras, man hat alles richtig gemacht. Mechanische Kompetenz hat Leica zuhauf, aber keine im Uhrenbau. Das zusammengestellte Team und der Partner zur Fertigung machen dies nun mehr als wett. An der Spitze steht der charismatische Chef.

Herr Kaufmann kann begeistern, ist ein Macher, der gute Ruf eilt ihm da voraus. Teamleiter Jérôme Auzanneau stammt von Audemars Piguet, Reinhard Meis war früher Entwickler hochfeiner Uhrwerksmechanismen, unter anderem für A. Lange & Söhne, Achim Heine ist Professor für Produktdesign an der Universität für Künste in Berlin und Markus Lehmann, der Eigentümer der Lehmann Präzision GmbH beheimatet in Hardt bei Schramberg im Schwarzwald. So gerüstet konnte und kann Leica heute Armbanduhren entwickeln und fertigen, die weit mehr als nur Transporteure und Multiplikatoren des Firmenlogos am Handgelenk sind.

Die beiden Modelle Leica »L1« und »L2« beherbergen Funktionen die es in der Form noch nicht gegeben hat. Herr Kaufmann erzählte uns, dass er großen Wert auf »Made in Germany« lege und deshalb für ihn nur Markus Lehmann als Partner für die Fertigung in Frage kam, nachdem er gescheitert war den ebenso im Schwarzwald angesiedelten Chronografenhersteller Hanhart in Gütenbach zu kaufen. Rund fünf Millionen Euro hat das Projekt bis dato verschlungen, inklusive der in der Pipeline befindlichen Modelle »L3«, »L4«, »L5« und »L6«. Für Letztere hat sich Herr Kaufmann nochmals Verstärkung ins Boot geholt. Und zwar niemand geringeren als Gerd Rüdiger Lang, den Begründer von Chronoswiss. Lang und Chronoswiss gehören heute nicht mehr zusammen, somit hat der Uhrmachermeister und Chronografenspezialist wieder viel Zeit und Muße. Herr Kaufmann verriet uns bereits, dass ein Armbandwecker mit Anzeigemöglichkeit einer zweiten Zonenzeit in der Pipeline ist und wir vermuten, dass Gerd-Rüdiger Lang einen Chronografen konzipieren wird. Na dann mal los!

Ach ja, wer ist Lehmann? Die Lehmann Präzision GmbH fertigt – nomen es omen – Präzisionsmaschinen zur Erzeugung von Kleinteilen für die Uhrenindustrie. Markus Lehmann hat aber auch ein Faible für Uhren selbst und baut seit ein paar Jahren seine eigenen Zeitmesser. Auf sehr hohem Niveau muss man erwähnen, doch tut er sich ob des relativ unbekannten Namens bei Uhrensammlern relativ schwer diese zu verkaufen. Mit Leica wird sich dies nun sprunghaft ändern, so viel ist schon mal gewiss.

Leica »L1« und Leica »L2«

Eine 41 mm große und 14 mm hohe Stahluhr ausgestattet mit dem Handaufzugkaliber »L1« und »L2«. Die beiden Kaliber zeigen die Uhrzeit und das Datum und sie verfügen über eine Gangreserveanzeige und einen Zero-Reset-Mechanismus. Zero-Reset bedeutet, dass beim Drücken der Krone der Sekundenzeiger in seine Nullposition springt und die Zeiger gestellt werden können. Ein lästiges Abwarten bis der Sekundenzeiger endlich bei »Null« einlangt und die Uhr dann sekundengenau nach einer Zeitreferenz gestellt werden kann, das entfällt somit. So lange der Zero-Reset und die Funktion zum Stellen der Zeiger aktiv ist, also bis man die Krone abermals drückt, erscheint ein roter Punkt am Zifferblatt, einer der so aussieht wie ein kleines Leica-Logo. Herrn Kaufmann gefällt genau dieses kleine, feine Detail an seiner »L1« und »L2«: »Wer will schon ständig einen roten Punkt am Zifferblatt sehen?« 

Die Leica »L2« ist technisch baugleich, ergänzt jedoch mit einer innen, am Rehaut liegenden Drehlünette mit der eine zweite Zonenzeit mittels der geränderten Krone bei »4 Uhr« eingestellt werden kann. So kann die »L2« auch als Reiseuhr benützt werden, zudem die Drehlünette an eine Tag-/Nachtanzeige gekoppelt ist.

Der Drücker bei »2 Uhr« dient übrigens bei beiden Modellen zum Einstellen das Datum. Mit 60 Stunden verfügen die beiden Kaliber »L1« und »L2« über ausreichend Gangreserve, die Gehäuse sind 50 Meter wasserdicht, da hätten ein paar Meter mehr definitiv nicht geschadet, zumal die L1« und »L2« als echte Alltagsuhren durchgehen. Der Gesamteindruck ist dennoch ein guter. Wir konnten uns davon einen ganzen Nachmittag überzeugen. Uns gefallen das eigenständige Design und die konsequente Umsetzung des Projekts. Nichts wurde hier dem Zufall überlassen! 

Nächstes Jahr will Herr Kaufmann rund 400 »L1« und »L2« in seinen Ernst Leitz Werkstätten in Wetzlar zusammengebaut haben. Dass er die wahrscheinlich bei 9500 und 14.500 Euro positionierten Uhren wird verkaufen können, davon darf man ausgehen. Das weltweite Leica-Boutiquen-Netzwerk und einige ausgesuchte Fachhändler stehen Gewehr bei Fuß. Die Leica-Fangemeinde hat in den sozialen Netzwerken bereits mit viel Enthusiasmus reagiert. Also was will man mehr? Wir hören bereits das Ticken bei Leica.

Hier das Interview mit Dr. Andreas Kaufmann und Alexander Linz:

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