Winzerin des Jahres: Caroline Diel im Porträt

Präsent in Weinberg und Keller: Caroline Diel liebt alle Facetten des Winzerberufs.

© Hendrik Haase

Präsent in Weinberg und Keller: Caroline Diel liebt alle Facetten des Winzerberufs.

Präsent in Weinberg und Keller: Caroline Diel liebt alle Facetten des Winzerberufs.

© Hendrik Haase

Der kurze Vorstellungsfilm über Caroline Diel, den Falstaff und Gerolsteiner im Vorfeld der diesjährigen Weintrophy gedreht haben, zeigt zu Beginn die Lage Dorsheimer Burgberg aus der Vogelperspektive, dann schwenkt die Kamera auf einen riesigen Felsen am Rand des Weinbergs, wo man zunächst einen blauen Punkt auf dem  Stein erkennt, und dann beim Einzoomen eine Frauengestalt in Jeans und mit blauer Jacke: Caroline Diel. Sie scheint es zu genießen, wie sie da oben sitzt und auf ihre Reben blickt. Und vielleicht ist ja ihr ganzer bisheriger Lebensweg auch so etwas gewesen wie ein Kameraschwenk, der zunächst aus großer Entfernung eine Totale eingefangen hat, um dann langsam auf jenen einen Ort zu fokussieren, der ein Nachhausekommen ermöglicht.

Ein Talent mit Aoc Nahetal

Burg Layen, unteres Nahetal. Die Weinberge stehen hier abseits des Flusses: Entlang eines Seitengewässers, des Trollbachs, ziehen sie sich an steilen Südflanken den Hang hinauf. Steinig sind hier nicht nur die Felsen am Rand der Weinberge, Schiefer und Quarzit liegen auch im Boden. Die Gegend ist nichts für Schönwetterwinzer. Und als der Ort Burg Layen 1985 ohne eigenes Verschulden in die Schlagzeilen gerät – mit der Firma Pieroth hat hier einer der Protagonisten des Glykolskandals seinen Sitz –, macht sich ein junger Winzer namens Armin Diel daran, den Ruf seines Heimatorts wieder zurechtzurücken.

In den nächsten 35 Jahren wird Diel das Weingut seiner Familie in die nationale Spitzenklasse führen, er wird in einer besonders richtungsweisenden Zeit – derjenigen der ersten Klassifikationsbestrebungen – als VDP-Vorstand bedeutenden Einfluss auf die deutsche Weinbaupolitik nehmen, und er wird in seiner nebenberuflichen Funktion als Weinkritiker kontrovers diskutiert und auch bekämpft werden. Ein echtes Schwergewicht also, das es da beim Generationenwechsel abzulösen galt. Wie schafft man es in einer solchen Situation, sich als Tochter freizuschwimmen? »Wenn man einen dominanten Vater hat«, so antwortet Caroline Diel, »dann ist es wichtig, dass man selbst weiß, was man will.« Nach diesem Willen zu suchen begann sie, vermutlich aus einem höchst gesunden Instinkt heraus, schon lange bevor sie diese Einsicht so klar hätte formulieren können.

© Hendrik Haase

Als sie ihr Abitur machte – und zwar in Kalifornien, fernab des heimischen Hildegardis-Gymnasiums Bingen –, da habe sie bei einer Veranstaltung mit ihrem Vater und mit anderen Winzern zum ersten Mal festgestellt, so erzählt sie, dass Weinmachen vielleicht eine Perspektive sein würde. Für einen kurzen Moment interessierte sie auch das Hotelfach, doch nach Praktika im Hotel Bareiss in Baiersbronn und bei Johann Lafer, quasi in der Nachbarschaft in Stromberg, merkte sie, dass doch eher der Wein ihr Ding war. Was sich daran anschloss, kann man vielleicht als eine Zeit des Ausleuchtens der Landschaft Weinbau beschreiben, und nun machte Caroline Diel weite Wege, die ihr eine Sicht aus der Ferne ermöglicht haben. Auf der Liste ihrer Praktikumsstationen stehen Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande in Bordeaux, Robert Weil im Rheingau, am Mittelrhein Toni Jost und in der Pfalz Dr. Deinhard.

Danach war sie reif fürs Studium in Geisenheim. Und setzte von dort aus ihre Erkundung der weiten Weinwelt fort und konnte sich beim Champagnerhaus Ruinart umsehen sowie in keiner Geringeren als der Domaine de la Romanée-Conti in Burgund. Ihre Diplomarbeit schrieb Diel im Jahr 2004 bei Hansjörg Rebholz in der Südpfalz. Danach folgten noch Abstecher zu Schloss Halbturn am Neusiedlersee, nach Südafrika zum Weingut Vergelegen und zuletzt zum Rippon Estate in der neuseeländischen Pinot-noir-Hochburg Central Otago. Eine sehr viel komplettere Tour d’horizon durch den Weinbau dieses Planeten ist kaum vorstellbar.

Holz ist für Caroline Diel  das bevorzugte Ausbaumaterial – natürlich vor allem für die Burgunder, aber nicht ausschließlich.

Holz ist für Caroline Diel  das bevorzugte Ausbaumaterial – natürlich vor allem für die Burgunder, aber nicht ausschließlich.

© Hendrik Haase

Die Heimkehr

»Im Sommer nach den Lehr- und Wanderjahren«, erzählt Caroline Diel weiter, »bin ich dann nach Hause zurückgekehrt, das war im Jahr 2006.« Der Herbst 2006 entwickelte sich gleich zu einer Feuertaufe: Nach sintflutartigen Regenfällen Anfang Oktober war die Lese ein einziger Wettlauf gegen die Botrytis. »Das Zeitfenster für die Lese war so extrem klein. Da ich für den Herbst eigentlich gar nicht eingeplant war, war es in dieser Situation extrem wertvoll, noch eine Person zusätzlich zu haben, die direkt in den Weinbergen Entscheidungen treffen konnte.« Caroline Diel hatte ihren Platz gefunden: »Ich mach’ das heute noch so, in der Lese bin ich immer draußen.«

Die Wachablösung

Im Jahr darauf, 2007, stieg Caroline Diel direkt als Gesellschafterin ins Weingut ein. »Mein Vater hat Weinberg und Keller ja eigentlich nie selbst gemacht, insofern war ohnehin ein Platz frei«, so blickt Diel  zurück. Während der folgenden Jahre stiegen die Anteile der Tochter am Weingut stetig, während die des Vaters im gleichen Maß fielen. 2017 übergab Armin Diel schließlich Grund und Boden, im Jahr 2019 übernahm Caroline Diels Ehemann Sylvain Taurisson-Diel einige noch verbliebene Anteile seines Schwiegervaters, der Übergang war damit auch formell vollzogen. Blickt man auf die Weine, die das Schlossgut in den letzten Jahren vorgestellt hat, fällt auf, dass die Rieslinge deutlich an mineralischem Fokus gewonnen haben, während sich die Burgundersorten stetig verfeinern und von einem wohldosierten Holzeinsatz profitieren.

Die vielleicht stärkste Aussage aber über Caroline Diels Leistung ist, dass es über ihre Weine zwei Meinungen gibt: Diejenigen, die schon seit jeher Fans der Diel-Etiketten waren, heben die Kontinuität hervor und rühmen Diel dafür, dass sie Bewährtes beibehalten habe. Und die neu gewonnenen Anhänger loben, wie positiv die junge Önologin das Weingut verändert habe.
Zurück zum Film und zu Caroline Diel  auf dem Felsen am Rand des Dorsheimer Burgbergs. Man fragt sich unwillkürlich: Wie kommt sie da nur hin, so weit nach oben auf diesen steilen und vermutlich  auch rutschigen Felsen? Aber wenn man betrachtet, was die Burgherrin, Önologin und dreifache Mutter auch sonst schon alles erreicht hat, dann ist auch das kein Wunder: Wie alles andere wird sie es ebenso geschafft haben – mit Balance und ­Willenskraft, mit Geschick und, ganz wie beim Wein, mit dem richtigen Fingerspitzengefühl für den Stein.

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Falstaff Nr. 01/2020
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