Whisky statt Joghurt: Bladnoch hat neuen Besitzer

In Hamburg wurde die Bladnoch-Rage vorgestellt.

© Falstaff/Roland Graf

In Hamburg wurde die Bladnoch-Rage vorgestellt.

© Falstaff/Roland Graf

Für einen Freitag-Abend war der »Hafen Club« an den Hamburger Landungsbrücken bestens gefüllt. Die deutsche Whisky-Community war sichtlich neugierig darauf, David Prior kennenzulernen und den Eigentümer der Lowland-Destillerie auszufragen. Immerhin acht Jahre war kein Tropfen Whisky in einer der ältesten Brennereien Schottlands (Gründungsdatum: 1817) gefüllt worden. Die irischen Gebrüder Armstrong hatten sich als Eigentümer zerstritten, verdient wurde lediglich mit dem Vermieten von Lagerflächen in den Warehouses von Bladnoch. Letztlich wurde »Ernst & Young« mit dem Verkauf beauftragt.

Prior selbst kam 2015 erst in letzter Minute ins Spiel. »Eigentlich wollte ich selbst eine Destillerie errichten, das Land dafür hatten wir schon«. Doch als ein indischer Interessent von den Behörden abgelehnt worden war, eröffnete sich plötzlich eine andere Möglichkeit. »Man sagt ja, dass nicht Du die Destillerie findest, sondern sie Dich.«, so Prior. Dann ging alles relativ schnell. Selbst das neue Equipment konnte dank prominenter Berater wie Ian MacMillan (ehemals: Tobermory, Bunnahabhain) und Gavin Hewitt, dem Ex-Geschäftsführer der Scotch Whisky Association, in rekordverdächtigen sechs Monaten mit dem schottischen Spezialisten Forsyths implementiert werden.

Der erste neue Whisky wurde in Wigtown im Juni 2017 gefüllt. Die Kapazität wurde so von den zuletzt 250.000 Litern unter den Armstrong-Brüdern auf 600.000 Liter pro Jahr aufgerüstet, »in sieben Jahren wollen wir beim Maximum von 1,5 Mio. Litern Whisky jährlich angelangt sein«, hat der australische Neo-Brenner klare Vorstellungen.

Die Standard-Zahl: 1,5 Millionen

Allerdings: »Ich kann die alten Besitzer verstehen«, seufzt er, »erst wenn Du in der Branche bist, siehst Du, wie kapitalintensiv das ist«. 1,5 Millionen Pfund gibt Bladnoch jährlich für Fässer aus, die gleiche Summe geht für den Ankauf des Gerstenmalzes auf. Warum er sich das als Joghurt-Millionär antut, wird Prior gefragt. »Sagen wir besser Joghurt-Ex-Millionär«, erklärt der Yoga-treibende Surfer vom anderen Ende der Welt lächelnd. Auf den Whisky-Geschmack habe ihn sein Vater gebracht, »der mich mit 16, oder sagen wir: 18 Jahren, zum Single Malt gebracht hat«. Zudem sei er halb Engländer, halb Inder, »das sind schließlich beides große Whisky-Trinker-Nationen«.

Vertrieben werden die Bladnoch-Whiskys vom niedersächsischen Alba Import aus Nottensdorf. Dietmar Schulz und Corinna Schwarz haben sich unter dem Motto »Vibrant Stills« auf Inhaber-geführte Brennereien spezialisiert. »Wir waren ja schon einmal Importeur von Bladnoch«, so Schulz über seine Verbindung zu Prior, »und haben bei Schottlands südlichster Destillerie natürlich gleich ›Hurra!‹ geschrien«. Denn für einen Lowland-Whisky ist der Bladnoch auch recht ausdrucksstark. Historisch war es sogar ein getorfter Single Malt. In diese Richtung wird es auch gehen, sobald die ersten Abfüllungen vorliegen: »Wir haben einen leicht getorften Whisky in kleinen Fässern in der Pipeline«, gibt Prior eine Vorschau. Bis dahin wird aus den bestehenden Beständen und Rückkäufen von alten Bladnoch-Fässern (wieder einmal wurden 1,5 Mio. Pfund ausgegeben) ein Portfolio erstellt.

Sanskrit statt Gälisch

David Prior gibt aber auch zu, in der Zwischenzeit für andere Whisky-Firmen zu destillieren, allerdings nicht unter dem Label Bladnoch. »Teilweise verkaufen wir den ungelagerten ›new make‹, wobei vieles wie früher als Barter-Geschäft läuft, Du tauschst mit den anderen Brennereien«. Denn solange es nicht um den Verkauf direkt geht, sei die schottische Whiskywelt wie eine Bruderschaft, »es ist eine kollaborative Industrie«.

Ungewöhnlich war aber auch der Start zum 200. Destillerie-Jubiläum mit einem Whisky, der einen indischen statt eines gälischen Namens trug. »Samsara« bedeutet in Sanskrit »Wiedergeburt« – und Prior wollte in einem Whisky die ganze Geschichte hinter Bladnoch neu erzählen. Erst auf diesen Single Malt ohne Altersangabe (er ist zwischen acht und 17 Jahre alt) folgte ein Blended Scotch. »In den ›Pure Scot‹ investierten wir am meisten Gehirnschmalz«, so der Australier, »denn ein guter Blend ist eigentlich der perfekte Whisky. Er kann Dir eine Abgerundetheit geben, die mit einem Single Malt einfach nicht zu erzielen ist.«

Der Rosé unter den Single Malts

Ein 10- und ein 15-jähriger Whisky (»Adela«) sowie ein 17-jährige Single Malt mit Finish in kalifornischen Rotwein-Fässern rundet das Portfolio ab. Von der bisher ältesten Abfüllung unter dem neuen Eigentümer – einem »Bladnoch 29 years« – wurden lediglich 200 Flaschen gefüllt, die um ca. 5000 Pfund gehandelt werden. Dieses Statement sieht Prior als einen Zwischenschritt zur Vision, »Bladnoch wieder auf den Weltmarkt zu bringen als einen Vorläufer der Lowland Whiskies«. Im Idealfall laufe das ab wie in seiner Heimat mit dem Wein: »Früher wollten alle schweren Cabernet und Shiraz, heute trinken die Jungen alle Rosé.«

Gerade erst war Prior in Peking, »da ist jeder auf der Messe 25 Jahre, die wollen nichts zu Kräftiges probieren«. Insofern gehört China neben Australien, den USA, Frankreich und Deutschland zu den wichtigsten Märkten für den Mann, der nach dem Joghurt nun den Rosé des Single Malts neu erfindet.

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