Karen Fullerton, Global Brand Ambassador von Glenmorangie und Ardbeg, fest im Blick von »Shortie«, Ardbegs Maskottchen © Falstaff/Schullian
Karen Fullerton, Global Brand Ambassador von Glenmorangie und Ardbeg, fest im Blick von »Shortie«, Ardbegs Maskottchen © Falstaff/Schullian

Scotch Whisky – und ganz besonders Single Malt – durchlebt gerade Zeiten der Seligkeit: Neue Konsumentengruppen und ein entstaubtes Image lassen die weltweite Nachfrage steigen, die Pot Stills brennen rund um die Uhr. Die beiden Destillerien Glenmorangie und Ardbeg arbeiten dabei am Puls der Zeit – Grund genug für ein Interview mit Karen Fullerton, Global Brand Ambassador der beiden Marken.

Falstaff: Bei den kürzlich stattgefundenen »World Whisky Awards« des »Whisky Magazine« konnte der Ardbeg Galileo den Titel »World’s Best Single Malt Whisky« erringen (Falstaff berichtete) – ein beachtlicher Erfolg, bedenkt man die doch teilweise gemischten Reaktionen, die diese Abfüllung hervorgerufen hat.

Das stimmt: Die Ardbeg-Konsumenten haben eben eine ganz präzise Erwartungshaltung an ihren Lieblingswhisky und vertreten diese auch mit einer unglaublichen Leidenschaft – das führt manchmal zu sehr starken und kontroversen Meinungen. Der »Galileo« ist nicht so gewaltig und kernig wie ein klassischer Ardbeg, sondern fruchtiger, was auf die partielle Reifung in Marsala-Weinfässern zurückzuführen ist.

Falstaff: Wie kamen Sie eigentlich in diese Branche?

Ich wurde ursprünglich in Schottland geboren, bin dann aber nach England gezogen. Meinen ersten Job hatte ich dort im Wein-Business, was meine sensorischen Fähigkeiten sehr beeinflusst und geschult hat. Während meiner Zeit an der Universität entdeckte ich dann die Liebe für Scotch Whisky in seiner Aromenvielfalt, und da es immer schon mein Wunsch gewesen war, nach Schottland zurückzukehren, war es für mich eine wunderbare Gelegenheit, 2002 bei Glenmorangie zu beginnen.

Falstaff: Was fasziniert Sie an Scotch Whisky?

Das Einzigartige an Scotch Whisky ist seine unerreichte Komplexität mit bis zu 300 flüchtigen Stoffen; das hebt ihn unter allen anderen Destillaten hervor. Außerdem wird der Charakter etwa eines Single Malts von so vielen Elementen bestimmt, die ihn von anderen unterscheiden: von der Art des Malzes, dem Grad seiner Torfung – stark wie bei Ardbeg oder schwach wie bei Glenmorangie –, der Form der Brennblasen und schlussendlich vom feinen Gespür für die Verwendung der richtigen Reifefässer – im Übrigen ein Bereich, dessen akribische Erforschung Glenmorangie in ganz Schottland hervorhebt.
Das Zusammenspiel all dieser Elemente, die »flüssige Reise«, auf die einen Scotch Whisky mitnimmt und dabei alle Sinne flutet – das macht für mich die Faszination aus.

Falstaff: Im Moment läuft bei Glenmorangie ja das sogenannte »Cask Masters«-Programm – können Sie uns ein bisschen mehr darüber erzählen?

Oh ja, das ist ziemlich einzigartig! Zum ersten Mal überhaupt können Whisky-Konsumenten bei der Entstehung eines Whiskys die Details mitbestimmen. Es gibt zunächst drei Fässer zur Auswahl: Fass A wurde in Grand-Cru-Burgund-Barriques gefinished, Fass B in Grand-Cru-Bordeaux-Barriques und Fass C in Manzanilla-Fässern. Das sind drei sehr unterschiedliche Whisky-Stile, und der Kunde kann bestimmen, welche davon 2014 die nächste Glenmorangie-Abfüllung sein soll. In einem zweiten Schritt kann auf den Namen dieser Abfüllung Einfluss genommen und als Drittes das Design der Verpackung mitbestimmt werden.

Falstaff: Ich finde, dieses Programm reflektiert in seiner Art auch die Tatsache, dass vor allem junge Menschen sich immer stärker für Scotch Whisky interessieren.

Es ist wirklich verblüffend, wie stark sich das verändert hat! Als ich vor elf Jahren meine Arbeit begonnen habe, war Scotch Whisky Alpha-Männern eines bestimmten Alters vorbehalten. Ich habe das nie verstanden: Es geht doch einfach um Geschmack, Aromen und darum, ob man diese mag. Dass Scotch Whisky, und da vor allem Single Malts, im Moment sehr »en vogue« sind, hat, glaube ich, auch sehr stark mit der Bewusstseinsbildung und der Kommunikation über das Internet zu tun. Menschen aller Altersgruppen und jeden Geschlechts wollen heute mehr über Single Malts und die vielen feinen Unterschiede erfahren.

Falstaff: Denken Sie, dass hier auch der momentane Trend zu regional-speziellen, eigenständigen Produkten hier eine Rolle spielt?

Nun, ich glaube, die Menschen trinken einfach grundsätzlich besser: Sie nehmen viel bewusster wahr, was und wie sie trinken. Auch die Bartender arbeiten auf sehr hohem Niveau und achten sehr stark auf die Balance zwischen den Kernspirituosen und den komplimentierenden Zutaten. Vielleicht bin ich da auch etwas »vorbelastet«, aber ich würde sagen, dass die Weinindustrie hier einen sehr positiven Einfluss hatte, indem sie die Menschen gelehrt und animiert hat, zu unterscheiden: z.B. Cabernet aus der Alten von jenem aus der Neuen Welt. Bewusstseinsbildung ist dabei das Um und Auf, um den Menschen eben auch die Einzigartigkeiten der Single Malts aufzuzeigen. Sehen Sie, alle Destillerien in Schottland verwenden das gleiche Equipment, aber jede spielt damit andere Stücke. Die Qualität des Whiskys definiert sich schlussendlich über seine Balance – Balance ist alles!

Falstaff: Können Sie uns vielleicht einen kleinen Einblick in künftige Projekte geben?

Als Nächstes steht am 1. Juni der »Ardbog Day« an, da wird eine spezielle Ardbeg-Abfüllung präsentiert, und 2015 feiert die Destillerie ihr 200-jähriges Jubiläum, ebenfalls mit einer sehr speziellen Abfüllung.
Bei Glenmorangie veröffentlichen wir jedes Jahr eine »Private Edition«, zuletzt war das der »Ealanta«: ein unglaublich mundfüllender, aromenreicher Whisky, Karamell und Vanille, aber auch klassisch Glenmorangie nach pochierten Marillen, Pfirsichen, Mandarinen und Limetten. Was die nächste »Private Edition« sein wird, bleibt aber natürlich noch unser Geheimnis.

Falstaff: Wenn Sie einen Ausblick in die Zukunft wagen, wo sehen Sie Scotch Whisky in, sagen wir, 15 Jahren?

Oh, das ist sehr schwierig zu sagen … Damals, in den frühen 1980er-Jahren, gab es einen großen Zusammenbruch in der Whisky-Industrie, Scotch war alles andere als »cool« und wurde vor allem in Schottland auch mit Alkoholmissbrauch in Verbindung gebracht. Inzwischen hat sich das stark verändert, eine junge Generation hat Scotch für sich entdeckt und stellt Qualität ganz klar vor Quantität. Und obwohl wir gerade eine wirtschaftlich schwierige Zeit erleben, steigt die Nachfrage an Scotch Whisky kontinuierlich – das ist wirklich erstaunlich!

Die Basisrange von Glenmorangie: Original 10 years, Quinta Ruban, Nectar d'Or und Lasanta © Falstaff/Schullian
Die Basisrange von Glenmorangie: Original 10 years, Quinta Ruban, Nectar d'Or und Lasanta © Falstaff/Schullian

Mehr zu den beiden Destillerien erfahren Sie hier:
Glenmorangie
Ardbeg

(Georg Schullian)

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