Wertvoller als Gold: Die Bedeutung der Ressource Wasser

Die Bedeutung von Wasser wird in den nächsten Jahrzehnten weiter zunehmen.

© Getty Images/www.peopleimages.com

Wertvoller als Gold: Die Bedeutung der Ressource Wasser

Die Bedeutung von Wasser wird in den nächsten Jahrzehnten weiter zunehmen.

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An einem windigen Tag im Oktober steht die amerikanische Vizepräsidentin Kamala Harris am Ufer des Lake Mead, einem Stausee in den USA nahe Las Vegas. Das Reservoir speist den Süden Kaliforniens mit Trinkwasser, 25 Millionen Menschen in der Region sind davon abhängig. Doch der See hinter Harris, die für ein Infrastruktur-Projekt der Regierung wirbt, erinnert eher an eine Pfütze: Wegen andauernder Trockenheit ist der Pegel so niedrig wie noch nie. In Kalifornien hat es in den vergangenen zwölf Monaten so wenig geregnet wie zuletzt vor einem Jahrhundert. Im Oktober rief der Bundesstaat deshalb den Notstand aus, nachdem die Bevölkerung im Sommer aufgefordert wurde, 15 Prozent weniger Wasser zu verbrauchen – jedoch vergeblich. Unter Gouverneur Arnold Schwarzenegger einst als Klima-Vorzeigeregion zu Ruhm gelangt, steht Kalifornien nun stellvertretend für das Ringen um eine immer knapper werdende Ressource: das Wasser.

Weltweiter Wasserbedarf steigt

Weltweit leben rund vier Milliarden Menschen in Regionen, wo Wasser zumindest in einem Monat pro Jahr knapp wird und etwa bei der Hälfte davon fehlt überhaupt der sichere Zugang zu Trinkwasser. Da es immer mehr Menschen gibt, die noch dazu immer mehr konsumieren, und die Wirtschaft weiter wächst, steigt der globale Wasserbedarf um circa ein Prozent pro Jahr. Zwar sind mehr als zwei Drittel der Erde von Wasser bedeckt, aber nur weniger als drei Prozent davon trinkbar. Und das Trinkwasser ist sehr ungleich verteilt. Besonders in Afrika, Lateinamerika und Asien herrscht vielerorts dramatische Wasserknappheit. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass im Jahr 2050 weltweit etwa fünf Milliarden Menschen keinen adäquaten Zugang zu Wasser haben werden, ver­glichen mit 3,8 Milliarden im Jahr 2018. An manchen Orten, etwa im trockenen Nordosten Nigerias, hält man es deshalb bereits jetzt für wertvoller als Gold.

Der globale Wasserbedarf steigt jährlich um circa ein Prozent.

© Roni Alfasi/pexels

Überfluss nicht garantiert

Schon aufgrund des gemäßigten Klimas steht Europa bei der Wasserversorgung besser da. Und trotzdem könnte es in Zukunft eng werden, selbst in wasserverwöhnten Ländern wie Deutschland und Österreich. Die Bevölkerung wächst, die Temperaturen steigen, aber das Wasser wird nicht mehr. Der Großteil des Wassers sammelt sich unsichtbar unter der Erde als Grundwasser. Letzteres deckt in Deutschland 26 Prozent, in Österreich rund 40 Prozent des Wasserbedarfs ab und ist für die Wasserversorgung ausschlaggebend, während Oberflächenwasser vor allem für Industrie und Landwirtschaft Bedeutung hat. Im ungünstigsten Szenario nimmt der Verbrauch bis 2050 deutlich zu, der Grundwasservorrat aber ab, in gewissen Regionen um bis zu 30 Prozent, so eine aktuelle Studie des österreichischen Landwirtschaftsministeriums.

Knappheit im Osten möglich

Es gibt mehr Trockenperioden, so wie in den Jahren 2003, 2015 und 2018. Extremwetterereignisse wie länger andauernde Hitzeperioden oder Starkregen häufen sich. Befeuert durch die Auswirkungen des Klimawandels, ist zu befürchten, dass vor allem im Osten Österreichs in 30 Jahren weniger Wasser zur Verfügung steht als gebraucht wird. Das könnte innerhalb des Landes auch zu Spannungen zwischen Regionen führen, die mehr oder weniger gut mit Wasser versorgt sind. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Klimamaßnahmen nicht zuletzt für die Wasserversorgung enorm bedeutend sind. »Das System ist sehr träge und reagiert langsam. Es ist erforderlich, dass die Anstrengungen im Klimaschutz nicht nur in Österreich, sondern auch international unternommen werden«, so die Autoren. In Zukunft wird aber auch der individuelle Wasserverbrauch der Menschen stärker in den Fokus rücken, so wie das bei schädlichen Emissionen bereits heute der Fall ist.

Ein Swimmingpool pro Tag

In Deutschland und Österreich verbraucht eine Person durchschnittlich etwa 130 Liter Wasser pro Tag zum Trinken, Kochen, Waschen, im Haushalt und im Garten. Immerhin ist dieser direkte Verbrauch seit den 1990er-Jahren rückläufig. Damit ist es aber nicht getan. Die Herstellung von Lebensmitteln, Kleidung, Laptops, Handys und anderen Konsumgütern verschlingt enorme Mengen an Wasser. Man bezeichnet diesen indirekten Verbrauch auch als »virtuelles Wasser«, ein Vielfaches des offensichtlichen Konsums. In Österreich beträgt der tatsächliche Wasser-Fußabdruck aktuell rund 4.700 Liter pro Kopf und Tag, so das Ergebnis einer weiteren Ministeriums-Studie. Das würde immerhin reichen, um einen kleinen Swimmingpool zu füllen. Nur ein Drittel des Wasserverbrauchs entfällt dabei auf Österreich, der Rest betrifft das Ausland.


Pro-Kopf-Wasserverbrauch

2018 in 1000 Litern

  • Estland: 1357 l
  • USA: 1207 l
  • China: 420 l
  • Deutschland: 297 l
  • Kenia: 80 l

Fleisch und Kaffee am Pranger

Wenn es darum geht, weniger Wasser zu verbrauchen, haben wir den größten Hebel in puncto Ernährung, schließlich machen pflanzliche und tierische Lebensmittel fast drei Viertel des Fußabdrucks aus – nämlich 34 Prozent und 40 Prozent respektive. Besonders problematisch ist, dass viel brauchbares Essen einfach weggeworfen wird. Durch die konsequente Vermeidung dieser Verschwendung könnte man täglich etwa 500 Liter Wasser pro Kopf einsparen. Ähnlich hoch ist das Potenzial bei Rindfleisch, dessen Konsum über 480 Liter ausmacht. Und jetzt die schlechte Nachricht für Koffein-Junkies: Als Kaffeekonsument verbraucht man immer noch knapp die Hälfte davon, nämlich täglich 224 Liter virtuelles Wasser pro Person im Jahr. Zur Freude von Vegetariern ist laut der Studie jedenfalls davon auszugehen, dass die Menschen im Jahr 2050 nur geringfügig mehr virtuelles Wasser brauchen werden, vorausgesetzt, sie essen weniger Fleisch. Überhaupt hat sich beim Thema Wasser der Konsum zu einer Frage des Lebensstils entwickelt. Bei Sport und Fitness ist es naturgemäß stark nachgefragt, auch der Trend zu einer gesünderen Ernährung lässt Menschen verstärkt auf andere Getränke verzichten und zum Wasser greifen. Die nachhaltig hergestellte Trinkflasche ist in vielen Kreisen mittlerweile ein Statussymbol.

Angefangen von Wassersommeliers als neue Berufsgruppe bis hin zu nachhaltig hergestellten Trinkflaschen als Statussymbol: Mineralwasser ist heute viel mehr als »nur« ein Getränk, sondern ein Lifestyleprodukt.

© Shutterstock

Großes Geschäft mit Sprudel

Mineralwassermarken sind etwa über Grenzen und Generationen hinweg bekannt, in Deutschland sind über 30 verschiedene weitläufig erhältlich. Pro Kopf werden dort jährlich um die 140 Liter Mineralwasser getrunken. Der Lebensmittelkonzern Nestlé hat im Jahr 2020 alleine mit seiner Wassersparte rund sechs Milliarden Euro Umsatz gemacht, dazu gehören Marken wie Perrier, S.Pellegrino und Acqua Panna. Den Rekord für die teuerste Flasche Mineralwasser hält aber eine Luxus­marke namens Acqua di Cristallo Tributo a Modigliani, die aus Gold besteht und rund 60.000 US-Dollar kostet. Das Wasser kommt aus Frankreich und Fidschi, das auch eine weltbekannte Marke als Namensträger hat.

Neben wertvollen Flaschen hat der Mineralwasserboom auch eine neue Berufsgruppe hervorgebracht: die der Wassersommeliers. Sie beraten etwa Lokale bei der Auswahl, wenn es um den Geschmack und die Zusammensetzung der Mineralien im Wasser geht. Zur Bescheinigung gibt es mittlerweile Ausbildungen und Zertifikate. Die Sommeliers werden zunehmend auch von jenen Menschen nachgefragt, die bewusst auf Alkohol verzichten, um gesünder zu leben.

Die Frage nach der Privatisierung von Wasser ist ein Dauerbrenner, der Aktivisten und Politiker aneinandergeraten lässt. Je mehr der Wert steigt, desto größer wird die Kreativität, daraus einen Profit zu schlagen.

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Vom Wasserhahn zum Goldhahn

Dass Mineralwasser zum Teil aus Quellen kommt, die auch von der Bevölkerung für deren Trinkwasser genutzt werden, stößt immer wieder auf Kritik. Überhaupt ist die Privatisierung von Wasser ein Dauerbrenner, der Aktivisten und Politiker aneinandergeraten lässt. Je mehr der Wert von Wasser steigt, weil es zunehmend knapp wird, desto größer wird wohl auch der Ideenreichtum, daraus einen Profit zu schlagen. Zwar ist die Welt noch weit davon entfernt, das lebensnotwendige Wasser ähnlich wie andere Rohstoffe großflächig auf internationalen Märkten zu handeln – und wasserreiche Länder in Geld schwimmen zu lassen, so wie es einst bei Saudi-Arabien oder Norwegen mit Erdöl der Fall war.

Dennoch versuchen findige Finanzplayer erstmals, von der Knappheit zu profitieren. Dazu kehren wir nach Kalifornien zurück, wo die zunehmende Trockenheit ganze Landstriche bedroht. Vergangenes Jahr hat die CME Group, eine große Börsenhandelsplattform in den USA, ein neues Produkt auf den Markt gebracht, mit dem Investoren auf steigende Wasserpreise in dem westlichen Bundesstaat wetten können. Nicht zuletzt zu deren Absicherung. Ob das in Zukunft auch für Regionen wie den Osten Österreichs infrage kommen wird, die langfristig von Wasserknappheit bedroht sind, bleibt abzuwarten. Forscher gehen jedenfalls davon aus, dass Wien im Jahr 2050 ein ähnliches Klima wie das heutige Skopje in Nordmazedonien haben wird. Das dürfte auch am heißgeliebten österreichischen Hochquellwasser nicht spurlos vorübergehen.

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