Weingut Franzen: Newcomer mit Geschichte

Kilian und Angelina Franzen.

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Unbekümmert – das ist das Wort, das einem zuerst einfällt, wenn man dieses junge Paar beobachtet und reden hört. So war es auch bei der Preisverleihung auf Schloss Hugenpoet, als Angelina Franzen das Mikrofon ergriff, um für die Auszeichnung als »Newcomer des Jahres« zu danken. »Wir sind ein
kleines Familienweingut in Bremm an der Mosel. Wir pflegen die Reben im steilsten Weinberg Europas, dem Bremmer Calmont. Was gibt es sonst noch über uns zu sagen? Wir haben eine Katze. Und, ach ja«, da muss Angelina Franzen dann selbst lachen über diese etwas unglückliche Reihenfolge, »seit zweieinhalb Jahren haben wir auch eine wunderbare Tochter.«

Dass das Gelächter, das daraufhin ausbrach, ein fröhliches war, eines voller Sympathie, das sagt sehr viel aus über die Ausstrahlung der Franzens. Genau wie die Weine, die das junge Paar keltert, so wirken auch die Menschen, die hinter diesen Weinen stehen: natürlich und authentisch, unverbogen und herzlich. Das mit der Katze, erklärt Angelina Franzen hinterher, sei so eine Art »running gag« in der Familie. Schon im Haushalt ihrer Schwiegereltern sei die Katze der eigentliche Boss gewesen. Wenn die auf dem Sofa schlief, musste man sich res­pektvoll woanders einen Sitzplatz suchen. Findus, der Nachfolger – »wie Findus und Petterson«, sagt Kilian Franzen –, habe einen ebenso hohen Stellenwert.

Gruppenbild mit Kater: Nur in den Weinberg, so Angelina Franzen (links), gehe Familienvorstand Findus nicht mit.
Gruppenbild mit Kater: Nur in den Weinberg, so Angelina Franzen (links), gehe Familienvorstand Findus nicht mit.

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Dermaßen unbekümmert wird man vielleicht nur, wenn man trotz der jungen Jahre – Angelina Franzen ist 28, Kilian Franzen 30 – auch schon einiges an Kummer durchhat. Als beide gerade in Geisenheim Weinbau studierten, verunglückte Kilians Vater Ulrich tödlich im Weinberg. Den Herbst 2010, halb im Studium, halb in Weinberg und Keller, stehen die beiden trotz feuchter Witterung und fehlender Lesehelfer durch. »Ein Horrorherbst«, erinnert sich Angelina Franzen. »Die ersten Jahre haben uns manchmal die Luft zum Atmen genommen. Und dann ist auch noch meine Schwiegermutter gestorben.«

Kilian Franzen sagt von sich selbst, dass er »sehr unorganisiert« ist. »Es wäre für mich ziemlich aussichtslos, den Betrieb alleine führen zu wollen.« »Er denkt wirklich nur bis zum nächsten Tag«, stimmt Angelina Franzen zu, »und das ist schon fast zu viel gesagt. Mein Mann denkt nur von jetzt bis gleich.« Dabei klingen diese Sätze, so wie Angelina Franzen sie ausspricht, viel mehr nach Liebeserklärung als nach Tadel. »Ich bewundere das, ich selbst bin ganz anders. Und ich verstehe, warum er so spontan ist. In unserem bisherigen Leben ist ja auch wirklich immer wieder etwas dazwischen­gekommen. Alles, was wir geplant hatten, war mit dem Tod des Schwiegervaters gestrichen.«

Auf den Etiketten ist hübsch stilisiert,…
Auf den Etiketten ist hübsch stilisiert,…

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…was in freier Natur extrem überwältigend wirkt.
…was in freier Natur extrem überwältigend wirkt.

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Wenn sie aber oben im Weinberg stünden, fährt Angelina Franzen fort, dann werde der Ausblick über den Steilhang und die Mosel niemals alltäglich. »Alleine der Ausblick beruhigt die Nerven. Egal, wie das Wetter ist, es ist immer besonders. Es ist so eine Stille da oben und eine ganz besondere Emotion, weil es ja auch das Herzensprojekt meines Schwiegervaters war, er war der Pionier des Calmont und hat Parzellen wieder bepflanzt, in denen 30, 40 Jahre lang kein Weinbau mehr war.«

Angesichts solch großer Emotionen stellt sich Unbekümmertheit vielleicht auch nur durch Partnerschaft ein. Angelina und Kilian Franzen jedenfalls sind bereits seit sage und schreibe 16 Jahren ein Paar. »Wir haben uns früh in der Schule kennengelernt, und es hat einfach immer gepasst«, so Angelina Franzen. »Es gab nie einen Grund, was zu ändern, und wir haben von Anfang an gedacht, das wird unser gemeinsamer Weg. Meine kleine Schwester ist jetzt 19, und fast ihr ganzes Leben ist Kilian dabei.«

Seitdem sie nun selbst ihre Tochter Emilia haben, so Angelina Franzen weiter, würden sie nicht mehr sieben Tage die Woche durchackern. »Jetzt nehmen wir uns auch mal den Freiraum, die gemeinsame Zeit zu genießen.« Findus, der Kater, geht da ganz bestimmt mit gutem Beispiel voran.

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Falstaff Nr. 02/2018
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