Weingut Franz Keller hat Kollektion des Jahres

Fritz Keller (auf dem Fass sitzend) und Sohn Friedrich stehen für kulinarische Weine mit frankophilem Einschlag.

© Lucie Greiner/medienagenten.de

Fritz Keller (auf dem Fass sitzend) und Sohn Friedrich stehen für kulinarische Weine mit frankophilem Einschlag.

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Fünf Jahre ist es gerade einmal her, dass Fritz Keller von Falstaff mit der Wein Trophy 2013 für sein Lebenswerk geehrt wurde. Eine Auszeichnung für den Winzer und Gastronomen aus Oberbergen am Kaiserstuhl, die nach oben kaum noch Spielraum zu lassen schien. Lebenswerk, das klingt nach Höhepunkt und nach: Was soll jetzt noch kommen? Von wegen, heute wissen wir: Es sollte noch viel besser werden. Nachdem die Verkostungsjury die Rotweine aus 2016 und Weißweine aus 2017 verkostet hatte, die »Saft, Bündelung und mineralische Definition« zeigen, war sie sich einig darüber, dass es aus dem Hause Keller »vermutlich die beste Kollektion ist, die wir je probiert haben«. 

Die ist auch Ausdruck des Generationswechsels im Weingut Franz Keller. Denn als Dirigent hinter dieser famosen Leistung steht Friedrich Keller, Jahrgang 1990, der älteste Sohn von Fritz Keller. Als sein Vater 2013 den »Wein-Oscar« für sein Lebenswerk entgegennahm, bereitete sich Friedrich Keller bereits auf die Neuausrichtung des Weinguts vor – im Kopf schon viele Ideen, die er heute nach und nach um­setzt. Bevor der Juniorchef aber die Regie in Oberbergen übernahm, wollte er noch dazulernen und einen differenzierteren Blick auf die Materie bekommen: Er lernte bei Joachim Heger in Ihringen, schaute bei Daniel Gantenbein in Graubünden vorbei und immer wieder im Burgund, weil man, so sagt er, nirgendwo mehr über Pinot Noir und Chardonnay lernen könne; das sind die Rebsorten, die Friedrich Keller besonders am Herzen liegen. Oft war er dort gemeinsam mit seinem Winzerfreund Julian Huber aus Malterdingen unterwegs, der zeitgleich in Geisenheim Weinbau studierte – ein starkes Duo, das inzwischen in Baden prägnante Akzente setzt.

Nachdem Friedrich Keller das Studium 2015 abgeschlossen hatte, begann er konsequent, aber ohne Aktionismus die Stilistik der Weine zu verändern. Plumpe, schwerfällige Weine waren schon Fritz Keller ein Gräuel, jetzt aber fallen die Adler-Gewächse noch straffer und sehniger aus, ohne an Dichte zu verlieren. Im Weinberg lässt Friedrich Keller noch früher lesen, alles Fette und Überkonzentrierte ist verpönt und wird vermieden. »Ich will frische und elegante Weine haben«, betont er. Kein einfaches Unterfangen am Kaiserstuhl, dieser Sonnenbank mit mediterranen Verhältnissen. Schwungvolle Weine aus warmen Lagen, das ist scheinbar ein Paradoxon, das Friedrich Keller aber bestens gelingt. Auch der Grauburgunder, der Symbolwein für Kaiserstühler Opulenz und Betulichkeit, darf bei ihm »nicht bräsig sein«. Schon im Weinberg wird durch aufwendiges Arbeiten das Wachstum gezügelt und auf dieses Weinideal hin ausgerichtet.

Inspiration aus Burgund

Diese Strategie verdeutlicht exemplarisch das Große Gewächs 2016 vom Spätburgunder aus dem Achkarrer Schlossberg, einem der wärmsten Weinberge in Deutschland. »Die Wärme der Lage zeigt sich im viskos-cremigen Fond, nicht aber in Alkohol«, lobt die Jury diesen großen Pinot Noir mit sublimer Maskulinität. Gerieten die Weine früher in warmen Jahren manchmal zu voluminös und zu breitschultrig, so bewahren sie jetzt Maß und Kontur. »Fette Weine wird es bei uns nicht mehr geben«, sagt Friedrich Keller kategorisch, burgundische Balance vor Augen. Ins Burgund wallfahren inzwischen viele deutsche Winzer, aber nur wenige kommen mit so viel Erkenntnisgewinn zurück, den sie auch noch so maßgerecht auf die heimischen Verhältnisse übertragen können wie Keller: Seine Weine wirken nie, als habe er ein erfolgreiches Rezept kopiert.

Die »Kollektion des Jahres« ist eine Auszeichnung, die gleichermaßen an Vater und Sohn geht. Denn Fritz Keller legte die Grundlagen für den aktuellen Erfolg: Er baute ein großartiges Lagen-Portfolio auf und war schon in den 1990er-Jahren regelmäßig in Frankreich unterwegs, um geeignetes Rebmaterial zu besorgen, das nicht auf Ertrag, sondern auf Qualität ausgerichtet ist. Seinem Vater, sagt Friedrich Keller, sei er dafür enorm dankbar. Vor allem gebührt Fritz Keller auch das Verdienst, seinem begabten Sohn die Freiräume zuzugestehen, die dieser nun eindrucksvoll nützt.


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