VDP Württemberg stimmt gegen Bezeichnung »Blaufränkisch« für Lagenweine

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Gerade noch hat Falstaff in der aktuellen September-Ausgabe (6/16) über die Diskussionen unter Winzern in Württemberg berichtet – jetzt liess der VDP Württemberg seine Mitglieder über die Frage »Lemberger« oder »Blaufränkisch« abstimmen, und diese entschieden, dass die Bezeichnung »Blaufränkisch« nur für Guts- oder Ortseine zulässig sein soll, nicht aber für Einzellagenweine. Markus Drautz, Vorsitzender des VDP-Landesverbands, bestätigt auf Anfrage, dass diese Beschlüsse bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am vergangenen Dienstag getroffen worden seien. »Wir haben uns schon einige Zeit in Mitgliederversammlungen unterhalten, haben aber dabei nie gesehen, dass wir mit Blaufränkisch unser Heil finden würden. Der VDP hat in der Vergangenheit ein klares Profil für den Lemberger geschaffen, und die meisten Betriebe wollen das nicht über Bord werfen.«

Enttäuscht äußerte sich Moritz Haidle, dessen Absicht, seine 2014er Großen Gewächse als »Blaufränkisch« zu etikettieren, ursächlich für die Anberaumung der Sitzung gewesen sein dürfte. »Selbst in Württemberg muss man Lemberger immer noch erklären, und da frage ich mich schon, ob es zielführend ist, an dieser Bezeichnung festzuhalten. Es gibt auf dem Weinmarkt ja auch einige restsüße und erhitzte Weine, die sich Lemberger nennen.«

Möglicher Vorteil

Den möglichen Vorteil, für zwei klar stilistisch unterschiedlich definierte Weine zwei Bezeichnungen zu haben, sieht auch Matthias Aldinger, und er zieht den Vergleich zu den Bezeichnungen »Ruländer« und »Grauburgunder«, die in den 80er Jahren in Baden parallel verwendet wurden. »Man könnte Blaufränkisch so definieren, dass man sagt: Das ist maischevergoren und im Barrique ausgebaut. Aber ich bin da auch gespalten: Wenn man es schafft, den Lemberger im Prestige hochzuziehen, dann haben wir die Leitrebsorte in Württemberg mit einem traditionsreichen, gut eingeführten Namen.« Wichtig sei ihm persönlich, so fügt Aldinger noch an, dass der VDP mit einer Stimme spreche und nicht jeder Betrieb eine andere Nomenklatur verwende.

Überraschendes nein-Votum

Haidle wiederum hat mit dem mehrheitlichen nein-Votum seiner Verbandskollegen überhaupt nicht gerechnet. »Ein Teil der 14er GGs sind bereits als Blaufränkisch etikettiert. Ich weiss noch nicht, was aus denen wird. Ein anderes Etikett drüberkleben? Oder die Weine als »Réserve« verkaufen? Das finde ich aber auch doof.«

Richtig glücklich mit der Situation ist auch Markus Drautz – immerhin Sohn des legendären FDP-Landtagsabgeordneten und Staatssekretärs Richard Drautz – nicht: »Ich tue mich selbst ungeheuer schwer mit solchen Regelungen, weil ich ein liberaler Mensch bin. Aber für mich zählt am Ende vor allem, dass wir viel Energie in den Lemberger gesteckt haben. Die Regionalität scheint mir wichtiger als ein internationaler Name. In Ungarn würde auch niemand auf die Idee kommen, »Kékfrankos« durch Blaufränkisch zu ersetzen.«

Matthias Aldinger blickt nun mit Skepsis über die Reihen des VDP hinaus: »Wir müssen im Auge behalten, was die Betriebe machen, die keine VDP-Mitglieder sind. Wenn die einzig und alleine aufgrund der Bezeichnung »Blaufränkisch« an uns vorbeiziehen, sollten wir neu nachdenken.«

»Alles auf Anfang« – den Artikel über den Lemberger aus Württemberg lesen Sie im aktuellen Falstaff-Magazin 6/16!

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