Unter vier Augen mit Cornelia Lauf

Das architektonische Meisterwerk von Zaha Hadid versteht sich als kreativer Ort für zeitgenössische Kunst.

© Getty Images

Das architektonische Meisterwerk von Zaha Hadid versteht sich als kreativer Ort für zeitgenössische Kunst.

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LIVING: Sie sind in North Carolina aufgewachsen, lebten lange in New York und waren Teil der dortigen Kunstszene, bevor Sie nach Rom gezogen sind. Wie haben Sie diesen Wechsel ins Herz von »Old Europe« empfunden?
Cornelia Lauf: Ich fühle mich überall zu Hause. Wahrscheinlich habe ich in North Carolina mehr »Old Europe« erlebt als in Europa heute! Ich wurde zu Hause sehr klassisch erzogen. Mein Vater las uns auf Latein vor, fragte uns die Lebensdaten von Komponisten ab, und wir machten jeden Abend Musik. Meine Mutter hatte unser Haus sehr elegant mit dänischem Bauhaus-Interieur eingerichtet. Zu Hause sprachen wir Deutsch, heute spreche ich mit meinen Eltern Englisch. Und dazwischen lebte ich zehn Jahre in Belgien. Passt alles sehr gut zusammen!

Welche Rolle spielt Rom in der zeitgenössischen Kunstwelt Italiens?
Rom ist das Zentrum der Welt, und das habe nicht ich erfunden! Rom ist Weltstadt und Kleinstadt zugleich. Man hat zwar manchmal den Eindruck, dass hier nie wirklich etwas passiert, aber trotzdem kommen alle her. Man kann es nicht genug betonen: Rom bildet aus vielerlei Gründen die Welt als Mikrokosmos ab – aufgrund seines Klimas, seiner Geografie, seiner Lage an den Handelsrouten und seiner konzeptionellen Struktur. Das ist fast schon unheimlich. Viele Schriftsteller haben dieses Phänomen beschrieben, meine Favoritin unter ihnen ist Ingeborg Bachmann.

»Rom ist das Zentrum der Welt«

Die Kuratorin und Kunsthistorikerin Cornelia Lauf wurde in Süddeutschland geboren und wuchs in North Carolina auf. Sie studierte Kunst, begann ihre Laufbahn am Guggenheim Museum und prägte mit ihrem damaligen Gatten Joseph Kosuth die Kunstszene New York

Die Kuratorin und Kunsthistorikerin Cornelia Lauf wurde in Süddeutschland geboren und wuchs in North Carolina auf. Sie studierte Kunst, begann ihre Laufbahn am Guggenheim Museum und prägte mit ihrem damaligen Gatten Joseph Kosuth die Kunstszene New Yorks. Sie konzipierte Ausstellungen weltweit und lehrt in den USA und Italien. Lauf lebt seit 20 Jahren in Rom.

© Jurgen Ostarhild

Gibt es Künstler, Galeristen oder Impresarios, die die Kunstszene heute besonders prägen? 
Es herrscht eine sehr kollegiale und freundliche Atmosphäre im Kulturleben der Stadt. Ich bin eine große Unterstützerin junger Künstler und der Orte, die sie ausstellen, wie Castro oder Carla Chiarchiaro mit ADA, aber auch den Mid-Career Artists. Die Galeristen Gavin Brown und Lorcan O’Neill mag ich sehr sie sind für mich echte Römer.

Wirkt die Kunstgeschichte hier erstickend, oder findet das Neue seinen Platz?  
Ich liebe Künstler, die sich nicht bemüßigt fühlen, große, hässliche Skulpturen über die Stadt zu verteilen. Ich bevorzuge die, die nicht schnell konsumiert werden wollen, die nicht auf Show aus sind und auf konventionelle Art berühmt werden wollen. Ich schätze auch solche Kunstfestivals, die nicht nur auf Spektakel aus sind.

Welche Kunst-Orte in der Stadt frequentieren Sie am liebsten?   
Ich fühle mich in allen Ecken von Rom wohl, vom Marktplatz über die Bibliothek und die Salons bis zum Supermarkt. Ich denke, ich ­liebe die bescheidenen Kunsthandwerker am meisten und würde ihnen gerne dabei helfen, in ihren historischen Werkstätten bleiben zu können.

Welche Galerien, Museen oder Stadtviertel würden Sie einem kunstinteressierten Besucher auf 3-Tages-Trip nach Rom empfehlen? Was sind die Must-sees?
Das MAXXI ist ein Must-see, wenn man an zeitgenössischer Kunst interessiert ist. Ich bin zwar kein Fan der Architektur des Gebäudes, aber kuratorisch macht man dort einen guten Job. Ich finde aber auch das Pantheon sehr zeit­genössisch. Und ich mag Museen, die auf althergebrachte Hängung der Bilder setzen, und abgelegene Orte, die nicht einmal die Römer selbst besuchen, wie zum Beispiel das Keats-Shelley-Haus. Ich vermute, meine Lieblingsorte sind, passend zu meiner Biografie, ziemlich klassisch.

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