Unter Strom: Vom E-Bike bis zum E-Auto

Rollendes Geschäftsmodell: Greenstorm bietet E-Bikes im Tausch gegen Hotelgutscheine.

© Greenstorm

Rollendes Geschäftsmodell: Greenstorm bietet E-Bikes im Tausch gegen Hotelgutscheine.

Rollendes Geschäftsmodell: Greenstorm bietet E-Bikes im Tausch gegen Hotelgutscheine.

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Es ist der weltweit erste Roadtrip nur für Elektrofahrzeuge und führt über 1600 Kilometer durch die Schweizer Alpen: Entlang der Route der »Grand Tour of Switzerland« locken nicht nur 22 Seen, fünf Alpenpässe sowie zwölf UNESCO-Welterbestätten, sondern auch fast 90 Hotels, die ihr Angebot perfekt auf die Reisenden mit den E-Autos abgestimmt haben. Mit dabei ist die komplette Bandbreite vom 1-Stern- Hotel in Zweisimmen bis zum 5-Sterne-Luxushotel »Schweizerhof« in Luzern oder auch das 4-Sterne »Parkhotel Margna« in Sils im Engadin. Dort setzt Hoteldirektor Luzi Seiler schon seit Längerem auf Gäste, die auf E-Mobility abfahren: »Derzeit bieten wir in unserem Haus sieben 22kW-Steckdosen für Hotelgäste. Zudem vermieten wir auch Elektrofahrzeuge. In der aktuellen Wintersaison einen Volvo XC40 Hybrid und im Sommer E-Mountainbikes.«

Für ihn gilt, was derzeit für die gesamte Branche Vorrang hat: Vollgas beim Thema E-Mobility. Der Hintergrund des Booms ist einfach erklärt – weltweit steigen die Zahlen der Zulassungen von Elektrofahrzeugen rasant an. Österreich meldet in der jüngsten Statistik knapp 40.000 E-Autos, eine Verdopplung innerhalb von zwei Jahren, in Deutschland fahren aktuell um die 150.000 Autos mit Strom und weltweit wurde 2020 die Marke von acht Millionen zugelassenen E-Autos überschritten. China ist mit 2,6 Millionen Elektrofahrzeugen auf Platz 1. Allein in der EU rechnet man bis zum Jahr 2030 mit einem Aufkommen von 30 Millionen E-Autos.

Ladestationen als Grundausstattung

Für die Hotellerie wird die E-Mobility so zu einem entscheidenden Gamechanger, wie Stefan Hartmann von Österreichs größtem Ladestationsbetreiber »illwerke vkw« betont. Sein Unternehmen betreibt im ganzen Land mehr als 500 (halb)öffentliche Ladestationen und 30 Schnelllader – einen Großteil davon in mehr als hundert Hotels. »Mit E-Mobility lassen sich nicht nur neue Kunden gewinnen, sondern vor allem eine spannende Zielgruppe erschließen. Wer sich ein Elektrofahrzeug leisten kann, gilt als zahlungskräftiger Gast«, so Hartmann.

Die Investition für die Ladestationen selbst, fällt mit etwa € 200,– nicht ins Gewicht. »Das, was schwerer abzuschätzen ist, ist der Anschluss an das Hotel – also Leitung legen oder eventuell Aufgrabungen«, sagt Hartmann. Das Um und Auf für die Betreiber ist aber, dass man in den E-Mobility-Apps gelistet ist und damit in den Navigationssystemen aufscheint. Die Stromleistung selbst sei für die Gäste heute schon so selbstverständlich wie das Angebot eines WLAN-Netzes. Hartmann geht sogar so weit, dass er davon überzeugt ist, dass Ladestationen schon bald zur Grundausstattung eines Hotels zählen und Voraussetzung werden, um einen gewissen Grad der Sternebewertung zu erreichen.

»Zwischendurch gab es von den Gästen auch Kritik zur E-Mobility. Trotzdem ist es ein wichtiges Zukunftsmodell für die Branche.«
Michael Walchhofer, Hotel Alpenhof in Filzmoos

Einer, der in Österreich zu den elektrischen Vorreitern zählt, ist Michael Walchhofer, der Chef des 4-Sterne-Hotels »Alpenhof« in Filzmoos. 2014 war er der Erste, der in Salzburg einen elektrobetriebenen BMW angemeldet hatte. »Damals wie heute bin ich von der zukunftsweisenden Technik überzeugt, allerdings hätte ich mir den Boom schon rascher erwartet. Zwischendurch gab es von den Gästen auch kritische Stimmen bezüglich der Elektromobilität«, sagt Walchhofer. Seine zwei Elektro-Ladestationen wird er zukünftig trotzdem auf bis zu zehn Stellplätze erweitern. E-Auto und auch E-Bike stehen Gästen bei speziellen Angeboten jeweils für einen Tag kostenlos zu Verfügung.

Nachhaltigkeit, ein Buchungskriterium

»Vor allem der Alpenraum ist für Angebote wie diese prädestiniert«, sagt Thomas Ammer, Geschäftsführer der deutschen Plattform EmobilHotels, die erst im vergangenen Mai gestartet ist und aktuell bereits mehr als tausend Hotels, davon 300 mit einer sogenannten »Premium-Listung«, in den Alpen bzw. im Alpenvorland gelistet hat. Ammer: »Gerade durch die Situation der Pandemie sind Urlaubsgewohnheiten im Umbruch. Einer der neuen Trends ist, dass die Alpenregionen einen starken touristischen Aufschwung erleben und Nachhaltigkeit zunehmend ein Buchungskriterium wird. Es war noch nie so einfach wie heute, mit dem Elektroauto zu reisen.«

Längst sind zahlreiche innovative Unternehmen auf den »elektrischen« Zug aufgesprungen. Wie der Tiroler E-Mobility-Dienstleister »Greenstorm«, zu dessen Partnern bereits mehr als 1400 Hotels und Gastronomiebetriebe in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Slowenien und Kroatien zählen. Das Unternehmen stattet Hotels kostenlos mit neuen E-Bikes und E-Autos von Top-Herstellern aus. Im Gegenzug dafür erhält Greenstorm Hotelgutscheine für leerstehende Zimmer, die wiederum über Greenstorm vermarktet werden. »Da sich die Technik derzeit nahezu alle sechs Monate bei allen E-Mobility-Produkten ändert, empfehle ich Modelle, bei denen man die Produkte mietet oder least. So ist man auf der sicheren Seite und profitiert auch vom Netzwerk der Anbieter, die so eine neue Gästeschicht anziehen«, sagt Greenstorm-Chef Richard Hirschhuber.

Wer in seinem Betrieb Nachhaltigkeit als Gesamtkonzept leben will, wird bei Elektrofahrzeugen übrigens auch auf dem heimischen Markt fündig: Jaguar bietet mit dem aktuellen »I-PACE EV320 Austria Edition« ein innovatives E-Auto, das in Österreich zusammengebaut wird und zudem auch an die österreichischen Förderrichtlinien angepasst ist. Das Sondermodell basiert auf dem vollwertigen Ausstattungsniveau »S« und kommt zu einem Basispreis von € 59.900,– auf den Markt. Mit diesem Grundpreis qualifiziert sich die Austria Edition für die in Österreich gewährte Förderprämie von aktuell € 5.400,– für rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge.

»Gerade für die Hotellerie und Gastronomie ist das Zusatzangebot eines qualitätsvollen Elektroautos eine spannende Möglichkeit, um seinen Gästen Neues zu bieten. Perfekt für Touren durch das Alpenland«, sagt Christian Walcher, Jaguar Fleet- & Business Manager vom Klagenfurter Kompetenzzentrum Aichlseder. Der Einstieg in die Elektro-Mobilität von Jaguar wird mit dieser Variante um 25 Prozent günstiger – mit eingerechneter Förderprämie sogar um 31 Prozent. Und was noch viel verlockender klingt: 320 PS, in nur 6,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei elektronisch begrenzten 180 km/h und die Batterie hat eine Reichweite von bis zu 470 Kilometer.

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Falstaff Profi Magazin 03/2021
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