Uhudler: Keine verbotene Liebe

Bis 1992 war der Verkauf von Uhudler nicht erlaubt. Der Tag der Legalisierung ist seitdem ein inoffizieller Feiertag im Südburgenland.

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Bis 1992 war der Verkauf von Uhudler nicht erlaubt. Der Tag der Legalisierung ist seitdem ein inoffizieller Feiertag im Südburgenland.

Bis 1992 war der Verkauf von Uhudler nicht erlaubt. Der Tag der Legalisierung ist seitdem ein inoffizieller Feiertag im Südburgenland.

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Als Elvira, Noah Grün, Othello Blau, Concord/Ripatella und Isabella Ende des 19. Jahrhunderts den Atlantik überquerten, schlug die Geburtsstunde des burgenländischen Uhudlers. Zu einer Zeit, als die aus Amerika eingeschleppte Reblaus bereits große Teile der Weingärten in Europa zerstört hatte. Allerdings ließen nur wenige Winzer diese roten und weißen Reben aus Übersee in ihrer ursprünglichen Form gedeihen – größtenteils wurden sie mit heimischen Sorten veredelt. Denn erst als man damals begann, europäische Rebstöcke auf die importierten und gegen die Rebläuse resistenten Wurzelstöcke aufzupfropfen, stellte sich der erwünschte Erfolg ein.

»Der Uhudler ist keine Rebsorte, sondern ein Markenname«, stellt Harald Kaiser kategorisch fest. Als Obmann des Vereins »Freunde des Uhudlers« vertritt er 340 Mitglieder, von denen ein Großteil – meist als Nebenerwerbswinzer – sehr kleine Weingärten bewirtschaftet, nur wenige sind größer als zwei Hektar. »Gemeinsam produzieren wir im Jahr durchschnittlich 250.000 bis 300.000 Flaschen à 0,75 Liter und nur sie dürfen das originale einheitliche Uhudler-Etikett tragen«, erklärt Kaiser.

Der Tag der Legalisierung

Das war aber nicht immer so. Erst seit 1. August 1992 ist das südburgenländische Getränk markenrechtlich geschützt. Bis dahin war der Verkauf sogar verboten. Der Tag der Legalisierung blieb den Uhudler-Winzern bis heute in Erinnerung: »Da hatten wir den Buschenschank offen und haben unseren neuen inoffiziellen südburgenländischen Feiertag gefeiert«, erinnert sich Kaiser, der in seinem Wohnhaus in Hagensdorf und im historischen Kellerviertel von Heiligenbrunn mit den für die Region typischen schilfgedeckten Lehmstöckln seine Gäste bewirtet.

Matthias Mirth bietet in der »Uhudlerei Mirth« Spezialitäten aus der südburgenländischen Traube an.

Matthias Mirth bietet in der »Uhudlerei Mirth« Spezialitäten aus der südburgenländischen Traube an.

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Beerengeschmack im Glas

Einer seiner Nachbarn im Kellerviertel ist der aus der Krimi-Serie »Kommissar Rex« bekannte Schauspieler, Hobbywinzer und Gründer des »Uhudler Theaters«, Martin Weinek: »Der Uhudler ist absolut bio, da ist null Chemie im Einsatz.« Als sogenannter »Direktträger« ist er gegen verschiedene Krankheiten, Schädlinge und Pilze resistent. »Sein ökologischer Fußabdruck ist sauber, und daher ist er ein wirklich nachhaltiges Produkt – das gefällt mir als Künstler!«, erzählt Weinek, der den Wein auch gerne als »Beerengeschmack im Glas« beschreibt und mit seinem »Uhudler Trebernbrand« und dem »Weinecco« im vergangenen Jahr Preise gewonnen hat.

Uhudlerei

Ausgezeichnete Weine – vorrangig Uhudler-Frizzante – produziert auch Mathias Mirth, Gründer der »Uhudlerei« in seinem Heimatort Eltendorf. »Der Uhudler entwickelte sich in den letzten Jahren vom Hauswein zum Kultgetränk«, sagt der Wirt und Winzer in dritter Generation. Gemeinsam mit seiner Schwester Claudia, der Küchenchefin, bietet er Uhudlerspezialitäten aus den eigenen Rieden sowie aus dem Wildgehege an. »Beim ›Uhudler-Menü‹ gibt’s bei uns alles – von der Suppe bis zum Dessert«, strahlt Mirth und bezeichnet den Uhudler überzeugend als »Urgetränk«.

Obstwein sichert Existenz

Marken- und Gebietsschutz, Auspflanzverbote und Rodungsbescheide sowie juristische Streitigkeiten haben den Uhudler in den vergangenen Jahren wiederholt in die Schlagzeilen gebracht und damit zu seiner Popularität beigetragen. Seit der Klassifizierung als »Obstwein« sowie der Aufnahme ins burgenländische Weingesetz ist seine Existenz nun gesichert – und die Nachfrage gestiegen. Mit der diesjährigen Ernte »schaut’s gut aus«, bestätigen die Uhudler-Winzer unisono.


Universal-Genie

Den Duft nach Walderdbeeren, Himbeeren und Robinien gibt es nicht nur im Uhudler-Wein.

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