Trendreport 2019 – Time to refresh

Das drahtlose Lautsprechersystem »Beosound Shape« kann nicht nur akustisch überzeugen. Die sechseckigen Kacheln lassen sich als individuelles Muster zusammensetzen. bang-olufsen.com

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Das drahtlose Lautsprechersystem »Beosound Shape« kann nicht nur akustisch überzeugen. Die sechseckigen Kacheln lassen sich als individuelles Muster zusammensetzen. bang-olufsen.com

Das drahtlose Lautsprechersystem »Beosound Shape« kann nicht nur akustisch überzeugen. Die sechseckigen Kacheln lassen sich als individuelles Muster zusammensetzen. bang-olufsen.com

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http://www.falstaff.de/nd/trendreport-2019-time-to-refresh/ Trendreport 2019 – Time to refresh Hello Manufaktur-Trend, goodbye Shabby Chic! Das neue Trendjahr hat quasi schon begonnen, Zeit für ein schnelles Update. LIVING hat die Trendreports studiert, mit Messekennern gesprochen und die Essenz destilliert. http://www.falstaff.de/fileadmin/_processed_/9/2/csm_LIVING_1805_trend19_header_d036435761.jpg

Wir leben in einer paradoxen Zeit, in der alles koexistieren kann«, sagt Elizabeth Leriche, Kuratorin, Szenografin und Gründerin der gleichnamigen Pariser Trendagentur. Die Messe Maison & Objet ist ohne Leriche kaum denkbar. Ihre Trendshowcases der spannendsten Produktneuheiten sind bei Ausstellern und Publikum gleichermaßen beliebt. Sehen, staunen, fühlen – wie leben wir 2019? Womit umgeben wir uns? Und worauf können wir getrost verzichten? »Je technologischer unsere Welt wird, je mehr sie sich de­materialisiert, umso stärker wird auch der Wunsch, sich durch die Materialien zu verankern«, führt Leriche aus. »Es gibt eine neue Begeisterung fürs Handwerk, für einzigartige Objekte, Keramik, Stein. Roh, rustikal, ein einfacher und essenzieller Stil.« Auch Manufaktur-Trend genannt. Gut, zugegeben: Das mag man schon mal gehört haben. Die eigentliche Message ist wohl die: Wir haben es hier mit einem Metatrend zu tun, gekommen, um zu bleiben – und alles andere zu beeinflussen. Seien es die Farben: geerdet, unaufgeregt, nah an der Natur angelegt. Seien es die bald schon standardisierten Personalisierungen unserer Möbelstücke oder die Re-Editionen der großen Design-Ikonen. Re-think, re-cycle, re-fresh. Schon vor Jahren unkte so mancher, er könne das Wort »Nachhaltigkeit« nicht mehr lesen. Fakt ist: Es ist präsenter denn je, kaum ein Hersteller kann sich heute noch erlauben, dieses Thema zu ignorieren. Man kann es ja »Bewusstsein« nennen. Materialien werden experimenteller, sind Meisterwerke der Technologie – oder der jahrhundertealten Handwerkskunst. So oder so: Man hat sich dabei etwas gedacht. Schein und Sein sind 2019 unzertrennlich.

»Es gibt eine neue Begeisterung fürs Handwerk, für einzigartige Objekte, Keramik, Stein. Roh, rustikal, ein einfacher und essenzieller Stil.« Elizabeth Leriche Kuratorin, Szenografin, Trendscout

»Less is more« gilt nach wie vor, aber nach einer gefühlten Ewigkeit »New Nordic« darf es auch wieder etwas gemütlicher werden. Leriche beschreibt das so: »Messing, Marmor und Samt kennzeichnen einen dekorativen Stil, der weiter demokratisiert wird.« Der Marmor kommt dabei farblich verwegen daher wie seit den 1970er-Jahren (ein weiterer Trend!) nicht mehr, und Samt überzieht die Sessel mit einem Hauch von Glamour und Stärke. Besonders hübsch im Kontrast dazu: filigrane Möbelstücke aus schwarzem Stahlrohr, die fast wie mit Kohlestift gezeichnet wirken und in Mailand und Paris mit ihrer unaufdringlichen Präsenz begeisterten.

Die Materialien

Elisabetta Rizzato ist Designerin, führt den Blog »Italian Bark« und steht hinter dem Trendreport »N/T«, einem Anker in den Trend-strömungen der Milan Design Week 2018. Im Gespräch mit LIVING erwähnt sie mehr nebenbei, dass es heute eher die neuen Materialien sind, die sie noch überraschen, als das Produkt an sich. »Manchmal sind Gegenstände unansehnlich, haben aber ein äußerst innovatives Konzept. Das interessiert mich mehr als etwas, das nur hübsch anzuschauen ist.« Bezüglich der Materialität verweist die Italienerin etwa auf Tische der Designerin Roxane Lahidji, die aussehen,
als wären sie aus Marmor, in Wirklichkeit aber aus Salz und Baumharz gemacht sind. Entdeckt im niederländischen Eindhoven. In Mailand dagegen hat wieder einmal Designikone Pa­tricia Urquiola für Furore gesorgt. Ihr Couchtisch »L.A. Sunset« (für Glas Italia) fesselt den Betrachter. »Was für ein Material ist das?«, fragt man sich unweigerlich und kommt als Laie doch nicht drauf. Die Glasplatte besteht aus laminiertem opalenem Glas. Je nach Blickwinkel ändern sich die Farben und es wirkt, als würden sie wie Gase oder Flüssigkeiten miteinander verschmelzen. Ein anderes glänzendes Beispiel: das Sideboard »Bump« (Lachance), das zwei Jahre nach Präsentation des Prototyps endlich erhältlich ist. Galvanisierter Stahl trifft hier auf Holz und Marmor. Mix & Match – dieses Konzept ist präsenter denn je und wird auffällig oft von Marmor getragen. Der Stein ist nach wie vor das Material der Stunde, gerne auch in Bunt. Ein schönes Beispiel: der »Talatha table« (Baxter), entworfen von Studiopepe. Eine Kreativschmiede, die es Rizzato angetan hat. »Ich denke, der italie­nische Modernismus ist derzeit sehr stark. Studio­pepe oder Dimorestudio sollte man sich merken.« Marmor, gerne kombiniert mit Holz oder Metall, etwa Messing, findet sich mittler­weile wirklich überall. Auch Holz-Terrazzo (Foresso) gibt es heute.

»Manchmal sind Gegenstände unansehnlich, haben aber ein äußerst innovatives Konzept. Das interessiert mich mehr als etwas, das nur hübsch anzuschauen ist.« Elisabetta Rizzato Designerin & Bloggerin

Die Multitalente

Weniger ein Trend als vielmehr ein Zeichen der Zeit sind die reduzierten Wohnungsgrößen. Der ausladende Biedermeierschrank ist daher heute eher suboptimal. Das haben die Designer verstanden. Ihre Entwürfe punkten durch Flexibilität, Wandelbarkeit und immer öfter Doppel- oder Dreifachnutzen. Das beginnt bei Beistelltischen, die auch als Aufbewahrungskorb fungieren (Cestlavie von Poltrona Frau), geht über Leitern, auf denen man vernünftig sitzen kann (Cecilie Manz für Nils Holger Moormann) und Soundsysteme, die als Kunst durchgehen (BeoSound Shape, Bang & Olufsen), bis hin zu Deckenlampen, die das Wohlbefinden von Mensch und Pflanze fördern (Gople, Artemide). Module sind ein großes Thema, gleich, ob in der Küche oder im Bad – es darf Tetris gespielt werden. Meisterstück: »Mirror« von MA/U Studio, ein Metallregal mit Stauraum, Spiegel und Lichtleiste. »Das Badezimmer ist für mich der derzeit interessanteste Raum in Sachen Interior Design«, merkt Rizzato an. Ähnlich wie einst in der Küche (Bibliotheksküche, Obumex), wird jetzt auch im Bad gewohnt. Wer will, kann sich die Badarmaturen personalisieren lassen, denn Luxus zeigt sich im Erfüllen von persönlichen Wünschen. Axor macht’s möglich und lässt seine Kundschaft aus 15 verschiedenen Oberflächen (Axor FinishPlus) – von Black Chrome bis Red Gold – wählen. Form follows perfection.

Die neuen Klassiker

Irgendwann muss es doch aufhören mit Mid-Century, mit Retro, mit Re-Editionen? Ganz im Gegenteil, der Hang zum Gestern verstärkt sich sogar noch. Die Rede ist aber nicht von Secondhand, sondern von Klassikern, neu gedacht. Mit oder ohne aktuellen Anlass. Ein Jubiläum, das 2019 für viel Schönes sorgen wird (bzw. das jetzt schon tut): 100 Jahre Bauhaus, die wohl einflussreichste Architektur- und Designschule der Moderne. Kunst trifft Handwerk, so wollte es einst Walter Gropius – und so sehen es auch Generationen von Designern und Architekten nach ihm. Eine von ihnen: Gesa Hansen, die ihr »Back to Bauhaus«-Sideboard auf der letzten Maison & Objet zeigte. Die guten Argumente: geometrische Formen, Eiche, Messing.

100 Jahre Bauhaus, die wohl einflussreichste Architektur- und Designschule der Moderne. Kunst trifft Handwerk, so wollte es einst Walter Gropius – und so sehen es auch Generationen von Designern und Architekten nach ihm.

Dass das Bauhaus eng verbunden war mit Thonet, unterstreicht eine Jubiläums­edition des berühmten Freischwingers »S 533 F« von Ludwig Mies van der Rohe. Das aktuelle Design stammt von Studio Besau-Marguerre und kommt in zwei Varia­nten – eine davon mit champagnerfarbenem Chrom und Leder in Zartrosé. Thonet, ein Name den man unweigerlich mit Bugholz- und Stahlrohr­möbeln assoziiert, hat schon seit 200 Jahren den Bogen raus – hier steht ebenfalls ein Jubiläum an. Auch Designerwundermann (Kind wäre bei einem 37-Jährigen nicht ganz passend) Sebastian Herkner hat für Thonet re-designt, konkret den »Frank­furter Stuhl«, den Archetyp des Beislstuhls. Herkners Möbelstück ist zeitgemäßer, ganz klar sophisticated, auch wenn man kaum fassen kann, warum genau. Er ist es einfach. Schöner Sein eben.

elizabethleriche.com
italianbark.com

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