Top & Flop: Der Weinjahrgang 2015

In Deutschland konnten die Trauben bis zum idealen Reifezustand am Stock bleiben.

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In Deutschland konnten die Trauben bis zum idealen Reifezustand am Stock bleiben.

In Deutschland konnten die Trauben bis zum idealen Reifezustand am Stock bleiben.

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DEUTSCHLAND: Weine mit hohen Mostgewichten


Ein milder und trockener Winter, ein warmes Frühjahr und ein heißer, trockener Sommer weckten bei den deutschen Winzern quer durch alle Anbaugebiete Erinnerungen an den Hitzejahrgang 2003. Zu Beginn des Herbstes wurden die Nerven der Winzer jedoch auf die Probe gestellt: Je nach Anbaugebiet begann es Anfang oder Mitte September zu regnen. Damit waren die Parallelen zum Jahrgang 2003 dahin – und die Produzenten stellten sich die bange Frage, ob der 2015er-Jahrgang stattdessen ein zweiter 2006er werden würde: Würden die Beeren durch das von den Stöcken aufgenommene Wasser aufplatzen und faulen? Glücklicherweise schloss sich jedoch weitgehend trockenes, windiges und eher kühles Wetter an. Dadurch konnten die Trauben fast überall bis zum idealen Reifezustand am Stock bleiben. Wer Botrytis für edelsüße Weine suchte, musste oft bis Ende Oktober warten.

Dabei ist es eine Besonderheit des Jahrgangs 2015, dass vor allem in südlichen Anbaugebieten wie der Pfalz und in Baden die hochwertigsten trockenen Weine oft ganz zu Beginn der Leseperiode eingekellert werden konnten, bei guter Reife und einem idealen Verhältnis von Alkohol und Säure.

Generell brachte der Jahrgang 2015 Weine mit hohen Mostgewichten. Alkoholexzesse scheinen dennoch die Ausnahme zu sein: Denn zum einen haben die Winzer seit 2003 sehr viel besser gelernt, mit heißen und trockenen Jahren umzugehen. Zum anderen ermöglichte der Jahrgang 2015, vermutlich mitbedingt durch den relativ kühlen Herbst, sehr gute Säurewerte: Dadurch sind Kraft und Dichte von Nerv und Frische balanciert. Nicht zuletzt die Rotweinregionen melden Weine mit großem Potenzial. Quantitativ ist 2015 ein durchschnittlicher Jahrgang. Trotz der relativ kleinen Beeren haben nur wenige Anbaugebiete einen Ertrag unter dem langjährigen Mittel – ein Zeichen für den guten Gesundheitszustand der Trauben. Nicht zuletzt blieb ein 
Faktor, der den Winzern im vergangenen Jahr Sorgenfalten auf die Stirn getrieben hatte, 2015 praktisch bedeutungslos: Die aus Asien zugewanderte Kirschessigfliege hielt sich von den Weinbergen fern – möglicherweise bekommt ihr trockene Hitze nicht.

Nicht nur in der Steiermark freuen sich die Winzer über den kraftvollen Jahrgang 2015.
Nicht nur in der Steiermark freuen sich die Winzer über den kraftvollen Jahrgang 2015.

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ÖSTERREICH: Kräftiges Sonnenjahr mit guter Menge


So richtig aufatmen konnten Österreichs Winzer nach dem Ernteabschluss. 2015 erbrachte nämlich nicht nur schöne Qualitäten, sondern auch sehr ordentliche Mengen. Nach dem sehr schwierigen Jahr 2014 sorgt nun der Jahrgang 2015 für frohe Gesichter in der Winzerschaft. Auf das schöne Frühjahr und die gute Blüte folgte ein Sommer, der für Überraschungen sorgte. Heiße Tage und Nächte waren Grund zu etwas Sorge, doch Mitte August gab es meist ausreichend Niederschlag. Die letzte Hitzeperiode Ende August verhalf den Reben zu sehr guter Reife, kühlere Nächte führten zu optimaler Aromaentwicklung. Ein guter Wetterverlauf im Herbst erlaubte eine entspannte Lese ohne Zeitdruck durch nahende Schlechtwetterfronten. Die Weine zeigen durchwegs eine sehr schöne, fruchtige Aromatik und Sortenausprägung. Ergänzt wird der Jahrestyp durch moderate Säure und meist kräftigen Alkoholgehalt, der den Körperreichtum unterstützt. Wermutstropfen waren massiver Hagel in der Nacht des 6. Mai, der insbesondere den Wagram, aber auch angrenzende Regionen traf und schwere Schäden hinterließ.

Hohe Reife und geringe Säurewerte sind das Hauptmerkmal des Jahrgangs, die Alkoholwerte werden daher bei Weiss- wie Rotweinen relativ hoch ausfallen. Besondere Erwartungen setzt man in die Rotweine, bei denen sich auch bei den später reifenden Rebsorten ein ausgezeichneter Jahrgang abzeichnet. Im Burgenland konnte im Spätherbst eine unerwartet gute Süssweinernte und schliesslich sogar der eine oder andere Eiswein eingebracht werden. In der Steiermark gibt es beim Welschriesling etwas weniger, dafür sind die Muskateller und die Burgundersorten sehr vielversprechend ausgefallen. Auch in Wien zeigt man sich mit dem kraftvollen Jahrgang 2015 sehr zufrieden.

Weinberge am Genfersee: Die Schweiz darf sich über einen schönen Jahrgang 2015 freuen.
Weinberge am Genfersee: Die Schweiz darf sich über einen schönen Jahrgang 2015 freuen.

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SCHWEIZ: Jahrgang außerhalb jeder Norm

Der Schweizer Wein 2015 verspricht, ein Spitzenjahrgang zu werden. Nach einem warmen Winter, aber zu kalten Februar trieben die Reben im Frühling 2015 etwas später aus als im langjährigen Durchschnitt. Ein sehr milder Frühling mit einem ausgesprochen sonnigen April beschleunigte dann allerdings die Vegetationsentwicklung. Die Blüte erfolgte vielerorts deutlich früher als üblich.

Ein extrem heisser Sommer und wenig Niederschlag sorgten anschliessend für einen hohen Zuckergehalt bei der Ernte, die fast überall zwei Wochen früher als gewohnt über die Bühne ging. Gesunde Trauben und schönes, manchmal kühles Wetter liessen die Weinlese schnell und umkompliziert vonstatten gehen – unbehelligt von Störmanövern der Kirsch­essigfliege, der die heissen Sommertem­peraturen nicht behagten.

Für einen Wermutstropfen sorgte höchstens die Quantität. 2015 gehört mit 850.451 Hektolitern zu den kleineren Weinernten der letzten Jahre. Der ausbleibende Niederschlag reduzierte das Erntevolumen im Vergleich zum Vorjahr um knapp neun Prozent.

Die Beeren waren infolge der trockenen Witterung kleiner, was zu leichteren Trauben führte. Wettgemacht wird die geringere Menge mit einer umso besseren Qualität: Die Winzer sind über die Güte ihrer Weine in allen Anbaugebieten des Landes begeistert.

Die Walliser bejubeln ihre roten Spezialitäten Diolinoir, Humagne Rouge, Syrah, Cornalin. Die Bündner unterstreichen, dass ihre Pinots Noirs im Gegensatz zum vergleichbar heissen 2003 Frische und Säure bewahrt hätten. Manch alter Kämpe, wie etwa Dominique Rouvinez aus Sierre, schwärmt, in seiner ganzen Laufbahn kein schöneres Jahr erlebt zu haben. Andere Winzer, etwa der Waadtländer Doyen Louis-Philippe Bovard, ziehen den Vergleich mit dem legendären 1959er. Es besteht kein Zweifel: Die Konsumenten können sich auf den Jahrgang 2015 freuen. Er ist reichhaltig, besitzt viel Frucht, Stoff und Alkohol, aber auch die Frische, ohne die er rasch ermüden würde. Und womöglich handelt es sich bei ihm auch um einen veritablen »Vin de garde« – einen Wein, den es lohnt, im Keller zu vergessen.

Weinbau in Monbazillac, Südwest-Frankreich: Im ganzen Land sind die Winzer enthusiastisch.
Weinbau in Monbazillac, Südwest-Frankreich: Im ganzen Land sind die Winzer enthusiastisch.

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FRANKREICH: Ein Jahr voll Kraft und Saft


Man spricht in ganz Frankreich von einer guten Ernte, die mengenmäßig ganz leicht unter dem Vorjahr, allerdings auch klar über dem Durchschnitt liegen dürfte. Bordeaux erlebte 2015 eine perfekte Blüte in einem frühen warmen Jahr ohne größere Probleme und konnte bereits Ende August mit der Ernte der weißen Trauben beginnen. Die gesamte Lese verlief entspannt, die Winzer sind mit Menge und Qualität hochzufrieden. Die Cabernets zeigen eine ebenmäßige Reife, die Merlots am rechten Ufer eine hohe Konzentration, man erwartet gut strukturierte, kräftige Rotweine und stellt Vergleiche mit 2005 an. Das Burgund meldet ebenfalls einen sehr guten Jahrgang mit ausgezeichneten Mengen, die Erntebedingungen 
waren sehr gut und die Trauben völlig gesund. 
An allen Ecken des Burgund hört man, dass es nicht nur ein sehr guter, sondern vielleicht auch der teuerste Jahrgang aller Zeiten werden könnte, was unter anderem mit der Nachfrage aus dem asiatischen Raum begründet wird.


Im Burgund könnte sich also wiederholen, was sich im Bordeaux mit den Jahrgängen 2009 und 2010 abgespielt und zu einer Krise beim Absatz geführt hatte. Probleme brachte ein schwerer Hagel der Region von Chablis, der am 1. September ausgerechnet die Grands Crus wie Blachot und Le Clos traf. Im Elsass ließ der heiße Sommer die 
Zuckergrade anschwellen, man rechnet mit einem Bulldozer-Jahrgang mit sehr hohen Alkoholwerten, ausnahmsweise wurde die Säurean­reicherung erlaubt.


An der Rhône begann die Ernte heuer sehr früh, um die Grenache-Trauben allerdings zu einer perfekten Reife zu bringen, brauchten die Winzer wegen des wechselhaften Wetters im September gute Nerven. In Châteauneuf-
du-Pape ist man angesichts der Qualität
enthusiastisch.

Portugiesisches Weinjahr 2015: trockenes Wetter mit früher Lese.
Portugiesisches Weinjahr 2015: trockenes Wetter mit früher Lese.

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PORTUGAL: Ein Jahrgang für Vintage Port


In den meisten Gebieten Portugals wird der Jahrgang 2015 als ein trockenes Jahr mit einer frühen Lese in Erinnerung bleiben. Entlang des Douro und in den für Portwein vorgesehenen Weinbergen reifte trotz eines Wasserdefizits von 44 Prozent gegenüber dem langjährigen Mittel ein Jahrgang heran, von dem man erwartet, dass er weithin als Vintage deklariert werden wird. Dass sich die negativen Auswirkungen der Trockenheit in Grenzen hielten, liegt an zwei Umständen: Zum einen kam der Regen jeweils zur rechten Zeit und fiel langsam genug, um wirklich in den Boden eindringen zu können. Zum anderen blieben die Temperaturen im Juli und August unter den üblichen Werten. Die Lese erfolgte in zwei Wellen: Zwischen Anfang September und zwei Regentagen am 15. und 16. September wurden hochkonzentrierte, gut ausgereifte Trauben gelesen. Nach dem Regen nahmen viele Betriebe die Lese erst nach einer Wartezeit von vier, fünf Tagen wieder auf. Wer sie früher fortsetzte, musste verdünntes Lesegut in Kauf nehmen, da die Reben nach der langen Trockenheit begierig Wasser aufgesaugt hatten. Wer indes abwartete, wurde vom Wetter begünstigt: Aufkommender Wind hielt die Trauben gesund und verdichtete den vom Regen verdünnten Extrakt der Trauben wieder. Ähnlich verlief die Lese im Gebiet Dão, wo ebenfalls konzentrierte Weine entstanden. In Bairrada starteten die Reben mit einer guten Wasserreserve aus dem Frühjahr in die Vegetation, der Sommer war nicht zu heiß, die Winzer berichten von exzellenten Rotweinen. Im Vinho-Verde-Gebiet kam der Regen Mitte September zur rechten Zeit, Qualität und Menge sind gut.

Weinberge in der Toskana: In Italien trug ein warmer September zur perfekten Ausreifung bei.
Weinberge in der Toskana: In Italien trug ein warmer September zur perfekten Ausreifung bei.

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ITALIEN: Ein Jahrgang wie aus dem Bilderbuch


Auf einen niederschlagsreichen Winter folgte ein Frühjahr mit milden Temperaturen und verbreiteten Regengüssen. Der Sommer war heiß und trocken, im Juli stiegen die Temperaturen bis an die 40-Grad-Grenze. Durch den regenreichen Winter aber hatten die Reben in den meisten Fällen genügend Feuchtigkeit zur Verfügung und überstanden die Hitzewelle sehr gut. Lediglich in einigen norditalienischen Regionen musste mit Notbewässerungen nachgeholfen werden. Mitte August sanken die Temperaturen spürbar, die Nächte wurden kühler, und auch die lang ersehnten Niederschläge fielen. Der warme September trug allerorts zur perfekten Ausreifung bei, die Trauben konnten in perfektem Zustand geerntet werden. Abgesehen von den Schaumweinen – Franciacorta, Prosecco –, bei denen aufgrund der Juli-Hitze den Trauben am Ende die Säure fehlte, werden in ganz Italien hervorragende Weißweine und großartige Rotweine erwartet. Da sich zudem auch die Menge nach dem quantitativ und qualitativ sehr mäßigen Jahr 2014 erfreulich steigerte, stand den italienischen Winzern nach der Lese überall die Freude ins Gesicht geschrieben.

Riojas Winzer sprechen von einem exzellenten Jahr.
Riojas Winzer sprechen von einem exzellenten Jahr.

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SPANIEN: Schöne Weine, aber geringe Menge

In den meisten Gebieten Portugals wird der Jahrgang 2015 als ein trockenes Jahr mit einer frühen Lese in Erinnerung bleiben. Entlang des Douro und in den für Portwein vorgesehenen Weinbergen reifte trotz eines Wasserdefizits von 44 Prozent gegenüber dem langjährigen Mittel ein Jahrgang heran, von dem man erwartet, dass er weithin als Vintage deklariert werden wird. Dass sich die negativen Auswirkungen der Trockenheit in Grenzen hielten, liegt an zwei Umständen: Zum einen kam der Regen jeweils zur rechten Zeit und fiel langsam genug, um wirklich in den Boden eindringen zu können. Zum anderen blieben die Temperaturen im Juli und August unter den üblichen Werten. Die Lese erfolgte in zwei Wellen: Zwischen Anfang September und zwei Regentagen am 15. und 16. September wurden hochkonzentrierte, gut ausgereifte Trauben gelesen. Nach dem Regen nahmen viele Betriebe die Lese erst nach einer Wartezeit von vier, fünf Tagen wieder auf. Wer sie früher fortsetzte, musste verdünntes Lesegut in Kauf nehmen, da die Reben nach der langen Trockenheit begierig Wasser aufgesaugt hatten. Wer indes abwartete, wurde vom Wetter begünstigt: Aufkommender Wind hielt die Trauben gesund und verdichtete den vom Regen verdünnten Extrakt der Trauben wieder. Ähnlich verlief die Lese im Gebiet Dão, wo ebenfalls konzentrierte Weine entstanden. In Bairrada starteten die Reben mit einer guten Wasserreserve aus dem Frühjahr in die Vegetation, der Sommer war nicht zu heiß, die Winzer berichten von exzellenten Rotweinen. Im Vinho-Verde-Gebiet kam der Regen Mitte September zur rechten Zeit, Qualität und Menge sind gut.

Chiles Winzer litten unter einer extrem trockenen Vegetationsperiode.
Chiles Winzer litten unter einer extrem trockenen Vegetationsperiode.

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CHILE: Frühe Lese, wenig Säure – ein problematisches Jahr


Extreme Trockenheit, sintflutartiger Regen, Buschfeuer und Vulkan­ausbrüche: Der Jahrgang 2015 schickte Chiles Winzer auf eine Ach­terbahnfahrt der Gefühle. Nach einer heißen und insgesamt viel zu trockenen Vegetationsperiode wurden die Trauben in den meisten Weinbauregionen zwei Wochen früher als üblich gelesen. Regen während der Lese Mitte März half, extreme Alkoholwerte zu vermeiden. Allerdings leiden viele Weine unter einem Mangel an Säure. Um gute Ergebnisse zu erzielen, waren Höhenlagen und alte Reben von­nöten – oft leider aber auch Korrekturen im Keller. Nicht zuletzt dank des günstigen Wetters zur Blüte liegen die Erträge zehn Prozent über dem langjährigen Schnitt. Über die Qualität sind sich die Winzer noch im Unklaren: Der Regen zur Lese könnte sich als Glücksfall erweisen, die Gerbstoffreife der Rotweine sei gut – es gelte abzuwarten, wie sich die Weine entwickeln.

In der Region Mendoza regnete es kurz vor der Lese zwei Wochen lang.
In der Region Mendoza regnete es kurz vor der Lese zwei Wochen lang.

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ARGENTINIEN: Wärme, Feuchtigkeit, Hagel, Asche: ein Albtraumjahr


Der Jahrgang 2015 brachte den ohnehin durch die ökonomische Situation des Landes gebeutelten Winzern wenig Glück: Zwar begann der Austrieb drei Wochen früher als üblich und schien einen guten Jahrgang zu ermöglichen, doch genau vor der Lese setzte im März Regen ein – und er blieb: In Argentiniens bekanntester Region Mendoza hielt er zwei Wochen lang an, was sehr ungewöhnlich für die Gegend ist.

Die Ausbreitung der Fäulnis zwang die Winzer zu einer raschen Lese. Frühreife Sorten scheinen daher bessere Ergebnisse gebracht zu haben als späte Sorten, die kaum eine Chance hatten auszureifen. In der südlichsten Region des Landes, in Patagonien, wo sich die Lese normalerweise in den Mai hineinzieht, musste sie wegen des Ausbruchs des chilenischen Vulkans Calbuco vorgezogen werden. Hier wären zwar die Trauben noch in gutem Zustand gewesen – doch der vorhergesagte Ascheregen verhinderte weiteres Warten.

Aus dem kalifornischen Napa Valley kommen aromatische Weine.
Aus dem kalifornischen Napa Valley kommen aromatische Weine.

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KALIFORNIEN: Frühes Jahr mit kleiner Ernte


Nach drei Jahren mit großen Mengen musste man sich 2015 in Kalifornien mit geringeren Erntemengen zufriedengeben. In die Geschichte eingehen wird der Jahrgang als einer der frühesten. Der Austrieb erfolgte sehr bald, aber ein unbeständiges Frühjahr bereitete der Blüte Probleme und reduzierte den Fruchtansatz. Der Sommer war warm, trocken und im Finale sogar heiß, Erntebeginn für Sekttrauben war bereits Ende Juli, am 10. Oktober waren auch die spätesten Rotweintrauben geerntet. Dank der vorangegangenen starken Jahr­­-gänge wird es kurzfristig sicher zu keiner Verknappung kommen, denn vor 2017 kommen die besseren Qualitäten ohnehin nicht auf den Markt. Erwartet werden sehr hochwertige, aromatische Weine mit guter Struktur und Reifefähigkeit.

2015 könnte einer der besten Weinjahrgänge Südafrikas werden.
2015 könnte einer der besten Weinjahrgänge Südafrikas werden.

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SÜDAFRIKA: Spitzenqualitäten bei kleineren Mengen


Das Weinjahr 2015 war in Südafrika vom Austrieb über die Blüte bis hin zur Ernte ein frühes: Über den Winter konnten gute Feuchtigkeitsreserven gebildet werden, der Sommer war zwar warm, in den Nächten wurde es aber ungewöhnlich kühl, was die Aromenausbildung der Trauben sehr gefördert hat. So wurden die Aromen der Trauben nicht veratmet, und die Säure- und Zuckerwerte entwickelten sich in der letzten Reifephase in einem harmonischen Gleichgewicht. Die Mengenreduktion er­gab sich durch den Wasserstress, der wiederum zu kleineren Beeren und leichteren Trauben geführt hat. Dennoch: Die Winzer sind glücklich, und für viele der erfahrenen Kellermeister war es der beste Weinjahrgang in ihrer langjährigen Karriere. Erwartet werden frische, sorten­typische Weine mit Cool-Climate-Charakter.

Im Barossa Valley erfolgte die Ernte bei hohen Reifegraden.
Im Barossa Valley erfolgte die Ernte bei hohen Reifegraden.

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AUSTRALIEN: Regional große Unterschiede


Ein recht feuchter Frühling hielt 2015 die Mengen in Grenzen, qualitativ sorgte der warme Sommer am Ende für gute Ergebnisse. Im Barossa Valley verzeichnete man nach einem feuchten Winter hingegen den trockensten Frühling seit zehn Jahren, mit ungewöhnlich niedrigen Durchschnitts­temperaturen. Im Hochsommer wurden die höchsten Werte seit 2007 gemessen, die Ernte erfolgte schließlich schnell und bei hohen Reifegraden. In Victoria zeigt sich ein ähnliches Bild: Speziell im Yarra Valley gibt es tolle, strukturierte Chardonnays und Pinots Noirs. Völlig anders das Bild in New South Wales, das nach zwei tollen Jahren ein schlechtes Ende verbuchte. Einem kalten Frühjahr folgte ein warmer, aber niederschlagsreicher Sommer, die Lese versank im Regen. In Western Australia hatte man mit Buschfeuer und Vogelschwärmen zu kämpfen, Chardonnay und Cabernet  sind von hoher Qualität. Auch in Tasmanien konnte man sich über einen sehr guten Jahrgang freuen.

Ein kühler Frühling sorgte in Neuseeland für ein Mengen-Minus.
Ein kühler Frühling sorgte in Neuseeland für ein Mengen-Minus.

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NEUSEELAND: Geringere Mengen, exzellente Qualitäten


Im Vergleich zu 2014 brachte der Jahrgang den neuseeländischen Winzern ein markantes Mengen-Minus von 27 Prozent. Für das Land, das seinen Wein in nicht weniger als neunzig Länder exportiert und sich wachsender Nachfrage erfreut, ist das am Markt keine leichte Situation. Speziell beim Hauptprodukt, dem Sauvignon Blanc aus der Region Marlborough, sind Engpässe unvermeidbar. Ursache für den Minderertrag war ein sehr kühler und unbeständiger Frühling, der nur von einem exzellenten Sommer halbwegs ausgeglichen werden konnte. Die Ernten sind aber von höchster Qualität. Neuseeland wird diesen kleinen Rückschlag sicher gut verkraften, allein in den letzten zwölf Jahren ist die Rebfläche von etwa 14.000 auf mehr als 35.000 Hektar gewachsen.

Aus Falstaff Magazin 02/2016

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