Top 5 Bars in Florenz

Liquide Sphären: »Atrium Bar« im Four Seasons Hotel in Florenz.

© Four Seasons

Liquide Sphären: »Atrium Bar« im Four Seasons Hotel in Florenz.

© Four Seasons

http://www.falstaff.de/nd/top-5-bars-in-florenz/ Top 5 Bars in Florenz Ein Kurzurlaub in der Toskana hat viele Vorzüge, einer davon: Barhopping in der Geburtsstadt des Negroni. Wir stellen fünf Institutionen vor, die für exzellente Drinkqualität bürgen. http://www.falstaff.de/fileadmin/_processed_/3/b/csm_florenzbars-1_c99381b5a6.jpg

Atrium Bar Four Seasons

Nicht nur den Gästen des Luxushotels Four Seasons Firenze, bestehend aus den beiden Gebäuden des Palast Palazzo della Gherardesca aus dem 15. Jahrhundert sowie dem ehemaligen Kloster Il Conventino aus dem 16. Jahrhundert, bietet die Atrium Bar ein luxuriöses Einfinden in den liquiden Sphären der Stadt. Vorbei am violett beblumeten Foyer voll Säulen, Skulpturen und in Sisyphusarbeit erstellter Stuckarbeiten, biegt man ab in die holzvertäfelte Atrium-Bar, wo ein schwerer Kronleuchter über grünen Samtsofas, Jugendstil-Interieur und feinen Farnpflanzen thront. Das Zepter, also den Rührlöffel, schwingen allerdings Bar Manager Tommaso Ondeggia und Head Bartender Sandri Edoardo, mit Vorliebe für einen klassischen Negroni oder eine hauseigene Variante davon, also »mit Twist«. Überhaupt lässt sich sagen, dass der Negroni »mit Twist« nicht nur der meist bestellte Drink der Stadt ist, sondern auch der seitens der Bartender meist angepriesene – immerhin ist ein jeder Twist verschieden und bedeutet nicht weniger als die Handschrift der entsprechenden Lokalität. Der twistfreie Klassiker in der Atrium Bar besteht aus jeweils einem Drittel Ginarte London Dry Gin, Campari und Mancino Rosso Vermouth. Ondeggias Lieblingsdrink indes, ist gemäß seiner Mexiko-Liebe ein »Turtle«, bestehend aus Silver Tequila, Chili-Agavensirup, Kokosmilch, Zitronensaft und selbst gemacht Tiger Milk. Die setzt sich bei Ondeggias aus Sellerie, Tomaten, Wacholder, Wasser, Koriander, Ananas und Limette zusammen. Von wegen, in Italien ist jedes Getränk rot und schmeckt bitter-süß. Geraucht wird vor dem Hotel, etwa in der 4,5 Hektar großen Parkanlage.

Atrium Bar – Four Seasons, Borgo Pinti, 99, 50121 Firenze 
fourseasons.com/florence/dining/lounges/atrium_bar/

Caffè Gilli

Das Caffè Gilli klingt qua Namen natürlich zunächst nach einem Café. Ist es auch. Und zwar nicht irgendeines, sondern das älteste der Stadt, gegründet im Jahr 1733. Viel mehr als ein Café, das bis 1 Uhr geöffnet hat, ist dieser zentralste aller Trink-Einrichtung an der Piazza della Republica aber vor allem eine Bar, die zufälligerweise bereits um 8 Uhr öffnet. Hinter einem gewaltigen grünen Marmortresen werden die Drinks gemixt, die Vitrine nebenan strotzt vor frischem Gebäck und die Cioccolateria nebenan verspricht, dass der Signature Drink des Hauses, der »Take your Thyme« gewiss verträglich bleibt. Gereicht mit den wohl größten und fleischigsten Oliven der Toskana, lassen sich von diesem an Alkohol armen, leicht bitteren und zitrus-frischen Drink durchaus auch mehrere verzehren. Vielleicht nicht so viele, dass man auf das Mary Poppinsesque Karussell auf der Piazza steigt, für das im Café fahrlässigerweise Freichips verteilt werden. Aber durchaus so viele, bis der Preis nicht mehr ganz so sehr weh tut. Denn hier werden die Superlative mitbezahlt: das älteste Café, die schönste Piazza, die aromatischsten Oliven und die schönste Shake-Show der Bartender. Natürlich mixt man auch hier den eigenen Negroni-Twist: mit Mezcal und Kaffeelikör. Drei Straßenecken weiter, in der Via de‘ Tornabuoni, ist im ehemaligen Giacosa Café vor rund einhundert Jahren übrigens der Negroni erfunden worden. Das Erbe lauert also in den Straßen und so blitzt es bei gutem Wetter an beinah jedem Tisch im Freien rubinrot.

Caffè Gilli, Via Roma, 1r, 50123 Firenze
caffegilli.com/

Giardino 25 per Gucci

Wäre diese Bar ein Tier, sie wäre vermutlich ein Pfau. Es sind nicht nur die leuchtenden Farben der türkisenen Ledersofas nebst roter, orangefarbener und gelber Blumengestecke im Hintergrund eines lila fluoreszierenden Gin Tonics; es ist auch die gewisse Form von Stolz, mit der präsentiert wird. In Italien sind Frauen in gehobenen Positionen am Tresen nach wie vor eine Seltenheit – umso mehr erfreut da die Präsenz der umbrischen Bar Managerin Martina Bonci, welche die Welt der für sie magischen Welt der Mixologie durch ihre Großmutter betrat, die ihrer Enkelin nach dem Essen bisweilen einige Schlücke Wein verabreichte: der sei gut für’s Blut. So führte ihr Weg über Perugia und unzählige high-end Bars bis hin zu dem von Gucci Kreativdirektor ​​Alessandro Michele designten und in Erweiterung an den Gucci Garden angesiedelte Bar Gucci Giardina 25. Die »25« ist übrigens keine Hausnummer, sondern eine Art Lieblingszahl des Designers, die auch immer wieder in seinen Kollektionen auftaucht. Ähnlich wie im Caffè Gilli ist auch hier für den frühen Vogel gesorgt – so er sich modisch gut mit dem Pfau verträgt. Der Giardino 25 öffnet seine Türen um 9 Uhr und ist so denn bereit, aufzukochen oder -brühen, zu mixen und zu rühren. Dargereichte Gebäcke machen einen ausgedehnten Aufenthalt einfach, und falls der Hunger zu groß wird – im Jahr 2018 eröffnete Spitzenkoch Massimo Bottura für Belange dieser Natur die Gucci Osteria.

Nach einem schweifenden Blick durch den Raum ist es nahezu unnötig zu erwähnen, dass der fluoreszierenden »Memoire de Negroni« der Signature Drink des Hauses ist. Er besteht aus Bitter Bianco, Reserve Wermut »Ambrato”, Yuzu Sake, Grapefruit Bitter und der Blauen Schmetterlingserbsenblume, die maßgeblich für die Farbe verantwortlich ist. Man lernt so vieles am Tresen.

Gucci Giardino 25, P.za della Signoria, 37r, 50122 Firenze
gucci.com/ch/de/st/stories/article/gucci-giardino-25

Locale

Matteo di Ienno ist Bar Manager in dem historischen Gemäuer, das auf etwa 1200 datiert werden kann, und er schreckt vor wenigen Zutaten zurück. Ob fermentierte Ananasschale, Erbsen oder Bienenpollen, auf seiner elaborierten Cocktailkarte findet eine jede Zutat ihren Drink. Wie wäre es etwa mit einem »Pomo Basso« mit fat washed Vodka, Fruchtfleischsirup der Tomate und grünem Tomatenbitter? Der Durchschnittspreis von etwa 28 Euro pro Drink erklärt sich nach nur wenigen Schlucken von selbst und fühlt sich bei der Lektüre der Barkarte erst recht nach Schnäppchen an, denn die ist in Kunstthemen unterteilt: »Scultura«, inspiriert von namhaften Renaissance-Skulpturen, beinhaltet starke Drinks, »Pittura« widmet sich den floralen und fruchtigen Cocktails, angelehnt an die italienische Malerei seiner Zeit, und der Teil »Canto dei Bischeri« (»Gesang der Bauern«) knöpft sich alles, was von Baum und Feld kommt, vor: Melona, Brennesseln, Matcha.

Neben dem gustatorischen Erlebnis macht ein Grund des Besuchs im Locale sicherlich die Geschichte des Hauses aus. Im 15. und 16. Jahrhundert in den Händen der Medici-Familie, steht im Kellergewölbe sogar noch ein Ofen aus dem Jahr 1368. Dort kann übrigens auch diniert werden, sollte ein einem der ebenerdigen Gewölbe in den mittelalterlichen Seitenflügeln kein Platz mehr sein. Passend zu den Drinks, wird auch hier nicht beim Geschmack Halt gemacht, sondern auf Darbietung gesetzt. Ein buntes Bouquet an überraschenden Texturen, Rauch und Dekor, gepaart mit traditioneller italienischer Küche. Dringende Empfehlung: die getrüffelten Spaghetti und ein mit Cannabis infusionierter Drink; näher kommt der Himmel zu Lebzeiten nicht.

Locale, Via delle Seggiole, 12r, 50122 Firenze
localefirenze.it/?lang=en

De’ Bardi Firenze

Die Contessina de’ Bardi war eine Adlige, die sich – für noch mehr Adel – in das Hause Medici einheiratete um das ersehnte Prestige in Florenz zu polieren. Abermals wird deutlich: Florenz ist gelebte Geschichte und am Tresen wird ihrer gedacht. Denn so wie die Florentiner Malerei von »Memento Mori«-Motiven geprägt ist, so gedenkt man der Vergänglichkeit auch kulinarisch. Erst im April diesen Jahres hat das De’ Bardi seine Tore geöffnet und die Ambitionen sind groß. Die Bar ist bereits da, das Restaurant öffnet in Bälde und das »Wine House« nebenan, wo Weintasting stattfinden und toskanische Weine probiert werden sollen sitzt bereits in den Startlöchern. Das Restaurant »Costa San Giorgio« unter der Ägide von Yuzo Nakai serviert toskanisch-japanische Fusionküche, die Bar folgt dieser Stilistik. Bar Managerin Veronica Costantin, bei der Florence Cocktail Week übrigens zur besten Bartenderin 2020 gekürt, mischt Whiskey mit Shiitake und Bambus, auch Tequila, Wasabi mit Zwiebeln, und sie kredenzt Zutaten wie etwa Sous-Vide Shiso.

Grüne Samtsitze und Marmoroptik auf den Tischen verleihen dem Ort eine sehr ruhige Note, die, entgegen der oftmaligen Opulenz der florentinischen Inneneinrichtung, zu den minimalistischen und angenehm wenig süßen Drinks passt. Wobei Costantin sicherlich auch einen Negroni zu mixen vermag. Mit Twist, selbstredend, vielleicht Spirulina Algen. 

De‘ Bardi, Via De’ Bardi 27, Firenze
instagram.com/debardiflorence/

Mehr zum Thema

News

Barkultur: Der Geist der Anden

Peru erobert die Welt: Nicht nur Ceviche & Co. liegen bei Gourmets im Trend. Auch im Cocktailglas verzaubert das Andenland mit seinem aromatischen...

News

Barkultur: Reinste Wodka-Power

Klassischer Wodka ist der unangefochtene Star an der Bar. Vor allem im Cocktailglas ist er durch seine absolute Reinheit die ideale Grundlage für...

News

Zeig mir deine Bar, Darling! So macht Ihr Apéro eine gute Figur

Das Comeback der Hausbar: Das Must-have der 60er kommt heute schrill, farbenfroh und auch als eleganter Blickfang daher.

News

Barkultur: Freche Früchtchen

Obstbrand gilt an der Bar als exotischer 
Individualist. Sein starker Charakter erfordert Feingefühl – doch richtig eingesetzt macht er aus einem...

News

Barkultur: Wandelbarer Whisky

Das einmalig rauchige Aroma des Whiskys erfordert viel Fingerspitzengefühl beim Mixen. Denn erst mit viel Know-how wird das Torfige zum Blumigen.

News

Barkultur: Schichten statt schütteln

Sie sehen aus wie kleine Kunstwerke: Bei den »layered drinks« werden die Flüssigkeiten vorsichtig aufeinandergeschichtet. Durch ihr unterschiedliches...

News

Leichte Drinks für heiße Tage

Alkohollastige Cocktails, das war einmal. Gerade im Sommer mixen Barkeeper gerne Rezepturen mit wenig Alkohol – die auch wunderbar zu einem Barbecue...

News

Barkultur: Die Cognac-Revolution

Cognac in Drinks? Das galt lange Zeit als verpönt. Zu Unrecht. Gerade im Aperitif-Cocktail begeistert er die Barfliegen.

News

Barkultur: Bar meets Barista

Er ist ein Newcomer in der Barwelt: Kaffee. Der Extrakt der Bohne wird nun auch bei der Zubereitung zahlreicher Drinks eingesetzt.

News

Barkultur: Drinks mit Deckel

Was die in Spanien können, können wir schon lange! Hierzulande sind in den Bars jedoch deftigere Happen zum Drink en vogue.

News

Barkultur: Das Auge trinkt mit

Es kommt nicht (nur) auf das Innere an! Zumindest nicht bei Cocktails. In den Bars hat sich ein Dekorationsboom breitgemacht.

News

Barkultur: Das Original und sein Surplus

Klassiker neu interpretiert: Bartender entwickeln altbekannte Drinks weiter. So steht etwa der White Negroni nun oft mit Suze und Lillet statt mit...

News

Barkultur: Culinary Cocktails

Ein neuer Trend erobert die Barszene: Drinks werden mit Spirituosen versetzt, die nach dem Geschmack von Lebensmitteln aromatisiert sind. Das Ergebnis...

News

Barkultur: Rauchzeichen

In der High-End-Küche wird Rauch schon längst als Aroma eingesetzt, nun ist dies auch beim Mixen von Drinks ein Mega-Trend.

News

Barkultur: Die schwarze Seele des Cocktails

Gerade im Winter sind raffinierte Drinks mit Espresso der absolute Renner. Dabei kommt es nicht nur auf beste Spirituosen an, sondern auch auf den...

News

Barkultur: Drinks aus dem Holz

Für »barrel aged«-Cocktails werden die fertigen Drinks in Fässern gelagert. Das Ergebnis überrascht.

News

Barkultur: Asia-Style

Der neueste Hit unter den Zutaten ist Sake oder Yuzu-Saft, der nach Orange, Grapefruit und Limette schmeckt – und jeden Drink erfirscht.

News

Barkultur: Der Sommer wird Grapefruit

Die Zitrusfrucht mit den bitteren und säuerlichen Aromen ist nicht nur perfekt bei Hitze, auch die Farbe ist ein Blickfang.

News

Barkultur: Lakritz-Infusion

Infusions sind Spirits, die über längere Zeit aromatisiert wurden – mit Tee, Kräutern und Früchten, die in ­Alkohol eingelegt werden.

News

Barkultur: Kapuzinerkresse on the Rocks

Die aromatischen Cocktails à la Liquid Kitchen oder Cuisine Style sind inzwischen Standard.