Tischgespräch mit Verena Altenberger

© Chris Singer

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Falstaff: Sie stammen ja selbst von einem Bauernhof – welchen Bezug haben Sie zu Lebensmitteln?
Verena Altenberger:
Ich mache mir sehr viele Gedanken darüber, das habe ich mit der Muttermilch aufgesogen. Meine Mutter war Direktorin einer Landwirtschaftsfachschule und dadurch Leiterin und Direktorin eines grossen Bauernhofs. Das Erste, was sie in dieser Funktion gemacht hat, war, auf Bio umzustellen. Es sind ja gewaltige Kosten für einen Bauern oder eine Bäuerin, auf Bio umzustellen. Daher habe ich von Grund auf mitbekommen, was es heisst, Lebensmittel herzustellen. Es gab einen Metzger am Hof und auch eine Käserei.

Stichwort Metzger – wie schaut es mit Ihrem Fleischkonsum aus?
Ich habe zu Hause gesehen, dass man Tiere ethisch vertretbar richtig aufziehen, schlachten und verarbeiten kann. Das ist aber aufwendig, das kenne ich bisher nur im Kleinen, und das hat einen gewissen Preis. Mich selbst bezeichne ich als Flexitarierin, wobei ich meinen Fleischkonsum weitestgehend eingeschränkt habe.

Fragen Sie in einer Metzgerei, woher das Fleisch kommt und wie die Tiere aufgewachsen sind?
Ja, natürlich mache ich das, dasselbe gilt für Restaurants. Wenn ich für zwei, drei Menschen gutes Fleisch kochen möchte, dann kostet das 70 Euro. Dafür mache ich das aber auch extrem selten.

Können Sie diesen »Landbonus«, den Sie von zu Hause mitbekommen haben, geniessen und im Alltag mit einbringen?
Mir sind meine Wurzeln bewusst. Das hat für mich mit einer Ruhe zu tun, die ich mitbekommen habe, und mit einer Verbundenheit zur Natur – einem umfassenderen Verständnis für viele Dinge. Aber es gibt auch Situationen, in denen ich durch das bäuerliche Aufwachsen eine Art »Landei-Komplex« entwickelt habe. Das hat oft mit der sogenannten »Hochkultur« zu tun, in die ich mich einleben muss.

Hat das mit einem noch »wachsenden« Selbstwertgefühl zu tun?
Möglich. Und wahrscheinlich ist das langsame – wie bei vielem – das »gesündere« Wachstum.

Sie sind ein Sprachtalent, parlieren in Englisch, Französisch, Italienisch, Jiddisch, Spanisch und Türkisch. Haben Sie auch die Küchenstile dieser Länder schon kennen- und kochen gelernt?
Ja, die meisten. Ich war zum Beispiel in Istanbul und auch in ländlichen Regionen der Türkei – ich habe dort einen grossen Freundeskreis. Die türkische Küche ist mir daher sehr vertraut. Und ich habe im Lockdown auch erstmals zu Hause türkisch gekocht. Ganz wichtig ist dabei der türkische Reis, der wird lange gekocht, und man muss viel rühren, bis er fertig ist. Ist mir nicht gleich gelungen, aber jetzt habe ich es drauf! Und ich habe geübt, türkischen Mokka zu machen. Nur wer das schafft, darf nämlich heiraten, sagt ein türkisches Sprichwort.


Über Verena Altenberger

Die gebürtige Salzburgerin studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Schauspiel in Wien. Einem breiten Publikum ist sie vor allem durch ihre Rolle in »CopStories« und als polnische Pflegerin in der Serie »Magda macht das schon!« bekannt. Für ihre berührende Darbietung in dem Drama »Die beste aller Welten« wurde sie 2017 unter anderem mit dem Schauspielpreis der Diagonale geehrt.

ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 07/2020
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