Tischgespräch mit Gottfried Helnwein

© Thomas Schauer

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FALSTAFF Herr Helnwein, Sie leben in Los Angeles und in Irland. Welche Bedeutung hat das Reisen für Sie?
GOTTFRIED HELNWEIN Ob Bühnenbild in Israel oder eine Ausstellung in Mexiko, immer haben die Reisen mit meiner Arbeit zu tun. Am liebsten aber reise ich mit Kindern. Es ist faszinierend und erfrischend, die Welt durch ihre Augen zu sehen. Es relativiert die eigene Sicht auf das Leben. Mit meiner zehnjährigen Enkelin sind wir erst kürzlich durch Italien gefahren, waren in Rom und im Vatikan, in Neapel und Süditalien, ich habe es genossen, ihr diese neue Welt zu zeigen. Kinder sollten schon sehr früh die Möglichkeit haben, die Welt kennenzulernen.

 »Zu Hause« fühlt sich Ihre Großfamilie im Schloss Gurteen de la Poer in Irland.
Mein großes Privileg ist, dass ich mit meinen Kindern und Enkeln zusammenleben kann – bis auf einen Sohn, der in L. A. lebt und Komponist ist. Ich hatte schon immer die Idealvorstellung einer »italienischen Großfamilie«. Dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen: eine lange Tafel, an der die verschiedenen Generationen miteinander essen, trinken und diskutieren. Es ist wahnsinnig laut, die Hunde laufen herum, die Kinder sind außer Rand und Band. Also genau so, wie es sein soll.

Was bedeutet irische Küche für Sie?
Fleisch, viel Fleisch! (lacht) 

Sie sind doch Vegetarier?
Ich habe meine Ernährung im Laufe der Jahre verändert. Früher habe ich eher in mich »hineingefressen«. Dann habe ich gespürt, wie mir das schadet. Eines Tages beschloss ich, kein Fleisch mehr zu essen. Heute meide ich weißes Mehl, Brot und die meisten Milchprodukte – nur bei der irischen Butter mache ich eine Ausnahme. Ich denke, jeder muss für sich herausfinden, was für ihn richtig ist.

Was wird im Haus Helnwein aufgetragen?
Wir haben eine Köchin, die für uns alle kocht. Unsere Küche ist indisch, italienisch, marokkanisch, mexikanisch, also eklektisch und international. Das Einzige, was dabei zählt, ist die Qualität. Wir haben unseren eigenen Gemüsegarten, Gemüse, Salat und die Kräuter kommen also nicht aus Chile oder Kenia, sondern direkt aus der heimischen Erde.

Haben Sie nie wieder Fleisch gegessen?
Früher, wenn ich auf Besuch in Wien war, habe ich manchmal eine Ausnahme gemacht, weil die Wiener Küche sehr mit den Erinnerungen an -meine Kindheit verbunden ist.

Wird auch manchmal österreichisch gekocht?
Ja, mein amerikanischer Schwiegersohn ist so begeistert von der Wiener Küche, dass er immer wieder für die ganze Familie Schnitzel macht. Und für mich gebackenen Zeller (Wienerisch für Sellerie).

Gottfried Helnwein

Foto beigestellt

Er ist einer der bekanntesten Künstler unserer Zeit: Gottfried Helnwein setzt sich in seinen hyperrealistischen Bildern mit Themen wie Nationalsozialismus, Gewalt und Kindheit auseinander. Mit seinen Werken polarisiert und begeistert Helnwein gleichermaßen. Seit 1997 lebt der gebürtige Wiener in einem Schloss in Irland.

Aus dem Falstaff Magazin Nr. 02/2017.

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