Tischgespräch mit Charles Aznavour

© Nicolas Aznavour

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FALSTAFF Sehr verehrter Herr Aznavour – oder wie man in Ihrer armenischen Landessprache sagen würde: »Schad sireli Baron Aznavour« –, Ihre Eltern waren Armenier. Wie weit spielte Ihre Herkunft beim Essen und Trinken noch eine Rolle, als Sie in Paris aufwuchsen?

CHARLES AZNAVOUR Mein Großvater war einst ein berühmter Koch und Küchenchef. Meinem Vater und meiner Mutter wurde das Zubereiten von Speisen sozusagen in die Wiege gelegt. Beide kochten grandios. Und das ergab eine Mischung aus armenischer, russicher, georgischer und türkischer Küche, die es bei uns zu Hause zu essen gab.

Welche kulinarische Kindheitserinnerung haben Sie im Speziellen?

Farbenfrohe Tische, vollgeräumt mit vielen Schüsseln und Speisen, die dazu da waren, Freunde und Familie glücklich zu machen. Meine Familie eröffnete später ein kleines Restaurant. Leider war mein Vater ein besserer Koch als Geschäftsmann. Er fütterte junge Studenten, die kein Geld hatten, und lud sie immer ein. Ein großes Herz, aber kein Sinn für Kaufmännisches.

Sie betonen, dass Sie sich noch gut an Ihre Jugend im Paris der 1920er- und 30er-Jahre erinnern können. Heute ist Paris ein Schlaraffenland für Genussmenschen. Auch für Sie?  

Ich finde, dass die französische Küche – noch immer – die beste der Welt ist. Ich liebe sie, auch weil sie über die Jahrzehnte, ja über Jahrhunderte einfallsreich geblieben ist.

Wie halten Sie es mit Brot?

Ein frisches Baguette zum Frühstück muss sein. Es gibt nichts Besseres! Aber ich liebe auch orientalisches Lavash-Brot. Das ist ein ungesäuertes Fladenbrot und wird lediglich aus Mehl, Wasser und Salz gemacht. In Armenien ist es das Brot, das am meisten gegessen wird. Übrigens: Das trockene Lavash findet als Hostie in der armenischen Kirche Verwendung.

Sie sind um die Welt gereist. Welche kulinarischen Erfahrungen sind Ihnen über die Jahre in Erinnerung geblieben?

Jedes Land hielt kulinarische Highlights für mich bereit: Pasta e fagioli in Italien, Pastrami-Sandwiches in New York, Teppanyaki und Sushi in Japan, Borschtsch und Piroschki in Russland, Dolmas in Armenien … und vieles, vieles mehr.

Und was vermissen Sie auf Reisen?

Meine Familie.

Zur Person

Er sei nicht alt, nur betagt. Das sagte die 93-jährige Chanson-Legende noch im November vergangenen Jahres, kurz vor der anstehenden Europa-Tournee. Der gebürtige Franzose zählt zu den prominentesten Armeniern weltweit. 2008 wurde ihm aufgrund seines stetigen Engagements für Armenien die armenische Staatsbürgerschaft verliehen.

ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 02/2018
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