Tischgespräch mit Anna Netrebko

© Vladimir Shirokov

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FALSTAFF Welche kulinarischen Erinnerungen haben Sie an Ihre Kindheit?

ANNA NETREBKO Ich bin ja noch in der Sowjetunion aufgewachsen, und zu dieser Zeit hat niemand in Restaurants gegessen, statt­dessen wurde zu Hause gekocht. In der Tat war es verpönt, wenn die Mutter einer Familie nicht kochen konnte. Meine Mutter hat jede Mahlzeit gekocht, vom Frühstück über das Mittagessen bis hin zum Abendessen und später einen »Gute Nacht«-Tee. Generell hatte ich eine sehr glück­liche Kindheit, in der Essen eine wichtige Rolle spielte. Meine ­Mutter und Großmutter haben gemeinsam die traditionelle russische Küche hochleben lassen. Es gab alles: von Borschtsch und Pelmeni bis hin zu Torten und Keksen.

Sie sind viel in der Welt unterwegs. Welche Küche schätzen Sie am meisten?

Zum Glück bin ich nicht wählerisch und liebe jede Küche, egal ob italie­nisch oder japanisch. Das Wichtigste für mich ist Abwechslung! Zwei Wochen nur japanisches Essen, das wäre nichts für mich. Ich liebe die ­Va­­riation: ein ausgewogener Mix ­aus Fleisch und Gemüse, nicht zu viel Zucker oder fettiges Essen, Salate. Wie gesagt, ich schätze alle Küchen der Welt und esse gerne von jeder etwas.

Sie kochen ja auch selbst gerne. Muss es schnell gehen oder soll es für Wow-Effekte sorgen?

Oh ja, ich liebe es zu kochen. Entweder koche ich etwas Schnelles und Leichtes, ohne viel vorzubereiten, oder ich koche etwas Deftigeres für Freunde. Dann gibt es Schweinsbraten oder Truthahn mit verschiedenen russischen Salaten. Generell kann ich viele Sachen kochen, aber in der Regel geht es bei mir in der Küche schnell und einfach.

Wein oder Champagner? Worauf ­möchten Sie nicht verzichten müssen?

Für mich gehört zu einer Mahlzeit ein gutes Glas Wein beziehungsweise Alkohol dazu, sonst wäre das Leben doch viel zu langweilig! Wasser zu einer Mahlzeit? Das geht für mich gar nicht. Saft und Tee gibt es am Nachmittag – und abends ein Glas Wein oder vielleicht auch zwei …

Bühne und Essen: Gibt es spezielle Regeln, an die Sie sich als Sängerin vor einem Auftritt halten müssen?

Natürlich, vor einer Aufführung muss man sehr vorsichtig sein, was man isst, und vor allem sollte es nicht zu schwer im Magen liegen. Da ich meist große Repertoires singe, esse ich proteinreiche Kost, um gut durch die Aufführung zu kommen. Oder es gibt etwas Leichtes, wie ein einfaches ­Pasta-Gericht – aber stets ohne Zwiebel oder Knoblauch und nichts Scharfes. Egal, was ich esse: Hauptsache, es ist ein einfaches, ehrliches Essen.

Mit welchem Gericht kann man Ihnen die meiste Freude machen – und womit kann man Sie verjagen? 

Ein italienischer Panettone zaubert ein breites Lächeln auf mein Gesicht. Ich weiß, man sollte ihn nicht zu oft essen, aber er ist einfach zu gut. Dagegen versuche ich, Schweinefett so gut es geht zu vermeiden. Und Spinat kann ich absolut nicht ausstehen.

Zur Person

Die 46-jährige russische Sängerin gehört seit ihrem Debüt als ­Donna Anna bei den Salzburger Festspielen 2002 zu den berühmtesten Künstlerinnen ihrer Generation. Sie hat am St. Petersburger Konservatorium studiert und seither in den bedeutendsten Opern- und Konzerthäusern rund um die Welt gesungen. Sie debütierte 2003 als Violetta an der Wiener Staatsoper und eröffnete 2007 den Opernball. 2018 wird sie bei den Salzburger Festspielen an einem Arienabend zu hören sein.

ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 04/2018
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