Tim Raue kocht für »Pure Delight«

Tim Raue im Wiener Shop am Bauernmarkt Nr. 9

© Falstaff/Degen

Tim Raue im Wiener Shop am Bauernmarkt Nr. 9

© Falstaff/Degen

»Ich habe mich früher gar nicht gut ernährt. Bis zu 36 Hot-Wings von Kentucky Fried Chicken habe ich in mich hineingestopft.« Der gefeierte Starkoch Tim Raue erzählt im Gespräch mit Falstaff von seinen früheren Ernährungsgewohnheiten. Trotz seiner raffinierten Küche auf höchstem Niveau hat sich der Berliner oft aus Zeitmangel und ambivalenten Bedürfnissen mit Junk Food eingedeckt. Raue ist der zur Zeit wohl gefragteste Koch im deutschsprachigen Raum, er betreibt und betreut 13 Restaurants und hält sich manchmal mehr in TV-Studios auf als in seinen Küchen. Zum Beispiel, wenn er mit Koch-Kollege Tim Mälzer in Hamburg an der neuen Show »Knife Fight Club« arbeitet. Das neue Format wurde eben gedreht und startet im April. Um sein neuestes Projekt, sein Engagement für »Pure Delight«, vorzustellen kam er am 7. Februar nach Wien.

»Pure Delight« bietet einen alternativen und gesunden Ernährungsansatz. Einerseits kann man mit ausgeklügelten Saft-Kuren unmittelbar abnehmen, andererseits kann man mit zugestellten Paketen seine Ernährung komplett umstellen. Vom Frühstück bis zum Abendessen wird der komplette Tagesbedarf gedeckt. Die veganen Menüs sind von Köchen und Ernährungswissenschaftern zusammen gestellt, die Gerichte müssen nur noch aufgewärmt werden. Um die Attraktivität zu erhöhen, konnten nun zwei absolute Starköche für die Weiterentwicklung verpflichtet werden. In Frankreich ist das Thierry Marx, in Deutschland und Österreich hat sich Tim Raue an die herausfordernde Aufgabe gemacht, gesunde und vegane Gerichte zu entwickeln.

Umdenken

»Mir wurde das untergeschoben«, beschreibt Raue seinen ersten Berührungspunkt mit »Pure Delight«. Er war auf Anhieb von der Idee überzeugt und hat die Menüs gleich selbst getestet. Seit Oktober hat er damit fünf Kilo abgenommen, »reines Bauchfett«, sagt Raue. Ihm ist es aber nie um Abnehmen gegangen, an erster Stelle steht immer der Geschmack, das Spiel aus Süße, Säure und Schärfe. »Da haben wir schon umdenken müssen«, sagt Raue. »Die Richtlinien von ›Pure Delight‹ sind sehr streng, wir konnten nicht einfach bestehende Rezepte weitergeben. Ich habe das am Anfang unterschätzt, ich dachte mir, dass wir in einer Woche fertig sind – im Endeffekt haben wir dann aber zwei Monate an den ersten Rezepten getüftelt.« Das Umdenken hat aber schon früher begonnen. 

»Wer in der Küche das vegetarische Menü zubereiten musste, war immer der Doofe.«

Doch der Stellenwert hat sich mittlerweile verschoben, die Zutaten werden immer hochwertiger und mittlerweile bekommen auch vegetarische Restaurants höchste Weihen von den Restaurantguides. Raue schätzt mittlerweile die Herausforderung, vegan bzw. vegetarisch zu kochen und weitet den neuen Anspruch auch auf andere Bereiche aus. Die Gerichte bekamen mehr Dichte und mehr Körper, deshalb wurde im Restaurant »Tim Raue« in Berlin die Weinbegleitung entsprechend angepasst.

Umtriebig

Tim Raue betont, dass er trotz der vielen Projekte, die er im Moment am Laufen hat, seine Hauptaufmerksamkeit seinem nach ihm benannten Restaurant in Berlin widmet. Das Engagement für »Pure Delight« sei keineswegs mit großen finanziellen Erwartungen verbunden, es handle sich vielmehr um eine herausfordernde »Spielerei«. Dennoch ist der Deutsche von der Idee begeistert und denkt schon einen Schritt weiter, denn Hotels mit Spa-Schwerpunkt könnten von den entwickelten Gerichten und gemachten Erfahrungen profitieren.

Auf welche künftigen Projekte von Raue man sich freuen darf, beantwortet der charismatische Spitzenkoch nicht ganz überzeugend: »Es ist kein weiteres Wachstum geplant, jetzt muss sich einmal alles konsolidieren.« Er fügt aber augenzwinkernd hinzu: »Das habe ich letztes Jahr auch schon gesagt und dann kam das Angebot mit Sylt (Falstaff hat berichtet). Derartiges kann ich aber nur annehmen, wenn ich geeignete Menschen im Umfeld habe und bei Sylt war das perfekt, da konnte ich nicht nein sagen.«

Ein kulinarischer Tagesablauf von Tim Raue.
Ein kulinarischer Tagesablauf von Tim Raue.

© Falstaff/Degen

Umfangreich

In den Pure Delight-Küchen wird jeden Tag frisch gekocht. Die Wiener und Münchner haben das Privileg, dass es auch einen eigenen Shop gibt, an dem die Gericht geholt werden können. Die Grundidee ist aber, dass die Menüs zugestellt werden. Der Vielflieger Tim Raue genießt diesen Service auch auf Reisen, die Pakete werden flexibel auch in Hotels in Österreich und Deutschland geliefert. Das Angebot umfasst Saftkuren, mit denen man kurzfristig abnehmen kann, zielt aber auf eine Ernährungsumstellung ab. Es soll nicht gehungert werden, man soll sich gesund und ausgewogen ernähren: Fettreduziert, nur mit natürlichen Inhaltsstoffen, vegan, glutenfrei.

Das von Tim Raue zusammengestellte Tagesmenü umfasst drei vegane Gerichte, eine Suppe bzw. einen Eintopf, einen Frucht-/Gemüsesaft sowie einen Snack täglich. Das Rundum-Paket samt Zustellung kommt für fünf Tage auf 325 Euro. Das für die Presse zur Verfügung gestellte Tagesprogramm umfasste folgende Gerichte:

  • Frühstück: Porridge mit Johannisbeere und Haselnuss
  • Lunch: Kürbissuppe mit Garam Masala und Mandarine, Kopfsalat mit Pak Choi und Yuzu Bernaise
  • Dinner: Gebackene Rote Bete mit weißer Zwiebelcreme und Himbeer-Vinaigrette
  • Snack: Cashewnüsse mit asiatischer Würzung
  • Juice: Apfel- und Zitronensaft-Drink

Wie man es von Tim Raue nicht anders erwarten durfte sind die einzelnen geschmacklichen Komponenten raffiniert kombiniert. Die Portionsgrößen sind mehr als reichlich und mit dem Baukastensystem, bei dem einzelne Zutaten als Beigabe abgepackt sind, kann man die Gerichte selbst optisch ansprechend finalisieren.

www.pure-delight.at
www.pure-delight.de

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