Teppich-Couture

Jan Kath beim LIVING-Shooting  im Teppich-Palais Szechenyi  in der Wiener City. Trotz großen Erfolgs ist  der Designer bescheiden geblieben.

© Fotos: Ian Ehm, Produktion: Florence Wibowo

Jan Kath beim LIVING-Shooting  im Teppich-Palais Szechenyi  in der Wiener City. Trotz großen Erfolgs ist  der Designer bescheiden geblieben.

© Fotos: Ian Ehm, Produktion: Florence Wibowo

Der Designer bei der Arbeit. Auch wenn es auf den ersten Blick gar nicht so aussieht: Er wirkt etwas nachdenklich, mustert genau seine Werke, die vor ihm gestappelt zu einem imposanten Teppichturm geschlichtet sind. Jan Kath, der die beinahe schon totgesagte Teppichwelt mit seinen neuen, innovativen Kreationen revolutionierte, kann zufrieden sein. In der dritten Generation führt der 45-jährige gebürtige Deutsche aus Bochum – heute mit seiner eigenen Marke – das Familien-unternehmen weiter in die Zukunft. Jung begonnen, mit einer unvergleichlichen Zielstrebigkeit und viel Mut für nicht Alltägliches, weiß der mit etlichen internationalen Awards gekürte Kreateur, worauf es in der Branche ankommt. Sich abheben, Neues ausprobieren, Trends setzen und dabei immer auf höchster Qualität beharren – lautet seine Devise, die ihm auf der ganzen Welt Erfolg und Respekt einbrachte.

»Als ich vor 25 Jahren begonnen habe, waren Teppiche out und uncool. Der Teppich hat keine Rolle im Interior-Bereich gespielt, es herrschte schon fast eine Antistimmung.«
Jan Kath über das anfängliche Teppich-Image

Es gibt wohl keinen Markt, der nicht mit Jan-Kath-Teppichen bespielt wird – von den USA und Kanada über Asien bis ganz Europa. Man besitzt einen Showroom in New York und eigene Kath-Stores in Miami, Vancouver oder Berlin und Hamburg. Weiters besiegeln Verträge mit unzähligen Handelspartnern (wie in Österreich mit dem Familienunternehmen Rahimi & Rahimi in Wien) die Produktnachfrage.

Jan Kath beim LIVING-Shooting  im Teppich-Palais Szechenyi  in der Wiener City.

© Fotos: Ian Ehm, Produktion: Florence Wibowo

Wüstenblume: Erdfarbene Teppichkreation aus der Kollektion »Erased Heritage« aus Wolle und Seide. jan-kath.de

Foto beigestellt

Seit dem Start vor 25 Jahren arbeiten heute rund 2500 Knüpfer für den Teppichmacher. Zwischen 100 und 450 Knoten kommen auf 6,45 Quadratzentimeter (ein Quadrat-Inch). Während die Kreativwürfe am PC in Bochum entstehen und online in die Manufakturen in Nepal, Thailand, Indien oder Marokko übermittelt werden, setzt man bei der Fertigung auf Altbewährtes. Nach jahrhundertealten Traditionen wird in familiengeführten Werkstätten im Himalaja, in Agra, der alten Mogul-Hauptstadt Indiens, oder im Atlasgebirge Marokkos nach wie vor per Hand geknüpft. Die oberste Prämisse: Individualität für den Kunden, ein perfektes Service wie pünktliche Lieferung. Das gefällt und bringt eine vermögende Klientel: Arabische Königshäuser, Ex-US-Präsidenten, gefragte französische Fashionlabels und renommierte Brands aus dem Interieur-Bereich – um nur einige aus dem prominenten Kundenstock zu nennen – stehen mit ihren Aufträgen Schlange.

LIVING traf den Teppich-Couturier bei Rahimi & Rahimi in Wien zum Interview und staunte nicht schlecht über die Antriebskraft für eine große Karriere.

Das Interview in Wien

LIVING-Chefredakteurin Angelika Rosam traf Jan Kath zum Gespräch über seinen Werdegang und seine beachtliche Karriere, die im Ruhrpott begann. 

© Fotos: Ian Ehm, Produktion: Florence Wibowo

LIVING: Wie sitzt es sich so auf einem so großen Stapel eigener Teppiche?
Jan Kath: Doch eigentlich sehr gut. Es sieht richtig cool aus.

Hier liegen tatsächlich sehr viele Kunstwerke. Traditionelle Elemente treffen auf Contemporary Design. Dabei werfen Sie auch strenge Gestaltungsregeln über Bord. Sie haben fraglos die Teppichwelt revolutioniert.
Als ich vor 25 Jahren begonnen habe, mich mit dem Teppichdesign in dieser noch kleinen, überschaubaren Industrie zu beschäftigen, ist es uns tatsächlich gelungen, den Teppich neu zu erfinden. Man muss sich vorstellen, dass Teppiche damals völlig out und ex-trem uncool waren. Der Teppich hat keine Rolle im Interior-Bereich gespielt, und es herrschte schon fast eine Antistimmung.

Aber Sie haben es geschafft, das eher negative Image zu drehen!
Das geschah nicht von heute auf morgen. Es war ein langer Weg. Nach dem Zivildienst, also sehr jung, bin ich nach Indien gegangen, dann hat es mich nach Kathmandu, Nepal, verschlagen. Dort habe ich zufällig einen Lieferanten meiner Eltern getroffen, der dort eine Teppichwerkstatt betrieben hat und mich bat, für ihn vor Ort die Qualitätskontrolle zu übernehmen. Ich habe die Chance gewittert und schließlich nach einiger Zeit den Betrieb übernommen. Allerdings habe ich mich damals mehr um die technischen und organisatorischen Abläufe gekümmert und musste sehr schnell feststellen, dass ich ja eigentlich gar kein Designer bin. Mein Vater hatte mir mit 22 bereits meinen Erbteil ausbezahlt, aber die Kosten für den Betrieb waren hoch, und ich konnte mir keinen ­Designer mehr leisten.

So haben Sie selbst Hand angelegt?

Genau. Ich war viel unterwegs. In Indien, in Tibet, der Mongolei. Die unterschiedlichen Kulturen haben fraglos meine Inspiration beflügelt. Dennoch hat es eigentlich fast zehn Jahre gedauert, bevor ich meine eigene Handschrift gefunden habe. Ich habe in mich gehört und mich gefragt: »Was finde ich cool?« So sind dann die Ideen gekommen, auch die Ideen der Überlagerung, des Weg­rasierens. Und dann gab es natürlich eine Periode von vielen Kollektionen, die sehr unterschiedlich sind. Die Tradition spielte dabei immer eine Rolle, auch wenn die Teppiche letztendlich eine moderne Note tragen.

»Der Teppich ist für mich ein Gebrauchsgegenstand, auf dem das Leben tat-sächlich stattfinden soll.«
 
Jan Kath über die Wertigkeit des Teppichs

Woher nimmt man so viele unterschiedliche Ideen?
Ich bin wie ein Schwamm. Ohne dass ich es wirklich will, sauge ich Dinge auf. Inspira­tion funktioniert für mich so, dass ich mit offenen Augen durchs Leben gehe. Auch habe ich das Gefühl entwickelt, Bewegungen und Richtungen zu erkennen. Und vielleicht bin ich mittlerweile auch in der Position, Trends selber zu setzen.

Was macht Ihr Teppich-Design so speziell?
Ich glaube, da spielen verschiedene Faktoren mit. Zum einen ist da der Hip-Faktor. Uns ist es gelungen, eine Marke zu kreieren, die auch Luxus vermittelt und Begehrlichkeiten weckt. Und das Phänomen, dass man eigentlich nicht mehr damit leben will, was Generationen vor uns schon durchexerziert haben, hat in vielen Kulturen eine große Bedeutung. Man muss natürlich auch Glück haben und zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtigen Leute treffen.

Wie viele Kaths liegen eigentlich bei Ihnen zu Hause?
Kein einziger. Nicht weil ich ihn nicht toll finde, aber ich brauche abends nach der Arbeit immer ein wenig Abstand vom Tagesgeschehen. Ich lebe in meiner Wohnung über dem Studio, über mein Wohnzimmer blicke ich direkt in den Showroom. Da sehe ich meine Teppiche, wann immer ich will.

Wie sind Sie sonst eingerichtet? Wie ist Ihr persönlicher Einrichtungsstil?
Ich versuche, so wenig wie möglich mit Ballast zu leben, daher ist meine Einrichtung sehr modern, sehr reduziert. Statt Teppichen habe ich Betonböden. Ich brauche nicht viel, ich bin eher ein bescheidener Mensch. Denn weniger ist für mich mehr.

Wie würden Sie den Gegenstand Teppich charakterisieren? Fällt er unter Accessoire oder Decorstück?
Der Teppich soll toll gestaltet sein, eine tolle Ausstrahlung haben. Gleichzeitig soll man sich mit dem Stück wohlfühlen. Aber, um konkret zu werden: Ein Teppich ist für mich ein Gebrauchsgegenstand, auf dem das Leben tatsächlich wie auf einer Wohninsel stattfinden und passieren soll.

Teppichgalerie: Kath Store und Galerie in Berlin-Mitte. Wie Gemälde hängen die Teppichkunstwerke hier an den Wänden.  

Foto beigestellt

Kann man einen Teppich auch falsch legen?
Durchaus. Zunächst ist es einmal wichtig zu wissen, dass ein Teppich eine helle und eine dunkle Seite hat. Man bespielt mit einem Teppich eine ganze Dimension im Raum, und oft wird dabei unterschätzt, dass sich damit der ganze Raumcharakter ändert. Deshalb habe ich auch die Jan-Kath-App erfunden. Diese dient nicht zum Verkauf, sondern man kann sich mittels Foto von dem gewünschten Raum, das auf die App gespielt wird, die möglichen Platzierungen des Teppichs präsentieren lassen.

Ein wunderbares Luxus-Tool für jeden Teppichkäufer. Was bedeutet Luxus für Sie persönlich?Meine eigenen Entscheidungen treffen zu können. Es ist ein Privileg, sein eigener Herr sein zu dürfen. Ich bin jetzt Mitte 40 – selbst wenn heute alles vorbei wäre, wäre ich glücklich, dieses Leben gelebt zu haben.

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