Sweet Art

Sophia Stolz ist Österreichs Aushängeschild, wenn es um zuckersüße Kunstwerke geht. Inhaltlich ist bei der Wienerin alles möglich. Ihre Kunden sind glücklich. cakeporntime.com

© Vicky Heiler

Sophia Stolz ist Österreichs Aushängeschild, wenn es um zuckersüße Kunstwerke geht. Inhaltlich ist bei der Wienerin alles möglich. Ihre Kunden sind glücklich. cakeporntime.com

© Vicky Heiler

Alles voller Zucker und Schokolade. Das ist ihr Reich. Zwischen Mehl, aufgeschlagenen Eiern und bunten Tortenformen flitzt Sophia Stolz hin und her. Der Ofen glüht, und hinten lauert schon die Tortenverzierung – eine Madonna aus Plastik, ein Mitbringsel vom letzten Trip nach Las Vegas. Ihre Kreationen sind süß und verrückt wie sie selbst – und mittlerweile heiß begehrt. Die einen nennen es »Cake Art«, Sophia Stolz sagt »Cake Porn«.Eine »geile« Sache ist es allemal: Selbstgemachte Creme aus piemontesischen Haselnüssen oder feinster Erdbeerschaum – bis zu acht Schichten zählt ein süßes Meisterwerk der österreichischen Cake-Queen. Alles feinste Ware, Bio-Qualität. 

»Es geht immer um das Erlebnis und um die Geschichte, die ein Kunstwerk erzählt. Und was kann es Besseres geben als Kunst, die essbar ist. Somit sind wirklich alle Sinne bedient.«
Sophia Stolz Back-Künstlerin 

Ironie ist eigentlich nicht etwas, das man sich bei Kuchen erwartet. Sophia Stolz schafft auch diesen Back-Spagat, wenn sie Torten und Zahnprobleme thematisiert.

Foto beigestellt



Zum Kunstobjekt werden die Torten aber erst durch die finale Draufgabe. »Ich lasse mich da durch meine Kunden inspirieren, so bekommt jede Torte ihren ganz individuellen und persönlichen Touch«, erzählt die Tortenkünstlerin. Mal setzt sie neben allerlei anderem Krimskrams eine Medikamenten-schachtel und eine Spritze an die Spitze ihres Backwerks, mal ein Phallus-Symbol. »Es darf gerne auch dirty sein. Ich mag es, wenn meine Kunden nervös werden«, lacht sie. Ein Polaroid-Foto mit Seriennummer hält das vergängliche Kunstwerk für die Ewigkeit fest. Der Krimskrams bleibt als Andenken.
Wie jeder Künstler liebt auch Sophia Stolz die Reaktion des Publikums auf ihre Werke. Damit fügt sich die junge Wienerin in die Riege jener Zuckerbäcker, denen es längst zu wenig ist, allein die gierigen Gaumen ihrer Fans zu bedienen. Von New York bis Paris versüßt der neue Trend den Lifestyle der urbanen Naschkatzen: die Verschmelzung von Süßem mit Kunst.

Süßer Rubik-Würfel

In New York stehen sie bei Dominique Ansel, dem Erfinder der berühmten Cronuts, noch immer täglich Schlange, um an den begehrten Stoff zu kommen. Schneller geht es über seine Online-Boutique, die die Meisterwerke in Geschmack und Design wie »Pineapple Pear Tart« oder der »Matcha Mousse Cake« zum Bestellen für zu Hause bereithält. In Paris ist es Cedric Grolet, Patissier-Ikone in Diensten von Alain-Ducasse im Luxushotel »Le ­Meurice«, der mit seinen Kreationen sowohl Gourmet- als auch Kunstkritiker begeistert. Sein Rubik-Würfel gilt gemeinhin als legendär: ein buntes Puzzle aus den unterschiedlichsten Aromen von Zitrone, Passionsfrucht, Schokolade bis hin zu ­Pistazie, Erdbeere, Apfel und Veilchen –perfekt ausbalanciert, eine unglaubliche Harmonie für das Auge und den Gaumen.

»Es geht immer um das Erlebnis und um die Geschichte, die ein Kunstwerk erzählt. Und was kann es Besseres geben als Kunst, die essbar ist. Somit sind wirklich alle Sinne bedient«, sagt Sophia Stolz und erinnert an den britischen Drei-Sterne-Koch Heston Blumenthal, der einst ein lebensgroßes Lebkuchenhaus voller süßer Versuchungen erschuf. Eine faszinierende Parallelwelt aus Zucker, in der Erwachsene zu Kindern werden. 

Es sind genau diese »verrückten« Visio­näre wie Blumenthal, die immer wieder für neue Überraschungen sorgen und in jüngster Vergangenheit die Welt der Patisserie aufgewirbelt haben. Wie auch die beiden Künstler Baker’s Son und Scott Hove, die zuletzt die »Think Tank ­Gallery« in Los Angeles auf 7500 Quadratmetern in ein einziges Schloss aus Kuchen und Torten verwandelt haben, ein Kunstwerk aus Zucker, das sich bis unter die Decke erstreckte.

»Ich will mit meinen Torten ins Museum«, sagt Sophia Stolz. Und das ist gar nicht einmal so weit hergeholt. Im vergangenen ­September waren ihre Werke bei der »Parallel Vienna« zu sehen, einer alternativen Messe für zeitgenössische Kunst. Noch backt sie ihre Kunstwerke in den eigenen vier Wänden. Eine eigene Bäckerei? »Niemals«, sagt sie. »Ich bin eine One-Woman-Show, die ihre Back-Orgien ganz alleine durchzieht. Wir werden sehen, in welche Cake-Sphären ich noch abhebe.«

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