Superyacht-Charter: Urlauben wie ein Scheich

Die »Lana» ist einer der jüngsten Neuzugänge im Feld der mietbaren Superyachten.

© Imperial Yachts / Jeff Brown

Die »Lana» ist einer der jüngsten Neuzugänge im Feld der mietbaren Superyachten.

Die »Lana» ist einer der jüngsten Neuzugänge im Feld der mietbaren Superyachten.

© Imperial Yachts / Jeff Brown

http://www.falstaff.de/nd/superyacht-charter-urlauben-wie-ein-scheich/ Superyacht-Charter: Urlauben wie ein Scheich Nicht jede Mega-Yacht dient nur ihren vermögenden Besitzern, manche können auch gemietet werden. Das ist zwar nicht billig – man bekommt aber auch einiges geboten für sein Geld. http://www.falstaff.de/fileadmin/_processed_/5/5/csm__Lana-ImperialYachts-c-Imperial-Yachts-Jeff-Brown_1660e0dd4d.jpg

Vermutlich meldet sich auch bei Milliardären irgendwann einmal das Gewissen – oder zumindest der Steuerberater – und meint, dass es nicht die beste Idee sei, die eigene Luxusyacht monatelang ungenutzt im Hafen von Monaco oder Marbella vor sich hindümpeln zu lassen. Was liegt also näher, als auch andere an seinem Glück teilhaben zu lassen – gegen entsprechendes Bargeld natürlich, versteht sich. Und so hat sich in den vergangenen Jahren eine Charter-Szene für Mega-Yachten etabliert, wie man sie sonst nur in Hollywoodfilmen oder als Bildfüller beim Grand Prix von Monte Carlo zu Gesicht bekommt.

Und egal, was man sich schon immer gewünscht hat für die schönsten Wochen des Jahres – Spa- und Wellnessbereich, Home-Cinema, eine umfangreiche Tauch- und Wassersportausrüstung oder auch ein Helikopterlandeplatz auf dem Oberdeck: In der Liga der Mega-Yachten ist heute so gut wie alles an Luxus auch zur Miete zu haben. Als Maß aller Dinge gilt in der Superyacht-Charterbranche aktuell die 136 Meter lange »Flying Fox« – gebaut bei der deutschen Lürssen Werft und 2019 vom Stapel gelassen. Um die 25 Gäste kümmern sich 55 Crew-Mitglieder, für eine Woche sollte man drei Millionen Euro als Chartergebühr einkalkulieren. Alle elf Gästekabinen sind mit privaten Terrassen mit Ozean-Blick ausgestattet. Als Highlights gelten der Zwölf-Meter-Pool am Hauptdeck sowie ein zweistöckiger Spa-Bereich auf 400 Quadratmetern.

Mit 107 Metern immer noch deutlich über der magischen 100er-Grenze liegt einer der jüngsten Zugänge in der High-End­-Charterbranche. Von der im Jahr 1873 gegründeten Benetti-Werft entwickelt und gebaut, bietet die Giga-Yacht »Lana« allen erdenklichen Luxus in zeitlosem italienischem Design. Die acht Gästekabinen teilen sich in eine Master Suite und sieben VIP-Suiten, jeweils in einem eigenen Design- und Farbschema realisiert, um die Einzigartigkeit der beherbergten Gäste zu unterstreichen. Als herausragend gelten der mit Hammam und Massageräumlichkeiten auf Basis einer ausfahrbaren Terrasse aufgebaute Beach Club sowie die in Holz ausgeführten Tender mit 14 beziehungsweise neun Metern Länge. 

© Imperial Yachts / Jeff Brown

Geschichte erleben

Natürlich gibt es – fast – alles an technischem Schnick-Schnack auch bei der »Christina O.« an Bord. Dafür sorgten die umfangreichen Refit-Arbeiten in den Jahren 2016 bis 2018. Auch in der letzten Saison wurden noch Arbeiten an der 99 Meter großen Motoryacht aus dem Hause Onassis durchgeführt. Doch die wahren Abenteuer auf dieser prestigeträchtigen und mit Geschichte voll aufgeladenen Motoryacht spielen sich im Kopf ab. 1948 kaufte Reeder-Legende Aristoteles Onassis die ehemalige Fregatte für eine Handvoll Dollar und ließ sie für einige Millionen nach seinen Vorstellungen adaptieren.

Grace Kelly heiratete Rainier III. an Bord der »Christina O«, neben Liz Taylor, Greta Garbo, Frank Sinatra und John F. Kennedy waren im Laufe der Jahre auch Marilyn Monroe, der Aga Khan und John Wayne zu Gast. In ihrem jetzigen Leben als mietbares schwimmendes Monument gehörten unter anderem Madonna, Donatella Versace, Tommy Hilfiger und Paul McCartney zu den »Kunden«. Dazu eignet sich die Yacht besonders auch für größere Gruppen: Bis zu 157 Personen dürfen an Bord sein, auch in Bewegung. Let’s shake!

Unter Segel

Wer sich lieber mit der Kraft des Windes über die Ozeane bewegt, spart gleich doppelt. Denn die Charterpreise der größten Segelyachten bewegen sich von einer knappen halben Million Euro abwärts. Spielt der Wind mit, erspart sich der betuchte Mieter auch noch einiges an Treibstoffkosten und sammelt Pluspunkte für den persönlichen ökologischen Fußabdruck. Herausragend, markant und eigentlich eine Ikone unter Segel ist dabei die 2006 gebaute »Maltese Falcon«.

Schon von Weitem erkennt man das einst größte Segelschiff der Welt an seinem Rigg. Zwar noch keineswegs in die Jahre gekommen, wurde die bei Perini Navi hergestellte Yacht in der letzten Saison einem umfangreichen Refit unterzogen. Der Dreimaster bringt es auf eine maximale Segelfläche von 2000 Quadratmetern. Die Segel sind dabei fix an den Masten verankert, für die richtige Segelstellung zum Wind werden die Masten entsprechend gedreht. Wem an Bord das hautnahe Segelerlebnis im Laufe des Törns zu fehlen beginnt, der kann neben den klassischen motorisierten Beibooten auch auf zwei Laser-Jollen zurückgreifen und selbst Hand an Steuer und Schot anlegen.

Fast alle Broker im Super-Yachtsegment operieren von Stützpunkten in Monaco, Russland oder den Emiraten aus. Doch es gibt auch die Möglichkeit, über österreichische Expertinnen und Experten die eine oder andere Mega-Yacht direkt zu chartern. Eine der Spezialistinnen darunter ist Eva Mayrhofer. Mit dem familieneigenen Unternehmen Mayer liefert sie als Generalimporteurin für Solaris-Yachten sozusagen die Einstiegsdroge in den Luxusyacht-Bereich. Zwar sind die italienischen Oberklasse-Segelyachten nicht zu mieten, aber in der Charterabteilung des Unternehmens finden sich trotzdem Angebote aus der Oberklasse. Für Segler bietet sich da ein Katamaran mit 80 Fuß (24,4 m) an, aufgrund der dem Typus eigenen Breite von mehr als elf Metern kommt man auf großzügige 340 Quadratmeter Wohnfläche. Unterstützt wird man von einer vierköpfigen Crew, der Ausgangspunkt ist das nahe Trogir in Kroatien. Dazu wird man bei Mayers auch in puncto Motoryachten und Gulets fündig.

Spartanischer Luxus

Es sind aber nicht immer die teuersten, größten und wertvollsten Dinge, die Luxus darstellen. In unseren Tagen ist für viele auch das Außergewöhnliche oder schwer bis nicht käufliche persönliche Erlebnis der wahre Luxus. Das kann durchaus mit dramatischen Entbehrungen verbunden sein, dafür aber auch mit einzigartigen Erlebnissen belohnt werden. Der Segel- und Yachtsport kann das auf besondere Art und Weise bieten. So kann man einige Rennyachten mit Kernmannschaft für »echte« Offshore-Regatten chartern. Man ist dann nicht nur Beifahrer, sondern Teil des – für das Fortkommen und den möglichen Erfolg erforderlichen – Teams. Jeder Handgriff zählt, real und in Echtzeit. Macht man Fehler, bezahlt das ganze Team.

Die Möglichkeiten beginnen bei prestigeträchtigen Regatten in der Karibik, gehen über Transatlantik-Rennen und enden in Europa beim Rolex Middle Sea Race oder dem Fastnet Race vor Englands Küste. Da Wind und Wetter keine Pause kennen und jedes Gramm Gewicht zählt, sind auch die Yachten darauf ausgerichtet: Kabinen sucht man vergebens, geschlafen wird in Hängekojen, an Essen und Süßwasser gibt es nur das Nötigste. Dafür geht es in echtem Renntempo und ohne Netz oder doppelten Boden über den Ozean – auch mit dem jungen österreichischen Team der »Sisi«, einem Renngerät der Klasse VO65.

Die knapp über 20 Meter lange Yacht segelte etwa schon den Volvo Ocean Race, Vorbereitungen für die nächste Weltumsegelung im Eilzugstempo laufen. Dafür gibt es zwar keine Chartermöglichkeit, doch – wie bei Milliardären mit schlechtem Gewissen, weil die ungenutzte Superyacht in Monaco Staub ansetzt – haben Nicht-Besitzer auch hier den Vorteil: »Sisi« muss vor Regatten meist von einem Hafen in einen anderen überstellt werden; Gäste mit Lust auf Adrenalin-Kicks sind dann willkommen.


Die größten Yachten der Welt

Die »Dilbar« von Oligarch Alischer Usmanow, 156 Meter lang, ist bereits das zweite Schiff mit diesem Namen. Die erste »Dilbar« mit 110 Metern Länge war dem Usbeken zu klein geworden.

Die »Dilbar« von Oligarch Alischer Usmanow, 156 Meter lang, ist bereits das zweite Schiff mit diesem Namen. Die erste »Dilbar« mit 110 Metern Länge war dem Usbeken zu klein geworden.

© Shutterstock

  1. »Rev Ocean«
    Stapellauf geplant für 2022: Mit dem 181,5 Meter langen Luxusschiff will der norwegische Fisch-Tycoon Kjell Inge Røkke allerdings auch die Erforschung der Meere vorantreiben.
     
  2. »Azzam«
    179,7 Meter lang und 48.000 PS stark. Chalifa bin Zayid Al Nahyan, Emir von Abu Dhabi und Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, ließ sie sich rund 549 Millionen Euro kostet.
     
  3. »Fulk al Salamah«
    Gehört offiziell der Marine des Oman. Die Autosammlung des Sultans (und vieles mehr) an Bord des 164 Meter langen Luxusschiffes legt allerdings anderes nahe.
     
  4. »Eclipse«
    Zwar nur die viertlängste (162,5 Meter), aber dafür die teuerste Yacht der Welt. Ausstattungsdetails wie U-Boot oder Raketenabwehr kosteten Eigentümer Roman Abramowitsch über eine Milliarde Euro.
     
  5. »Dubai«
    Auf acht Decks und 162 Metern Länge können sich bis zu 115 Gäste von Muhammad bin Raschid Al Maktum, dem Herrscher von Dubai, vergnügen. Ankert meist vor seiner Insel.
     
  6. »Dilbar«
    Vom usbekischen Oligarchen Alischer Usmanow nach seiner Mutter benannt. 156 Meter lang, darauf der weltgrößte schwimmende Swimming Pool.
     
  7. »Al Said«
    155 Meter bieten auch Platz für einen Konzertsaal für ein ganzes Symphonieorkester, wenn der Sultan von Oman einmal Livemusik hören möchte.
     
  8. »Prince Abdulaziz«
    Hier bringt das saudische Königshaus bis zu 64 Gäste unter. Mit 147,1 Metern noch bis 2006 das weltgrößte Schiff in Privateigentum.
     
  9. »A+«
    147 Meter lang – die vier Meter Vorsprung auf Platz 10 inspirierten Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan aus der Herrscherfamilie von Abu Dhabi bei der Namenswelt.
     
  10. »A«
    Die mit knapp 143 Metern Länge größte private Segelyacht der Welt hat sich Oligarch Andrej Melnitschenko um 390 Millionen Euro selbst zum Geschenk gemacht.

Rent a Luxusyacht

»Flying Fox«
Baujahr: 2019
Länge: 136 m
Kabinen: 11
Gäste: 25
Crew: 55
Reisegeschwindigkeit: 17 Knoten
Kosten / Woche: € 3.000.000,-
imperial-yachts.com

»Lana«
Baujahr: 2020
Länge: 107 m
Kabinen: 8
Gäste: 12
Crew: 33
Reisegeschwindigkeit: 16 Knoten
Kosten / Woche: € 1.800.000,-
imperial-yachts.com

»Christina O.«
Baujahr: 1943 / Refit 2020
Länge: 99 m
Kabinen: 17
Gäste: 34
Crew: 39
Reisegeschwindigkeit: 15 Knoten
Kosten / Woche: € 560.000,-
bluesun-luxury-yachts.com

»Ohana«
Baujahr: 2020
Länge: 48 m
Kabinen: 18
Gäste: 38
Crew: 8
Reisegeschwindigkeit: 112 Knoten
Kosten/Woche: € 50.000,-
mayer-yachten.com

Segel-Yachten zu chartern

»Maltese Falcon«
Baujahr: 2006 / Refit 2020
Länge: 88 m
Kabinen:  6
Gäste: 12
Crew: 19
Reisegeschwindigkeit: 14 Knoten
Kosten/Woche: € 460.000,-
imperial-yachts.com

»Prana« (Gulet)
Baujahr: 2018
Länge: 54,9 m
Kabinen: 8
Gäste: 16
Crew: 4
Reisegeschwindigkeit: bis 8 Knoten
Kosten/Woche: € 105.000,-
mayer-yachten.com

»Sunreef 80«
Baujahr: 2018
Länge: 24,4 m
Kabinen: 4
Gäste: 8
Crew: 4
Reisegeschwindigkeit: bis 10 Knoten
Kosten/Woche: € 88.000,-
mayer-yachten.com

»Sisi«
Baujahr: 2014
Länge: 20,37 m
Kabinen: keine
Gäste: bis 8
Crew: 4 bis 8
Reisegeschwindigkeit: bis 30 Knoten
Kosten/Woche: € 50.000,-
ocean-racing.at


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Falstaff Nr. 06/2021
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