Süßes Schlaferlebnis in Wiens Luxus-Hotels

»Ich möchte, dass sich der Gast bei uns wohl und geborgen fühlt. Der Platz des Bettes ist dafür essenziell.« Florian Weitzer, Eigentümer »Grand Ferdinand«

© Ian Ehm

»Ich möchte, dass sich der Gast bei uns wohl und geborgen fühlt. Der Platz des Bettes ist dafür essenziell.« Florian Weitzer, Eigentümer Grand Ferdinand

»Ich möchte, dass sich der Gast bei uns wohl und geborgen fühlt. Der Platz des Bettes ist dafür essenziell.« Florian Weitzer, Eigentümer »Grand Ferdinand«

© Ian Ehm

Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir mit Schlafen – zu Hause und anderswo. Und mit dem Aufschwung der Entschleunigung im immer schneller getakteten Alltag mag es nicht verwundern, dass das Bett auf dem direkten Weg zum Statussymbol Nummer eins im Wohnraum ist. Die Gestaltungsmöglichkeiten rund um das Schlaferlebnis sind in den vergangenen Jahren vielseitiger, raffinierter und vor allem luxuriöser geworden. Lifestyle-Ikone und Autorin Angelika Taschen hat jüngst in einem Interview »Schlafen« sogar zum »neuen Gold« erkoren.

Bilderstrecke: Schön gebettet

Süße Träume sollst du haben ... Im Falle unserer fünf getesteten fantastischen Modelle lautet das Fachurteil: Naturalmente!

Aber nicht nur zu Hause frönen wir dem wohlverdienten Müßiggang, sondern auch auf Reisen. Mindestens 14,3 Millionen Mal sind im letzten Jahr in Wien von Reise, Arbeit oder Sightseeing ermattete Häupter auf Hotel-Kissen gesunken, in der Hoffnung, erholsame Ruhe zu finden. Nicht umsonst also zählt das Schlaferlebnis bei Hotelbewertungen zu den wichtigsten Kriterien – so wichtig, dass Florian Weitzer regelmäßig selbst in seinen Häusern absteigt, um eine Nacht lang Probe zu liegen. Schon bei der Herstellung der Betten ist der Hotelier, der in Wien das »Grand Ferdinand« und das »Hotel Daniel« betreibt, begeistert bei der Sache. Schließlich werden für jedes seiner Häuser eigene Schlafstätten konzipiert. »Wir arbeiten mit Tischlern und Designern aus der Steiermark und Wien. Bei der Entstehung des Bettes gibt es bis zu fünf Testläufe, bis ich zufrieden bin. Besonders wichtig sind mir hochwertige Materialien und gutes Handwerk.«

Sind alle Kriterien erfüllt, bleibt Weitzer nur noch die Qual der Wahl – wo soll das fertige Bett nun stehen? Hier vertraut er seinem Bauchgefühl: »Das entscheide ich bei jedem Zimmer selbst. Es geht mir um die Atmosphäre in einem Raum. Ich möchte, dass sich der Gast bei uns wohl und geborgen fühlt. Der Platz des Bettes ist dafür essenziell.« Wohl auch in den eigenen vier Wänden. Privat kann er beim Schlafen zudem auf etwas ganz Wesentliches nicht verzichten: Die Garantie für eine gute Nacht ist seine Frau!

»Drei Komponenten bestimmen den Schlafkomfort: Ruhe, Temperatur und das Bett selbst.« Norbert Winkelmayer, Eigentümer »Sans Souci«, Wien
»Drei Komponenten bestimmen den Schlafkomfort: Ruhe, Temperatur und das Bett selbst.«
Norbert Winkelmayer, Eigentümer »Sans Souci«, Wien

© Ian Ehm

Was aber lässt nun Gäste erholsamen Schlaf finden? Drei Komponenten sind von Bedeutung: »Ruhe, Temperatur und das Bett selbst«, erklärt Norbert Winkelmayer, Eigentümer des Hotels »Sans Souci«. Während sich die ersten beiden Faktoren ganz gut steuern lassen, gibt es auf die Frage nach einem als komfortabel empfundenen Bett scheinbar unendlich viele Antworten. Die Unterschiede liegen vor allem in den Schlafkulturen, die maßgeblich durch unsere geografische Herkunft geprägt sind. »Das Spektrum reicht von Japanern, die zu Hause ihre für unsere Begriffe harten Futons auf den Tatami-Matten ausrollen, bis zu den Amerikanern, die ihre Boxspringbetten lieben. Gleiches gilt für die Bettware: Italiener und Spanier brauchen lange, harte Pölster. Nordeuropäer sind eher kleine Federkissen gewohnt. Bei den Decken ist es ähnlich«, beschreibt Winkelmayer den Spagat, den es im Hotel-Alltag zu vollziehen gilt.

Begegnet wird dem auf den ersten Blick unlösbar scheinenden Problem mit einer vielseitigen Ausstattung: Die 65 Betten im Haus, die von Treca und Vispring stammen, sind mit einem Ensemble versehen, das möglichst viele Vorlieben befriedigt. Ein Dreikammerkissen mit Kuschelfaktor und optimaler Stützkraft wird durch einen zusätzlichen harten Polster ergänzt, sodass hoffentlich alle Häupter sich zufrieden zur Ruhe betten. Ergänzt wird das Angebot bei Bedarf von einem sogenannten »Pillow Menu«, das in erstklassigen Häu­sern zum guten Ton gehört. Die Bettwäsche stammt aus der Lombardei – im italienischen Traditionshaus Rivolta Carmignani verwebt man seit knapp 150 Jahren hochwertige Baumwolle zu luxuriösen Bezügen.

Nur fünf Jahre jünger als die Weberei ist das »Sans Souci« selbst. Auf der Suche nach dem optimalen Schlafkomfort haben sich Norbert Winkelmayer und sein Team freilich auch mit der Historie des 1872 erbauten Hauses beschäftigt. Es blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück und hat einst als Lazarett sowie – während der Besatzungszeit – als US-amerikanisches Militärgericht fungiert. »Wir haben das Haus vor seiner Eröffnung ener­getisch gereinigt und es gemeinsam mit Bischofs­vikar Dariusz Schutzki feierlich eingeweiht«, erläutert Winkelmayer den Umgang mit Schwingungen aus vergangenen Tagen.

»Der Schlafraum ist zu einem Wohnraum geworden. Menschen nützen ihn mehr und mehr zum Verweilen.« Monique Dekker, General Manager Park Hyatt Vienna
»Der Schlafraum ist zu einem Wohnraum geworden. Menschen nützen ihn mehr und mehr zum Verweilen.« Monique Dekker, General Manager »Park Hyatt Vienna«

© Ian Ehm

Auch die Mauern, in denen das Luxus-Hotel »Park Hyatt« seit zwei Jahren seine Wiener Zelte aufgeschlagen hat, haben einiges erlebt. Zu k.u.k. Zeiten fand man hier noch das Hofkriegsratsgebäude, ab 1915 residierte die Zentrale der Länderbank an dieser prominenten Adresse. In den einstigen Kassenhallen promenieren und dinieren heute Gäste, genächtigt wird in den ehemaligen Büroräumlichkeiten. »Unser Haus hat 143 Zimmer und dabei 100 verschiedene Zimmertypen«, verrät »Park Hyatt«-Managerin Monique Dekker. »Ein altes Gebäude wie unseres verlangt dem Design viel ab.« Entsprechend dem internationalen Kundenstamm des Hauses setzt man bei den Matratzen auf ein Allroundgenie von Simmons, auch Naturmaterialien stehen bei der Niederländerin hoch im Kurs: nicht nur wegen der allergikerfreundlichen Komponente, sondern auch im Sinne der Nachhaltigkeit. Überhaupt müsse das Schlafzimmer heutzutage mehr offerieren können als früher, meint Dekker: »Der Schlafraum ist zu einem Wohnraum geworden. Menschen nützen ehemalige Rückzugsorte wie Schlaf- oder Badezimmer heute nicht mehr als rein funktionale Orte, sondern mehr zum Verweilen. Auf Details wie etwa einen schönen Schminktisch oder eine große Badewanne legen wir daher großen Wert. Und natürlich auf erstklassige Vorhänge, damit das Licht während der Schlafenszeit auch wirklich draußen bleibt.« Luxury is personal, heißt es im »Park Hyatt«. Was ist also Luxus für Sie, Frau Dekker? »Meine Tempur-Matratze. Und morgens ein Mal den Snooze-Button zu drücken, wenn der Wecker klingelt.«

Aus Falstaff LIVING 03/2016

Text: Luisa Siller 
Fotos: Ian Ehm  
Produktion: Florence Wibowo


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