Süsse Früchtchen: Konfitüren im Test

v.l.n.r.: Franz Keller (Koch und Autor), Yannick Scholl (Restaurantfachmann), Astrid Zieglmeier (Fachbereichsleiterin IHK Akademie München), Harald Scholl (Autor und Food-Journalist), Andreas Röhrich (Sommelier Broedings).

v.l.n.r.: Franz Keller (Koch und Autor), Yannick Scholl (Restaurantfachmann), Astrid Zieglmeier (Fachbereichsleiterin IHK Akademie München), Harald Scholl (Autor und Food-Journalist), Andreas Röhrich (Sommelier Broedings).

Ohne den kleinen Klacks Süße ist ein guter Start in den Tag kaum vorstellbar. Marmelade, Konfitüre und Fruchtaufstrich sind trotz Müsli und Smoothie immer noch die Nummer eins auf deutschen Frühstückstischen. Und der klare Favorit, wenn es darum geht Brötchen, Toast oder Holzofenbrot zu versüßen, sind sämtliche Varianten der Erdbeere. Jedes dritte in Deutschland verkaufte Glas Konfitüre trägt den Aufdruck »Erdbeere« – Grund genug, diesem Dauerbrenner auf den geschmacklichen Grund zu gehen.

Europäischer Obstsalat: Von Marmelade bis Fruchtaufstrich

Was landläufig unter dem Begriff »Marmelade« auf den Frühstückstisch kommt, ist laut Konfitürenverordnung von 1982 ausschließlich aus Zitrusfrüchten hergestellt. Werden Johannisbeeren, Himbeeren, Kirschen, Aprikosen, Pflaumen oder eben Erdbeeren verwendet, handelt es sich offiziell um Konfitüre. Eine Erdbeermarmelade kann es also im Handel gar nicht geben. Wohl aber Erdbeerkonfitüre. Mit 350 g (Konfitüre) oder 450 g Fruchtanteil (Konfitüre Extra) pro 1000 g Enderzeugnis ist sie am häufigsten im Handel anzutreffen.

Weit weniger sinnlich klingt der Begriff »Fruchtaufstrich«, der aber, man höre und staune, in der Regel einen höheren Fruchtanteil aufzuweisen hat. Bis zu siebzig Prozent pure Frucht können hierbei verarbeitet werden, der genaue Anteil der eingekochten Früchtchen wird aber bisher nicht verbindlich geregelt.

Allen Diätratgebern und Ernährungsmoden zum Trotz ist Konfitüre als morgendlicher Brotaufstrich weiterhin sehr beliebt. Und dagegen ist auch aus ernährungsphysiologischer Sicht nichts einzuwenden. Denn Konfitüre ist weit weniger ungesund, als aufgrund des enthaltenen Zuckers zu vermuten wäre. Im Vergleich zu Wurst oder Käse ist sie sogar ein eher leichter Brotbelag. Kein Wunder also, dass die geschätzten zwei Kilogramm Konfitüre, die pro Kopf und Jahr in Deutschland verzehrt werden, der Volksgesundheit keinen großen Schaden zufügen.

Wobei die Menge nur sehr vage den wirklichen Verbrauch wiedergibt. Denn zu den rund 200.000 Tonnen Konfitüre, die per annum in Deutschland verkauft werden, kommt geschätzt annähernd noch einmal dieselbe Menge an selbst gemachtem Brotaufstrich.Branchenkenner gehen davon aus, dass noch einmal rund 150.000 Tonnen Marmelade, Konfitüre und Fruchtaufstrich privat eingemacht werden. Der tatsächliche Verbrauch dürfte also weitaus höher liegen.

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Der Fruchtanteil entscheidet

Verkostet wurden die Erdbeerkonfitüren und -aufstriche wie immer blind, die Proben wurden pur probiert und zu Flights von jeweils drei Produkten zusammengestellt. Bewertet wurde nach drei Kriterien:

  • Aussehen und Farbe
  • Geruch und Geschmack
  • Konsistenz und Mundgefühl

Die maximale erreichbare Punktzahl war 100. Wenig überraschend: Je höher der Erdbeeranteil, desto besser wurden die Konfitüren und Aufstriche im Durchschnitt bewertet. Der Testsieger »Die Beerenbauern Fruchtaufstrich Erdbeere« glänzte mit einmaligen 70 Prozent (!) Fruchtanteil. Die Geschmacksintensität und das Mundgefühl dieser Fruchtbombe ließen die Tester im Anschluss zum Löffel greifen und die Reste pur vernaschen. Ohne Wenn und Aber der eindeutige Testsieger! Auf einem guten zweiten Platz landete die »Käfer Erdbeere Konfitüre Extra«. Sie überzeugte in Optik und Geschmack und mit dem Argument »wie hausgemacht«.

Der Abstand des Spitzenduos auf den Rest des Feldes war recht deutlich schmeckbar. Auf dem vierten Platz mit exakt gleicher Punktzahl tummeln sich gleich drei Produkte, die mit individuellen Stärken und Schwächen das geschmackliche Mittelfeld bildeten.

Ab Platz neun empfiehlt sich aus Sicht der Tester eher das Selbsteinkochen. Denn auch mit nur durchschnittlichen Kochkenntnissen sollten sich genussvollere Konfitüren selbst herstellen lassen.

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