FREITAG: Venedig des Nordens ist ein Beiname, den sich Stockholm mit einem geschätzten Dutzend anderer europäischer Städte teilen muss. In Wahrheit erinnert kaum etwas an die Lagunenstadt am Mittelmeer – abgesehen natürlich von den zahlreichen Brücken und den 14 Inseln, auf denen sie erbaut ist.

Um sich einen angemessenen Überblick zu verschaffen, empfiehlt es sich, schon am ersten Tag eines der famosen Aussichtslokale zu besuchen und dort einen Kaffee mit Blick über die Stadt, die Brücken und die Inseln zu genießen. So zum Beispiel im »Och Himlen Därtill« im Skrapan-Wolkenkratzer in Södermalm oder auf der Aussichtsplattform des »Gondolen« in der Stadsgården. Wer sich für Letztgenanntes entscheidet, sollte sich davor oder anschließend unbedingt ein Hering-Sandwich am wohl berühmtesten Fischstand der Stadt genehmigen, dem Nystekt Strömming. Danach steht zur Wahl, ob man sich den Touristenhorden anschließt, die sich durch die Altstadt drängen, oder aber nur kurz die Riddarholm-Kirche besucht, wo zahlreiche Monarchen ihre letzte Ruhestätte haben.

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Im Anschluss geht es zum berühmten Stockholmer Rathaus, einem Paradebeispiel nordisch-romantischer Architektur aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, an dem auch einige – siehe da – venezianische Elemente erkennbar sind. Für einen Aperitif, den die Stockholmer freilich weniger zelebrieren als die Venezianer, was wohl nicht zuletzt an den stolzen Preisen liegt, die hierzulande für Alkohol verlangt werden, eignet sich in den Sommermonaten das »Mälarpaviljongen« – eine Art Lounge auf dem Wasser. Zum Abendessen geht’s ins angesagte »Ekstedt«, das jüngs­te Lokal des gleichnamigen Starkochs, in dem ausschließlich auf offenem Feuer gekocht wird.


Skandinavischer Purismus im derzeit angesagten »Ekstedt« / Foto: Georges Desrues

SAMSTAG:
Nicht nur wegen ihrer prachtvollen Architektur aus dem späten
19. Jahrhundert ist die Stockholmer Markthalle Östermalms Saluhall einen Besuch wert, sondern auch wegen der teilweise exotischen Lebensmittel, die hier verkauft werden. Darunter etwa Rentier- und Elchfleisch oder Wildlachs aus der Baltischen See – alles freilich nur, wenn es gerade Saison hat. Zum Mittagessen empfiehlt sich ein Snack in einem der Fischlokale der Halle, zum Beispiel in Form von marinierten Heringen, die je nach Herkunft Sill oder Strömming heißen und – für den südländischen Gaumen etwas überraschend – hierzulande traditionell mit reifem Käse serviert werden.

Ebenfalls exotisch erscheinen wird dem Besucher das in Schweden geltende staatliche Monopol auf Alkoholverkauf. Also lohnt sich bei einem Spaziergang auch ein Blick in einen der Systembolaget-Monopolläden, die sich erstaunlich freundlich präsentieren und interessanterweise zahlreiche internationale Weine zu überraschend günstigen Preisen anbieten. Den Rest des Nachmittags verbringt man am besten mit einem kleinen Bummel durch die Einkaufsstraße Hamngatan, in der auch das ehrwürdige Kaufhaus Nordiska Kompaniet aus dem Jahr 1902 liegt sowie das Illums Bolighus, ein Fach­geschäft für skandinavisches Design. Wer will, kann sich auch im sogenannten »Spritmuseum« mit dem eigenwilligen Verhältnis beschäftigen, das die Nachfahren der Wikinger zum Alkohol pflegen – um danach dürs­tend ins nahegelegene und extrem angesagte Restaurant »Oaxen« zu pilgern, wo der Hipster-Küchenchef Magnus Ek sowohl ein Spitzenrestaurant als auch ein preislich ­wesentlich günstigeres Bistro betreibt.


Stockholmer Markthalle Östermalms Saluhall / Foto: Georges Desrues

SONNTAG:
Am Sonntag tut man es am besten den Einheimischen gleich und besucht eine der Sehenswürdigkeiten in der üppigen Natur an der Peripherie der Stadt. Ein idealer Ausflug etwa führt in das nur 30 Minuten von Stockholm entfernte, an einem Arm der Ostsee gelegene Barockschloss Ulriksdal, dessen sehenswerter Garten neben einer Orangerie und prächtigen Holzvillen auch ein Restaurant mit gepflegter Küche namens »Ulriksdals Wärdshus« birgt, in dessen Gast- oder Wintergarten sich am Wochenende wunderbar das klassische und festliche Buffet erleben lässt, dass die Schweden Smörgåsbord nennen.

Wer es etwas weniger üppig wünscht, bestellt die hier bilderbuchhaft servierte Wallenbergare. Diese zählt zu den klassischsten Gerichten der hiesigen gutbürgerlichen Küche und unterscheidet sich nur geringfügig vom österreichischen Kalbsbutterschnitzel, mit dem sie auch die Beilagen Püree und Erbsen gemein hat. Lediglich die dazu gereichten Preiselbeeren sind auf ersten Blick etwas ungewohnt. Ihren Namen bezieht die Speise von der einflussreichen Familie Wallenberg, zu deren weitgefächertem Besitz auch das prestigereiche »Grand Hôtel« im Zentrum Stockholms gehört. Dort kann man vor der Abreise noch eine Tasse Tee in gediegener Atmosphäre zu sich nehmen, oder aber, sollte es die Zeit erlauben, den nordischen Spa Raison d’Etre aufsuchen, in dem traditionelle schwedische Massagen angeboten werden. Sollte Zeit für ein Abendessen bleiben, empfiehlt sich ein Besuch im Zwei-Sterne-Restaurant »Matsalen« beziehungsweise im weniger förmlichen »Matbaren«, die ebenfalls im »Grand Hôtel« untergebracht sind und von Starkoch Mathias Dahlgren betrieben werden.


Kreation mit Hühnerfüßen von Mathias Dahlgren / Foto: beigestellt (Magnus Skoglöf)

Text von Georges Desrues aus Falstaff 05/14 bzw. Falstaff Deutschland 06/14

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