Star-Designer Molyneux im LIVING-Interview

»Wenn ich einen Raum betrete, weiß ich in der Sekunde wie das Interieur aussehen muss«, sagt Star-Designer Juan Pablo Molyneux.

© Julia Stix

»Wenn ich einen Raum betrete, weiß ich in der Sekunde wie das Interieur aussehen muss«, sagt Star-Designer Juan Pablo Molyneux.

© Julia Stix

Hätte man das Wort »maximal« noch nicht erfunden, so wäre Juan Pablo Molyneux fraglos ein prädestinierter Schöpfer dafür. Sowohl in der Ausführung seines kreativen Schaffens als auch in der Wahl seiner Klientel darf der amerikanische Designer stets aus dem Vollen schöpfen: Von millionenteuren Penthäusern über charmante Châteaus bis hin zu exotischen Palästen – die Auftraggeber schmücken die Liste der reichsten und »most powerful people« (Architectural Digest) der Welt. Erst jüngst verwandelte Molyneux den 40.000 Quadratmeter großen Palast von Scheich Mohamed Bin Suhaim Al-Thani – Mitglied der regierenden Königsfamilie in Katar – in ein orientalisches Juwel der Superlative. Da ein Townhouse in Manhattan, dort ein Apartment in Paris oder London – bei vielen davon ist der 70-Jährige federführend.

Keine Frage: Juan Pablo Molyneux ist bekennender Maximalist durch und durch, doch als Könner der Komposition weiß er nur zu genau, dass jedes Detail seinen Platz braucht, um seine optimale Wirkung zu erzielen. So sind seine Kreationen zwar immer opulent und emotional bestimmt, aber stets klar strukturiert und geordnet. Die Resonanz spricht für sich. Fragt man zum Beispiel in der Duft-Dynastie Rochas nach Molyneux, wird euphorisch gerufen: »Juan Pablo? Man kann keinen besseren Designer finden.« In der Tat: Molyneux ist ziemlich trendy.

In seiner Wahlheimat New York wie auch in Europa. Nun ist zwar Wien nicht Katar, Dubai oder Manhattan, dennoch muss sich die charmante Donau-Metropole in Bezug auf monumentale Altbauten oder Palais wohl kaum genieren. Mit Hilfe von Molyneux’ Kreativreichtum soll jetzt Wiens exklusivste Wohnimmobilie entstehen. Das Palais Schottenring, 1872 an der Ringstraße erbaut, darf sich einer prunkvollen Restaurierung erfreuen. Die Palais-Räumlichkeiten werden Luxuswohnungen mit Concierge-Service auf vier Etagen beherbergen – eine 200 Quadratmeter große Empfangshalle, Vestibül und Office-Räumlichkeiten inklusive. Und der Stil? Ganz Molyneux – was sonst? Seine Antwort auf Mayfair und Manhattan. Bis zur Finalisierung im April 2018 wird der gebürtige Chilene aus Santiago nun öfters in Wien zu Gast zu sein. Wir trafen den smarten Gentleman im »Hotel Sacher« zum Talk.

Juan Pablo Molyneux mit LIVING-Chefredakteurin Angelika Rosam.

© Julia Stix

LIVING: Mr. Molyneux, was hat Sie inspiriert, gerade in Wien ein Projekt anzunehmen?

Juan Pablo Molyneux: Ich hatte ein Meeting mit einer Investorengruppe für ein Projekt in London. Dabei wurde das Palais Schottenring erwähnt. Da ich mich bereits mein ganzes  Leben für die Erhaltung von denkmalgeschützten Bauten interessiere, habe ich nicht lange überlegt, dieses Projekt anzunehmen.

LIVING: Man will damit die exklusivste Wohnimmobilie in Wien errichten …

Molyneux: Das stimmt. Die Wohnungen werden außergewöhnlich sein. Ein hoher Qualitätsfaktor wird diese Renovierung bestimmen, das Konzept ist bereits perfekt ausgearbeitet. Wir werden die Art und Weise von bisherigen Wohnprojekten in der Stadt entscheidend ändern. Die Tendenz ist, »amerikanisches Wohnfeeling« nach Wien zu holen. Es wird zum Beispiel einen Concierge-Service geben, einen Doorman, eine Wäscherei und andere Assets, so wie es in New York in gehobenen Wohnimmobilien bereits seit Jahren üblich ist.

LIVING: Wie wird sich das Palais am Schottenring designtechnisch von anderen abheben?

Molyneux: Die Architektur eines öffentlichen Gebäudes ist wie eine Visitenkarte für diejenigen, die sich damit auseinandergesetzt haben und für Interieur und Design verantwortlich sind. In der Sekunde, wo ich ein Ge­bäude betrete, muss es mich für sich einnehmen. Das heißt, dass das Entree, also das Vestibül, ein spezielles Design, eine ganz spezielle Note erfahren muss. Denn eine Lobby ist kein leerer Raum, sondern eigentlich das Gegenteil – das Auge! Das Entree ist quasi ausschlaggebend für den ersten Eindruck. Ich muss in der Sekunde sagen können, davon überzeugt sein: »Das ist es. Da bin ich zu Hause.«

Renovierung de luxe: Als Liebhaber historischer Gebäude hat Molyneux die Restaurierung der Luxuswohnungen im Palais Schottenring übernommen. 

© Generalplaner CUUBUUS Architects ZT GmbH

LIVING: Im Palais Schottenring bleibt also kein Stein auf dem anderen?

Molyneux: Es ist mir ein großes Anliegen, dass Kunden nicht mehr in Quadratmetern denken, wenn Interesse für eine Wohnung besteht. Ich habe bei diesem Projekt dafür gekämpft, großzügige Apartments zu gestalten, die Raum für ein entspanntes Lebensgefühl schaffen. Kleine Einheiten sollen zu einem großen Ganzen zusammengelegt werden. Ich versuche, persönliche Räume und Plätze zu kreieren, die für den Käufer einzigartig sind. Die Ausführungen von Materialien werden edel und exquisit sein. Ein Twist von Tradition und Contemporary – natürlich mit allen Details einer perfekt durchdachten und modernen Technologie optimiert.

LIVING: Ist der Wiener Immobilienmarkt bereit für ein so spezielles Wohnprojekt?

Molyneux: Durchaus! Wien ist eine sehr kosmopolitische, internationale Stadt geworden. Ich kenne Wien schon seit vielen Jahren, und ich bin sehr gerne hier. Ich nenne es oft das »kleine Paris«. Wien hat bei vielen Gebäuden eine ungeheure historische Bausubstanz vorzuweisen, die Innenarchitektur optimal zur Geltung bringen kann. Bei der Restaurierung eines Altbaus ist es wichtig, Bestehendes nicht zu zerstören, sondern noch besser und umgänglicher für den Benutzer zu machen.

»Ich weigere mich, mich nach Trends zu richten. Das ist unkreativ und bequem.«
Molyneux und seine Designer-Ansichten

LIVING: Bei der Beauftragung eines neuen Projekts: Wie wichtig ist es Ihnen, sich mit dem Projekt zu identifizieren? Gab es bereits einmal die Situation, wo Sie keinesfalls einen Auftrag annehmen wollten?

Molyneux: Eigentlich nicht. Ich muss mich immer auf meine Kunden einstellen – ob in den Emiraten, Frankreich, England oder den USA. Es gibt so viele verschiedene Stile, die ich – völlig auf meinen Kunden fokussiert – bestmöglich umsetze. Bevor ich an einem Projekt zu arbeiten beginne, finde ich heraus, wie mein Kunde lebt und worauf es ihm beim Wohnen ankommt. Erst dann macht es Sinn zu starten.

LIVING: Wenn Sie einen Raum betreten, wissen Sie sofort, wie Sie ihn gestalten werden?

Molyneux: Es soll nicht überheblich klingen, aber ich habe sofort ein Polaroid im Kopf. Ich sehe, wie das Interieur aussehen wird, ich habe in der Sekunde diese gewisse Verbindung zum Raum.

LIVING: Wie offensichtlich spielt da Ihr per­sönlicher Stil eine Rolle?

Molyneux: Ich habe keinen Stil, ich lebe mein Leben, meine Gewohnheiten. Und so arbeite ich auch bei meinen Kunden. Jeder Kunde wird von mir individuell beraten. Ich würde das Interieur einer Wohnung niemals woanders wiederholen. Eine Wohnung oder ein Haus ist für mich »custommade« – 
einzigartig und nicht austauschbar.

LIVING: Orientieren Sie sich an den Trends, die auch im Interieur-Design vorgegeben werden, oder ignorieren Sie diese komplett?

Molyneux: Ein erfolgreicher Designer orientiert sich nicht an den Trends, er macht sie! Ich weigere mich, mich nach Trends zu richten. Das ist völlig unkreativ und bequem. Gute Designer werden nicht für etwas bezahlt, das aus Magazinen abgelesen wird. Mein Ziel ist es, Objekte so zu gestalten, dass sie nach zehn Jahren noch immer en vogue sind und man gerne darin lebt.

LIVING: Was ist für Sie die größte Herausforderung in einem Raum?

Molyneux: Die richtige Beleuchtung! Ein Licht am falschen Ort kann einen Raum völlig zerstören. Auch die Farbe! Die größte Kunst für einen Interieur-Designer ist es, die Komposition aus Licht und Farbe zur einer Harmonie verschmelzen zu lassen – alles andere kommt von selbst.

Land-Liebe: Molyneux's Château in Frankreich

Back to the roots – mit viel Liebe zum Detail, Komfort und Geschmack hat Juan Pablo Molyneux in Pouy-sur-Vannes nahe Paris einen  bezaubernden Rückzugsort geschaffen. Ein Château, das den Interieur-Designer nicht ohne Grund zum Verweilen inspiriert. Seit 2012 restauriert Juan Pablo Molyneux jedes  einzelne Gebäude des gesamten Anwesens. Aus jedem Raum besticht die Aussicht in den Park. Viel an Altbestand wurde erhalten, renoviert, verbessert und mit unglaublicher Raffinesse neu zum Leben erweckt. Alle Impressionen finden Sie in unserer Bilderstrecke:

Aus dem Living Magazin 04/2016

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