Sommelière des Jahres: Désirée Steinheuer im Porträt

© David Weimann

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Eins ist klar«, sagt Hans Stefan Steinheuer, »unsere Tochter ist schon zu den Zeiten, als meine Frau und ich noch in den ›Schweizer Stuben‹ tätig waren, im Kinderwagen mit uns zum Essen gegangen.« Schon damals, schmunzelt Steinhauer, habe sie ein Faible fürs Klassische gehabt und nur gelbfarbene Spätzle akzeptiert. Mit Spinat gefärbte grüne habe sie nicht gemocht. Und dann muss der legendäre Patron der »Alten Post« in Heppingen an der Ahr nur sehr kurz überlegen, als er gefragt wird, wann für ihn die kulinarische Begabung seiner Tochter zum ersten Mal in aller Deutlichkeit klar geworden sei: »Als Désirée sechs oder sieben Jahre alt war, waren wir einmal mit ihr bei einem Kollegen in Bonn essen. Da hat sie sich plötzlich beschwert, dass ihre Spaghetti nach Spargel schmecken würden. Da herrschte zunächst ungläubiges Staunen. Doch schließlich stellte sich heraus, dass der Kollege die Spaghetti für den improvisierten Kinderteller im grade auf dem Herd stehenden Spargelwasser gekocht hatte.«

Wanderjahre

Nun trägt, wer in eine Gastronomenfamilie solcher Exzellenz hineingeboren wird, an seinem Namen vermutlich nicht immer ganz leicht. Die Erwartungen sind hoch, bei Gästen und Freunden ebenso sehr wie bei den Eltern. Nicht wenige Kinder berühmter Küchenchefs (oder Winzer) gehen dann lieber ganz andere Wege, als sich dauerhaft dem Vergleich auszusetzen. Auch bei Désirée Steinheuer war das ein klein wenig so, denn sie hat erst einmal Abitur gemacht und hätte vielleicht auch eine völlig andere Karriere anstreben ­können. Die Liebe zur Gastronomie aber war stärker. Steinheuer ging auf die Hotelfachschule nach Dortmund, schloss in Koblenz die Ausbildung zur Sommelière an und arbeitete in Köln im Hotel »Excelsior«. »Schließlich traf sie bei uns ihren jetzigen Ehemann Christian Binder«, erzählt Hans Stefan Steinheuer weiter, »und dann sind die beiden ab nach Shanghai und nach London.« Die letzte Station vor der Rückkehr an die Ahr war Schloss Lerbach bei Nils Henkel. Als dort die Schließung bevorstand, so Hans Stefan Steinheuer weiter, »sagte ich, ihr seid jetzt alt genug, kommt nach Hause.«

Seit 2015 leben die beiden Ehepaare nun vor, wie gut zwei Genera­tionen in einem Haus, an einem Herd und in einem Keller funktionieren können: Gabi Steinheuer ist das organisatorische Rückgrat und die gute Seele im Hotel und in beiden Restaurants, während Désirée Steinheuer die Restaurantleitung innehat und die Weinberatung der Gäste übernimmt. Ebenso gut harmoniert die Zusammen­arbeit von Hans Stefan Steinheuer und Christian Binder in der Küche. »Der Christian ­ist ja Berliner und hat unter anderem im »Margaux« gearbeitet. Weil dort der teuerste deutsche Rotwein auf der Weinkarte von der Ahr und aus dem Weingut Meyer-Näkel kam, wurde er neugierig aufs Ahrtal und kam zu uns.« Ein Entschluss mit Folgen: »Ein großes Glück«, so Hans Stefan Steinheuer, »dass Désirée diesen großen Koch zu uns ins Haus gebracht hat.«

Zeitlose Eleganz: Steinheuers »Zur Alten Post« ist seit 1998 mit zwei Michelin-Sternen dekoriert.

Foto beigestellt

Sensibilität und Genuss

»Sind wir durch?«, fragt Désirée Steinheuer am Ende des Drehs zu den Vorstellungsfilmen, die Falstaff und Gerolsteiner für die Weintrophy 2020 produziert haben, und atmet nach dem bestätigenden »Ja« erleichtert tief durch. Man sieht ihr an: Sie fühlt sich nicht sehr wohl beim Sprechen in die Anonymität einer Kameralinse. Denn genau das Gegenteil ist ihr Ding: sich auf Menschen einzulassen, ihnen zuzuhören, um Genüsse von unvergleichlichem Erinnerungswert zu schaffen. Die Sensibilität einer Frau, die zu Recht den Titel Falstaff-Sommelière des Jahres 2020 trägt.

ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 01/2020
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