Social Kür: Social Media-Tipps für die Branche

Facebook, Instagram, Snapchat – es gibt wohl kaum mehr jemanden, der den Einfluss dieser Kanäle unterschätzt.

© Gina Müller

Facebook, Instagram, Snapchat – es gibt wohl kaum mehr jemanden, der den Einfluss dieser Kanäle unterschätzt.

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Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Eine Kostprobe: 88 % der Erwachsenen recherchieren Öffnungszeiten oder Anfahrt eines Restaurants online, 70 % sehen sich die Speisekarten an. 57 % lesen Bewertungen und 54 % reflektieren auf Angebote. Diese aktuellen Werte stammen zwar aus den USA, es darf aber davon ausgegangen werden, dass sie für Mitteleuropa nicht ganz unähnlich sind.

3.600.000 aktive Facebook-, 820.000 Instagram- und 140.000 Twitter-Accounts zählt der »Social Media Radar« in Österreich, darunter mit Sicherheit nicht wenige Hoteliers und Gastronomen. Ob das Posten des Tagesmenüs oder Special-Aktionen: in ist, wer drin ist – könnte man meinen. Wobei das durchaus zu hinterfragen ist, wie Nina Mohimi und Dani Terbu, Gründerinnen der »Coolinary Society« im Gespräch mit KARRIERE festhalten. »Grundsätzlich kann eine Kommunikation über Social Media für jeden noch so kleinen oder großen Betrieb spannend sein. Was wir aber immer schade finden, sind lieblose Social Media-Auftritte. Da ist es besser, sich auf einen oder zwei Kanäle zu konzentrieren und die wirklich gut zu führen.«

Die wirklich überraschende Aussage der beiden »food loving digitals« ist aber folgende: »Oder man lässt es ganz. Es muss keiner auf Social Media aktiv sein – das soll man sich auch nicht einreden lassen.« Die meisten aber, so scheint es, sind es. Eine Studie, die mit Köchen des Vereinigten Englischen Königreichs gemacht wurde, hat beispielsweise ergeben: 98 % erkennen den Nutzen von Social Media, 86 % nutzen diese Kanäle, um positives Feedback zu generieren und ein Drittel sucht via Facebook und Instagram nach neuen Lieferanten. Interessante Details: Die befragten Köche checken im Schnitt 7x am Tag ihre eigenen Accounts – und 15 % suchen im Netz nach neuen Rezepten.

Snapchat nur für ganz Junge

Von den Social Media-Verweigerern hört man nicht selten: »Ich brauche das nicht« mit dem Nachsatz: »Außerdem kenne ich mich da nicht aus«. Und genau das ist ein Punkt, den Mohimi mehrfach anspricht. »Wenn, dann sollte es eine bewusste Entscheidung gegen Social Media sein – und keine aus Angst. Es gibt ganz viele Chancen für Betriebe, die es wirklich wollen und es gibt für jedes Budget und jede Zielgruppe einen passenden Kanal.« Den »einen richtigen« Kanal, den gibt es aber nicht, so die Wienerin.

Matthis Prabitz, Gründer einer Marketing-Agentur für Instagram (»von matthis«) fasst kurz und knackig zusammen: »Facebook eignet sich für den ›klassischen‹ Auftritt mit Infos wie Öffnungszeiten und Speisekarte, Instagram für das visuelle Marketing, im wahrsten Sinne des Wortes ›Image‹. Twitter dient der schnellen, kurzen Information und ist newslastig. Snapchat übernimmt den Fun-Part mit viel Bewegtbild.« Mohimi und Terbu sehen gerade Snapchat nicht unkritisch. »Dieser Kanal ist nur zu empfehlen, wenn man ein für die sehr junge Zielgruppe passendes Produkt hat und einen Kanalverantwortlichen, der weiß, wie man mit dieser Altersgruppe kommuniziert. Passt das, bieten sich Sneak Previews, Live Berichte und zeitlich limitierte Aktionen an.«

Prabitz stellt noch das Thema »Augmented Reality« in den Raum. »Das Spiel ›Pokémon Go‹ hat zwar nicht direkt mit der Gastronomie zu tun, aber an diesem aktuellen Hype sieht man, in welche Richtung es gehen kann.« Mohimi sekundiert in Sachen Trend-App: »Die L’inizio Pizzeria in New York gibt beispielsweise an, deutlich mehr Umsatz gemacht zu haben, weil sie um 10 US-Dollar über das ‚Lure‘ Modul (kann man über einen Einkauf in der App aktivieren, um Pokémons zu einer bestimmten Location zu locken) ein paar Pokémons im Lokal platziert haben.« Sich mit Trends und Hypes zumindest kurz auseinanderzusetzen, anstatt genervt mit den Augen zu rollen, lohne sich allemal, so die Berater.

Egal welchen Kanal man wählt, fix ist: Es braucht viel Geduld und auch Investment, eine entsprechende Fan- bzw. Followergröße zu erreichen. Wichtig hierfür ist auch die Interaktion mit den potenziellen Kunden, das sehr beliebte Posten des Mittagsmenüs bringt einen hierbei kaum weiter. Prabitz etwa empfiehlt ähnlichen Lokalen zu folgen und diese zu liken. »Konkurrenzdenken ist hier fehl am Platz, nur durch diese Aktivität erreicht man die gewünschte Zielgruppe.« Was definitiv – wie immer im Leben – hilft: eine Leidenschaft zu haben, für das, was man tut.

»Eine Pizzeria in New York gibt beispielsweise an, deutlich mehr Umsatz zu haben, weil sie ein paar Pokémons im Lokal platziert haben.«
Nina Mohimi, »Coolinary Society«

Der Hype um das Spiel »Pokémon Go« zeigt, dass die »Augmented Reality«-Technologie zum »nächsten großen Ding« werden könnte.

© Gina Müller

Die Top 5 Tipps der »Coolinary Society«

Nina Mohimi und Dani Terbu aka »Coolinary Society« beraten Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Food-Produkte bzw. Restaurants und Hotels. Spezialgebiet: Food-Trends. Die »Coolinary Society« hat KARRIERE fünf Tipps für einen besseren Social Media-Auftritt verraten:

  1. Leidenschaft für digitale Kommunikation (entwickeln).

  2. Strategischer Kommunikationsplan im Vorfeld (eventuell mit professioneller Unterstützung).

  3. Freude daran entwickeln, dass man den direkten Kontakt zu seinen (potenziellen) Gästen hat, ohne auf Dritte angewiesen zu sein.

  4. Nicht vergessen: Den Kanal einzurichten und zu pflegen ist eine Sache, aber man muss auch ein Budget reservieren, um überhaupt Fans und Follower zu bekommen. Das passiert in den allerwenigsten Fällen von selbst.

  5. Das Fotografieren von Speisen ist ein Must, daher: üben, üben, üben!

www.coolinarysociety.com

Artikel aus Falstaff Karriere Special 2016.

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