Schilcher & Co.: Die steirische Weinvielfalt

Schilcherland: Steile Hänge mit kleinen Weingartenparzellen prägen die Landschaft der Weststeiermark.

© Steiermark Tourismus | Harry Schiffer

Schilcherland: Steile Hänge mit kleinen Weingartenparzellen prägen die Landschaft der Weststeiermark.

© Steiermark Tourismus | Harry Schiffer

Schilcher: Die »Rabiatperle« wird salonfähig

Lange war der Schilcher ein rustikaler Roséwein, eine regionale Spezialität aus der Weststeiermark, mehr berüchtigt als berühmt für seine auffällige, hohe Säure. Doch eine kontinuierliche Qualitätsverbesserung in den Händen von ambitionierten Winzern führte letztlich dazu, dass aus dem Schilcher ein begehrter Terroirwein wurde, der durch seine unverwechselbaren roten Fruchtnuancen und eine animierende Säure besticht.

Dass dieser Wein aus einer einzigen Rebsorte, dem uralten »Blauen Wildbacher« erzeugt wird, die in der Weststeiermark die Rebflächen klar dominiert, ist ein weiteres Alleinstellungsmerkmal dieses rosafärbigen Weines mit seiner markanten mineralischen Note.

Hier, wo schon Illyrer, Kelten und später die Römer Weinreben kultivierten, ziehen sich die Rebgärten in einem schmalen, langen Band bis zu 600 Meter Seehöhe an den Ausläufern der Koralpe und des Reinischkogels nach Süden bis zur slowenischen Grenze. Steile Hänge mit malerischen, kleinen Kellerstöckeln sind zu überwinden, tiefe Täler zu durchqueren auf dem Weg von Ligist im Norden über St. Stefan ob Stainz bis nach Deutschlandsberg und Eibiswald. Abstecher in Weinorte wie Greisdorf, Gundersdorf, Wildbach oder Wies bringen überraschende Perspektiven – punkto Panorama ebenso wie beim Wein. 

Ungewöhnlich sind auch der Gesteinsbau des Gebietes aus Gneisen und Glimmerschiefern sowie das illyrische Klima, die das Wesen des Schilchers entscheidend prägen. Mit Einführung des DAC-Herkunftssystems im Jahr 2018 wurde dem Schilcher besonders Rechnung getragen: als einziges Gebiet darf die Weststeiermark den Schilcher mit seiner Ursprungsbezeichnung als DAC-Wein adeln.

Neben dem trockenen Schilcher werden auch Schilcher-Schaumweine wie Frizzante oder Sekt und sogar rare Süßweine gewonnen. Unter ihrem ursprünglichen Namen »Blauer Wildbacher« werden aus der Rebe auch klassische Rotweine mit Würze und Struktur ausgebaut. Längst ist der Schilcher mit seinem unverwechselbaren Charakter zum authentischen Botschafter für eine der am wenigsten berührten und reizvollsten Weinlandschaften Europas und damit für den steirischen Weintourismus ein wesentlicher Erfolgsfaktor geworden.

Die Falstaff-Schilcher-Tipps:

  • Schilcher »Ried Langegg« vom Schilcher-Weingut Friedrich, aber auch vom Weingut Eduard Weber in St. Stefan ob Stainz
  • Schilcher von »Schilcherberg« der Schilcherei H. und L. Jöbstl in Wernersdorf bei Wies
  • Schilcher »Ried Hochgrail« vom Weingut Langmann aus St. Stefan ob Stainz
  • Schilcher »Ried Burgegg« der Domäne Müller in Groß-St. Florian
  • Schilcher »Privat« vom Weingut Thomas Strohmaier in Pölfing-Brunn
  • Schilcher »Ried Langegg« vom Gut Lazarus aus Langegg bei St. Stefan ob Stainz
  • Und der Schilcher »Ried Lamberg« vom Weingut Christian Reiter in Wies

Der »König der Terrassen«: Gelber Muskateller

Der leichtfüßige, aromatische Gelbe Muskateller ist für viele Weinfreunde der ideale Sommerwein. Mit seinem verführerischen Bukett nach Holunderblüten und feinen Nuancen von Muskatnuss verfügt er über einen unverwechselbaren Duft, seine knackige Säure und feine Frucht am Gaumen machen ihn ungemein animierend, seine unkomplizierte Art beim Publikum begehrt, je nach Standort und Winzer verfügt er über eine ganz eigene, spezielle Note. Die Nachfrage ist entsprechend groß, zu finden ist er heute im Angebot der meisten steirischen Winzer, vom Thermen- und Vulkanland bis in die Weststeiermark.

Da der Gelbe Muskateller Standorte mit leichteren Böden und guter Durchlüftung bevorzugt, hat sich die Zone der Ortsappellationen Gamlitz, Eichberg und Leutschach mit ihren Sand- und Schotterböden als ideale Anbauzone herauskristallisiert. Die kühle Stilistik des Eichbergs mit seinen Einflüssen der Koralpe, die exotische Pikanz der windigen Höhenlagen vom Gamlitz oder die würzigen Nuancen der kalkreichen Opokböden in Leutschach machen das Erkunden der regionalspezifischen Muskateller-Nuancen zum Erlebnis.

Die Falstaff-Muskateller-Tipps:

  • Gelber Muskateller »Ried Krepskogel« von Erwin Sabathi in Leutschach
  • »Ried Perz« vom Weingut Gross, Ratsch
  • »Ried Sernauberg«, Sattlerhof in Gamlitz
  • »Ried Oberglanz« vom Weingut Repolusk in Glanz bei Leutschach
  • »Ried Rosenberg«, Gut Krispel, Staden


Steile Angelegenheit: Riesling vom Schiefer

Das südsteirische Gebiet Kitzeck-Sausal – gerade einmal 419 Hektar klein – ist aus erdgeschichtlicher Sicht wesentlich älter als die sie umgebende Hügellandschaft. Nur hier herrschen Schieferverwitterungsböden vor, die aus kristallinem Schiefergestein einstanden sind. Diese kargen Böden geben den Weinen eine kühle, würzige und straffe Mineralität und ein unverwechselbares Bukett.

Die Weingärten befinden sich größtenteils auf Höhenlagen von 380 bis 650 Meter Seehöhe, was zu einer guten Durchlüftung der Reben beiträgt und sie nicht mit dem Morgennebel in Kontakt kommen lässt. Die steilsten Rieden, mit einer Hangneigung von über 70 Prozent in Kitzeck-Sausal, können nur händisch bewirtschaftet werden. Die große Spezialität im Sausal ist der Riesling, der hier eine uralte Tradition hat und zu Spitzenqualitäten entwickelt wird.

Sausaler Riesling hat bei Blindverkostungen mit den besten Vertretern aus Niederösterreich oder deutschen Anbaugebieten bereits für Furore gesorgt. Die Produktion ist sehr klein, manchmal rücken die Winzer erst auf Nachfrage mit einem Probeschluck heraus. Besonders nach einigen Jahren der Reife entwickeln die Weine aus den Schiefersteillagen ihr spezielles, vom Boden geprägtes Aroma.

Die Falstaff-Riesling-Tipps:

  • Riesling »Ried Edelschuh« und »Ried Dr. Wunsch«, Gut Wohlmuth, Kitzeck-Fresing
  • »Ried Gaisriegl«, Schauer, Kitzeck-Greith
  • Riesling »Ried Höchleit’n« vom Weingut Felberjörgl in Kitzeck-Höch
  • »Quarzit«, Warga-Hack in Höch
  • »Ried Steinriegl«, Potzinger, Gabersdorf

»Im Namen der Rose«: Klöcher Traminer

Burgen und Schlösser zieren weithin sichtbar die hochaufragenden Basaltklippen – geologische Hinterlassenschaften der Vulkane, die hier einst aktiv waren. Im Südosten des steirischen Weinlandes liegt Klöch, und dieser Ort ist mit einer ganz besonderen Rebsorte verbunden: dem Traminer.

In Klöch, und nur hier, darf die aromatische Weißweinsorte mit dem unverwechselbaren Rosenduft im Bukett als »Vulkanland Steiermark DAC« auch einmal halbtrocken und als Prädikatswein von »Auslese« aufwärts auch als Süßwein abgefüllt werden. Die Kombination aus vulkanischen Böden und pannonisch beeinflusstem, warmem Klima lassen hier in steilen Hängen Traminer und Gewürztraminer von unverwechselbarer Qualität reifen.

Die Falstaff-Traminer-Tipps:

  • Traminer »Xero« und Gewürztraminer von Domittner-Klöcherhof
  • Traminer »Hoch3«, Gelber Traminer und Gewürztraminer »Extrem«, Gut Frühwirth
  • »Ried Rehrl« sowie »xxNell aus dem neuen Holz« von Weingut Gießauf-Nell
  • Gewürztraminer »Ried Seindl« und »Ried Hochwarth«, Weingut Müller, alle in Klöch

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