Symbolisch für diese Entwicklung steht Martin Schwarz, der sich dieses Jahr selbstständig gemacht hat. Der langjährige Keller­meister und Berater von Schloss Proschwitz konzentriert sich seit dem aktuellen Jahrgang nur auf sein eigenes Weingut – nach 10 Jahren ein mutiger Schritt. Dass Schwarz nun mehr Zeit für seine eigenen Weine hat, merkt man bereits – sie sind feiner und eleganter geworden. Der Jahrgang 2012 überzeugt durch volle reife und Aromatik mit sehr guter Struktur und lässt Großes erwarten.

Neues Schmuckstück
Seine Rebflächen, inzwischen zwei Hektar, sind entlang der sächsischen Weinstraße in Radebeul, Meissen, Diesbar-Seußlitz und dem linkselbischen Merbitz verteilt. 2008 legte er eine neue Steillage mit knapp einem Hektar in Radebeul an. Der Weinberg Friedstein lag 80 Jahre lang brach und war verwaldet, bis Martin Schwarz ihn sehr aufwendig mit neuen Trockenmauern sanierte. Jetzt ist er ein echtes Schmuckstück unterhalb des Schlosses Neufriedstein. Die Rebsorten sind ganz klassisch – Riesling, Weißburgunder und Spätburgunder, mit französischen Klonen. Schwarz hofft, die Weine noch vielschichtiger und filigraner gestalten zu können. Er ist auf dem besten Weg dorthin.


Martin Schwarz hat Schloss Proschwitz verlassen und sich selbstständig gemacht / Foto: beigestellt

Erfolgreiche »Notlösung«
Schwarz ist ein Meister der Cuvée. Bis auf Müller-Thurgau und Riesling, die reinsortig ausgebaut werden, produziert er Cuvées aus je zwei Sorten. Anfangs war das eine »Notlösung« wegen der geringen Mengen. Inzwischen schätzt er das Zusammenspiel der Rebsorten, die sich hervorragend ergänzen und die Weine komplexer werden lassen: Riesling & Traminer, Weiß- & Grauburgunder, Spätburgunder & Portugieser. In sehr guten Jahren will er Pinot-Trauben aus dem Friedstein reinsortig als Premium-Pinot-Noir ausbauen. Der Ausbau der Weine erfolgt nun nicht mehr im Keller des Weinguts Schloss Proschwitz, sondern in der eigenen kleinen Kellerei. Die Weine werden im Holzfass ausgebaut, mit unterschiedlicher Intensität. Während die Burgun­der in teils neuen, teils gebrauchten Barriques vergoren werden, lagern Müller-Thurgau, Riesling und Traminer in gebrauchten großen Holzfässern auf der Hefe. Martin Schwarz: »Ich versuche hier immer, den Wein und das Terroir zu respektieren, das Holz soll nur unterstützen und nicht im Vordergrund stehen.«

Neues auf Schloss Proschwitz und ein Newcomer in Meißen
Auf Schloss Proschwitz hat Chefönologe Jacques du Preez aus Stellenbosch das Kommando übernommen. Schließlich gehören zu Schloss Proschwitz inzwischen 87 Hektar, und da braucht es jemanden, der in großen Dimensionen denkt. Als Assistentin steht dem Südafrikaner eine Chinesin zur Seite, die in Neuseeland Weine ausgebaut hat. Prinz zur Lippe, der Inhaber des Weinguts, ist sehr zufrieden mit der Entwicklung. »Wir werden international«, freut sich der Prinz – ganz nach seinem Motto: Think international, act local. Auf Schloss Proschwitz werden nicht nur große Weine erzeugt, die zu den besten der Region gehören. Auch die älteren, gereiften Grauburgunder und Spätburgunder lohnen eine Verkostung. Der Jahrgang 2012 in Sachsen war ein Bilderbuch-Jahrgang. Prinz zur Lippe berichtete, dass die besten Grundqualitäten der letzten 20 Jahre im Keller liegen. Lassen wir uns überraschen, wie es weitergeht, aber eines ist klar: Die Weine werden ihre Stilistik verändern.


Auf Schloss Proschwitz hat Jacques Du Preez das Kommando übernommen / Foto: beigestellt

Die neueste Entdeckung in Sachsen ist das Rothe Gut in Meißen, links der Elbe gelegen. Hier baut der erst 27-jährige Winzer Tim Strasser seit 2010 Müller-Thurgau, Grauburgunder, Traminer und Scheurebe, aber auch Goldriesling und Helios aus. Strasser schloss seine Lehre auf dem Staatsweingut Schloss Wackerbarth ab – als jüngster Winzer Sachsens. Die tonigen Lehm-Löss-Böden bringen erstaunlich frische und ausdrucksstarke Weine hervor, gerade der Traminer und der Müller-Thurgau sind moderne Vertreter aus der Region.

Dresden als Perle der gesamten Weinregion
Der Weinbau hat hier eine über 800-­jäh­rige Tradition. Im Jahr 1161 wurde er erstmals urkundlich erwähnt und umfasste in seiner Blütezeit im 17. Jahrhundert eine Fläche von 5000 Hektar. Die Porzellanstadt Meißen gilt als die Wiege des sächsischen Weinbaus. Noch heute wird dort das größte Weinfest der Region gefeiert. Kirche und weltliche Obrigkeit bemühten sich über die Jahrhunderte um den Weinbau – Schlösser, Berg- und Lusthäuser entstanden, ebenso wie Winzerhäuser, Weinbergskirchen und Weinschenken.


Klaus Zimmerling feierte unlängst das 20-jährige Jubiläum seines Weinguts / Foto: beigestellt

Die Perle des Anbaugebiets ist und bleibt Dresden. Im Südosten der Stadt, an der idyllischen Sächsischen Weinstraße, feierte Klaus Zimmerling im vergangenen Jahr bereits sein 20-jähriges Jubiläum – auch heute ist er quasi noch ein Garagenwinzer, obwohl er inzwischen die qualitative Spitze des Anbaugebiets bildet. Er ist bekannt für füllige, regelrecht barocke Rieslinge. Der charmante neue Weinkeller schmiegt sich in den Steilhang, beeindruckt durch seine elegante Architektur und die faszinierenden Kunstwerke von Zimmerlings Frau Malgorzata Chodakowska.

Jeden Jahrgang des Weingutes Zimmerling ziert eine andere Skulptur seiner Frau Malgorzata Chodakowska / Foto: Beigestellt
Jeden Jahrgang des Weingutes Zimmerling ziert eine andere Skulptur seiner Frau Malgorzata Chodakowska / Foto: Beigestellt
Kreativitäts-Zentrum Radebeul
Für spannende Ausflüge in die Umgebung lohnen sich die Weingüter um Dresden herum: Schloss Wackerbarth mit seinen malerischen Weinterrassen lohnt immer einen Besuch – nicht zu vergessen die Sekte aus dem Premium-Bereich, die ein hohes Niveau erreicht haben. Der kreativste Weinmacher in Sachsen sitzt in Radebeul: Der frühere Steinmetz Karl Friedrich Aust hat neben den Wetterverhältnissen mit seinen geringen Mengen zu kämpfen, und es ist gar nicht so einfach, seine Weine zu finden. Inzwischen hat er aber sein Weinhaus Aust in Radebeul fertiggestellt, in dem seine mineralischen und rassigen Weine probiert werden können.

Die 55 Kilometer lange Route der Sächsi­schen Weinstraße führt von Pirna über Dresden, Radebeul und Meißen bis in die Elbweindörfer um Diesbar-­Seußlitz. Hier verbinden sich kulturhistorische Sehenswürdigkeiten mit einer vom Weinbau geprägten Landschaft. Die typi­schen, mit Bruchsteinmauern terrassierten Steillagen sind ein Kleinod des Weinbaus in Sachsen. Hier, an den steilen Elbhängen, gedeihen die großen Weine dieser Region: Weiß- und Grauburgunder und vor allem ­Traminer. Auch der 90 Kilometer lange Sächsische Weinwanderweg verbindet die Perlen der Gegend, führt zu den schönsten Weinbergen, zu Aussichtspunkten und Weinkellern. Ein guter Tipp ist der »Urlaub beim Winzer« oder die »Tage des offenen Weingutes in Sachsen«: Am letzten Augustwochenende laden mehr als 25 Weingüter zu Kellerbesichtigungen, Weinbergführungen und Verkos­tungen ein.

Mehr Info:
www.rothesgut.de

www.schloss-proschwitz.de

www.weingut-zimmerling.de

www.schloss-wackerbarth.de

www.weingut-aust.de



Text von Nikolas Rechenberg

Aus Falstaff Deutschland 1/14

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