Rosa Welle: Chateau d'Esclans macht Lust auf Sommer

© Falstaff/Elsbrock

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Eine solche Erfolgsstory schaffen heute fast nur noch Internetunternehmen. Von null zum Marktführer binnen weniger Jahre, das gelang dem Franzosen Sacha Lichine aber nicht mit Daten, sondern – mit einem Rosé. Lichine erschuf sich einen komplett neuen Absatzmarkt, begeisterte Kritiker und Publikum gleichermaßen und kommt heute auf einen geschätzten Absatz von 6 Millionen Flaschen Wein pro Jahr.

Dabei fing Lichine zu einer Zeit an, als nur noch Gurkenwasser unpopulärer war als Rosé: Er kaufte 2006 das etwas verschnarchte Weingut »Chateau d’Esclans« von einem Schweizer Versicherungsunternehmen ab. Das Geld dafür hatte er vom Verkauf des Familienweinguts in Bordeaux – nicht wenige Landsleute hielten ihn deshalb für verrückt: wertvolles Land eintauschen gegen wenige Hektar in der Provence.

Chateau d'Esclans.
Chateau d'Esclans.

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Wie Chateau d'Esclans Gewissheiten ins Wanken brachte

Lichine aber blieb seiner Idee treu und entwickelte einen Rosé, der die damals erhältlichen Weine mit einem Mal als Plörre dastehen ließ. Was ihm zugute kam: Auf dem Weingut standen einige Hektar der ältesten Grenache-Rebstöcke Frankreichs. Er kaufte weitere Trauben dazu und brachte in der Erstauflage 160.000 Flaschen auf den Markt. Eine vermeintlich klassische Provence-Cuvée aus Grenache, Cinsault, Rolle, Syrah und Tibouren. Aber mit wertvollem Know-How, das von Lichines Partner Patrick Léon kam – einem der angesehensten Weinmacher Frankreichs. Nur ein Gramm Restzucker hat der »Whispering Angel«, dafür Länge und Komplexität – so viel Qualität war neu für einen Rosé und rang Kritikern aus aller Welt Respekt ab. Und dann der Name: kein Französisch, dessen Aussprache Kunden außerhalb Frankreichs, vor allem in den USA, häufig Probleme bereitet. Nein, mit »Whispering Angle« schufen Lichine und Co eine Marke, die vor allem auf dem Hauptmarkt Amerika einschlug. Mit einem weiteren vermeintlichen Rosé-Gesetz brach er ebenfalls: Eine Flasche »Whispering Angel« kostete 20 Dollar – weit mehr, als sonst üblich. Für einen weiteren Wein, den »Garrus« schraubte er die Markte sogar auf 100 Dollar. Die Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf.

In Hamburg wurden nun die neuen Jahrgänge vorgestellt: Neben dem im Stahl ausgebauten Whispering Angel 2018 auch der Rock Angel, der teilweise in Eichenfässern reift und noch vollmundiger, aromatischer schmeckt. Probieren konnte man auch den Clans 2017, eine zauberhafte Cuvée mit Aromen von Erdbeere und Pfirsich und toller Länge. Schließlich der Garrus 2017, eine Selektion der besten Trauben. Der Sommer kann kommen. 

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