Ridge Winery: Mr. Monte Bello im Ruhestand

Paul Draper hat an sein Team übergeben

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Paul Draper hat an sein Team übergeben

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In diesem Jahr hat sich in aller Stille und in für ihn so typischer Bescheidenheit, eine der großen Persönlichkeiten des kalifornischen Weines in den hochverdienten Ruhestand begeben, im Alter von 80 Jahren. Paul Draper, der seit 1969 – also nicht ganz 50 Jahre lang – die Geschicke des Weinguts Ridge in den Santa Cruz Mountains geleitet hat. Draper genießt als »Vater des Monte Bello« weltweit den höchsten Respekt, weil es ihm gelungen ist das Weingut mit einer klaren Vision auch weit abseits des Trubels des beliebten und viel besuchten Napa Valleys zu internationaler Anerkennung zu führen. Paul Draper wurde im Laufe seiner Karriere mit Auszeichnungen aller Art überhäuft, allein im Jahr 2000 kürte ihn sowohl das Decanter Magazin zum »Man of  the Year« und das amerikanische Food & Wine zum »Winemaker of the Year«. Bei der Verleihung des Life Achievement Awards anlässlich der Weinmesse ProWein in Düsseldorf meinte Draper in seiner Dankesrede: »Wenn man das Glück hat, einen guten Weingarten zu finden, der in regulärer Weise ausgezeichnete Trauben liefert, dann ist der Rest nicht mehr schwer. Vorausgesetzt man hat die Absicht, feine Weine zu erzeugen und man zerbricht sich nicht ständig den Kopf was den Weinkritikern gefallen könnte. Es ist einzig die Qualität die zählt.«

Der Montebello Weingarten
Der Montebello Weingarten

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Judgement of Paris

Und Draper fand seinen Lebensweingarten auf 800 Metern Seehöhe in den abgelegenen Bergen von Santa Cruz hoch über dem legendären Silicon Valley das für gänzlich andere Erzeugnisse berühmt ist als für Wein. Doch seine rote Cuvée »Monte Bello« erlangte sehr schnell weltweiten Ruf. Der Zufall wollte es, dass der britische Weinhändler Steven Spurrier den Monte Bello 1971 zu seiner heute längst allbekannten Verkostung nach Paris einlud, Draper konnte mit seinem dritten Jahrgang vor einigen Premiers Grands Crus den stolzen 5. Platz erreichen. In diesem Jahre wurde das »Judgement of Paris« gefeiert. In Kalifornien versteht sich, in Frankreich hatte man angesichts dieser historischen Schlappe dazu weniger Lust. Bei einer Wiederholung der Verkostung im Jahre 2006, erreichte der Monte Bello 1971 exakt die gleiche Platzierung, was nebenbei auch ein starkes Statement zum Thema Lagerfähigkeit der kalifornischen Topweine war. Kaum ein anderer Rotwein aus Kalifornien kann eine derartige Konstanz nachweisen und es ist daher nur zu verständlich, dass dieser Wein Kult-Status genießt. Der Titel »Latour von Kalifornien« kommt nicht von ungefähr. Der Monte Bello ist bis heute eine Cuvée, die klar von der Sorte Cabernet Sauvignon geprägt ist – rund 80% dieser Rebsorte bildet das Gerüst des Weines – dazu kommen kleinere Anteile von Petit Verdot, Cabernet Franc und ein Schuss Merlot. Durch die Höhenlage der Weingärten erreichen die Trauben hier einen weniger hohen Zuckergehalt, daher liegt im Endresultat der Alkoholwert nicht ganz so hoch wie bei vergleichbaren Kalibern aus Napa Valley. 

Lytton Springs Winery
Lytton Springs Winery

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Lytton Springs und Geyserville

Aber es wäre ungerecht, die Lebensleistung des Önologen Paul Draper auf die Bordeaux-Cuvée Monte Bello zu reduzieren. Denn auf der Suche nach tollem Terroir in Kombination mit uralten Rebstöcken wurde Draper in Sonoma County fündig und begann aus den Trauben dieser Pachtgärten Weine aus den Sorten Zinfandel, Carignan und Petite Sirah zu machen. Bereits Anfang der 90er Jahre gelang es Ridge, dort die zwei wichtigsten Weingärten zu erwerben, nicht erst seither sind Lytton Springs und Geyserville ebenfalls aufs Engste mit Ridge verbunden. Bei Ridge setzt man seit langem auf Tradition und Natur und weniger auf Technik. Sämtliche Weingärten sind Bio-zertifiziert, Paul Draper setzte stets auf das, was er als »pre-industrial winemaking« nannte. Geerntet stets reif und nie überreif, wie es heute überall Mode geworden ist, im Gegensatz zu vielen bekannten Namen Kalifornien werden die Trauben ausschließlich von Hand gelesen. Man legt sehr viel Wert auf die intensive Arbeit in den Weingärten, die man zum Großteil schon über viele Jahrzehnte hinweg pflegt. Und es ist in jedem einzelnen Wein im Ergebnis irgendwie zu spüren – und das macht es schließlich jedes Mal zu einem besonderen Erlebnis die Ridge Weine zu genießen. 

Paul Draper mit seinen Winemakers
Paul Draper mit seinen Winemakers

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Hofübergabe

Und was die Zukunft betrifft, da braucht den Fans des Weingutes nicht bange zu sein. Erstens ist Paul Draper nach wie vor im Hintergrund als Chairman of Board tätig, als neuen CEO hat man Mark Vernon betraut, der bereits seit 17 Jahren bei Ridge Vineyards als General Manager tätig ist. Und auch in Sachen Winemaking bleibt alles beim guten Alten. Für die Monte Bello Winery ist Eric Baugher verantwortlich, er ist seit 1994 im Team von Ridge und seit Jahren für die Vinifikation zuständig, im Weingut Lytton Springs in Sonoma bleibt John Olney – seit 1996 dabei – für die Zin’s und Rhône-Varietäen zuständig. Wie es sich für Ridge gehört – Konstanz vom Weingarten bis zum Personal. Paul Draper lehnt sich entspannt zurück: »Wenn es um die Entscheidungen die Zukunft der Ridge-Weine geht, haben Eric und John die ultimative Entscheidungsgewalt darüber, aus welchen Weingärten die Trauben kommen, wie sie es im Keller angehen wollen und was die Qualität und Mengen der Weine betrifft. Bereits in den letzten zehn Jahren haben die beiden die täglichen Entscheidungen getroffen und die so entstandenen Weine sind längst ihre. Und sie haben die konsistent höchste Qualität seit allen Dekaden der letzten 50 Jahre geschaffen. Was will man mehr.« Die folgenden Verkostungsnotizen entstanden heuer bei einem Besuch des Autors bei David Olney auf Lytton Springs in Sonoma County und beim Gegenbesuch des neuen »Mr. Monte Bello« Eric Baugher anlässlich eines Degustations-Wochenendes beim Importeur E. u. M. Müller im steirischen Groß St. Florian.

Falstaff verkostete eine hochwertige Ridge-Serie.

© Falstaff/Peter Moser

Die Weine sind in der Vinothek »Der Wein« (www.der-wein.at) in der Riemergasse 6, 1010 Wien erhältlich.

Importeur: www.eum-mueller.at 

Zu den Verkostungsnotizen der Ridge-Serie

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