Ribera del Duero erfindet sich neu

Im spanischen Rotwein-Eldorado ist die Zeit nicht stehen geblieben.

© José I. Berdón

Im spanischen Rotwein-Eldorado ist die Zeit nicht stehen geblieben.

© José I. Berdón

Fast überall, wo Wein angebaut wird, hat die Weinbaugeschichte besonders bewährte und daher auch besonders prestigereiche Wein­typen hervorgebracht: an Rhein und Mosel beispielsweise die Auslese, im Bordeaux den anderthalb Jahre im Barrique ausgebauten und dann als Schlossabzug in Verkehr gebrachten Grand Vin und in Spanien die Roten der Kategorien Reserva und Gran Reserva.

Dass in den spanischen Rotwein-Herkünften die Idee des ausgedehnt langen Fassausbaus die Oberhand gewonnen hat, hat geschichtlich vor allem zwei Gründe: Zum einen kann der Gerbstoff der wichtigsten spanischen Rotweinsorte Tempranillo im Jungwein so rau sein, dass es mehrerer Jahre Lagerung bedarf, um das Tannin abzurunden. Zum Zweiten war (und ist) es im Klima Spaniens schwieriger als weiter nördlich, die Frischfruchtigkeit des Leseguts in den Jungwein zu überführen. Auch daher setzte man bei traditionellen spanischen Rotweinen oft von vornherein auf eine der Tendenz nach eher oxidative Behandlung.

Doch die Zeit ist nicht stehen geblieben. Der moderne Weinbau schafft es, mit Ertragsbeschränkungen, mit skrupulöser Laubarbeit und auch mit neu selektierten, hochwertigen Tempranillo-Klonen die Gerbstoffqualität so zu verbessern, dass die Weine keinerlei jugendliche Adstringenz oder gar Grüntöne aufweisen.

Neue Wege

Zum anderen haben die Winzer durch den Einsatz von Kühltechnik und eine exakte Wahl des Lesezeitpunkts heute sehr viel bessere Möglichkeiten, die Frische zu bewahren, die das Traubengut noch am Stock besitzt. Warum also am alten Modell der langen Fasslagerung festhalten? Genau diese Frage stellen sich nun immer mehr Betriebe. Viele von ihnen halten zwar auch den charmanten Reserva- und Gran-Reserva-Weinen die Treue. Aber gleichzeitig erproben sie, was passiert, wenn man einen Ribera del Duero wie einen Bordeaux ausbaut – etwa 15 bis 18 Monate im Barrique – und ihn dann sofort abfüllt.

Die ersten Experimente in diesem neuen Genre liegen beim Ribera del Duero etwa 15 Jahre zurück. Inzwischen ist der Erfahrungsschatz gewachsen – und eine Marktübersicht zeigt, wie hochwertig diese (meist unter der Bezeichnung »Cosecha« etikettierten) Weine sein können. Die »neuen« Ribera del Dueros zeigen immer noch, woher sie kommen: Sie haben Wucht und eine kraftvolle Struktur wie ihre Vettern, die klassischen Reserva- und Gran-Reserva-Weine. Doch sie betonen dabei meist etwas stärker die Frucht, sind insgesamt zugänglicher und lassen sich auch schon früher trinken. Das heißt nicht, dass sie nicht auch reifen könnten! Im Gegenteil: In Sachen Lagerfähigkeit könnte es sich auf lange Sicht sogar herausstellen, dass sie – ähnlich wie ein großer Bordeaux – zwei oder drei Jahrzehnte im Keller wegstecken wie nichts.

Alles rund um den Ribera del Duero können Sie auf www.riberadelduero.es/de nachlesen.

Tasting Ribera del Duero

Rosado

Das Anbaugebiet Ribera del Duero ist vor allem für seine Rotweine bekannt. Mitten im Hochland von Altkastilien gelegen und von extremem kontinentalem Klima mit heißen Sommern und kalten Wintern geprägt, entstehen hier einige der besten Rotweine Spaniens. In den Weinbergen, die sich auf Höhen von über 1000 Metern erstrecken, steht vor allem Tempranillo: Die wichtigste Rebsorte Spaniens wird in Ribera del Duero auch Tinto Fino genannt. Aus ihren Trauben werden aber nicht nur Rotweine der Güteklassen Roble, Crianza, Reserva und Gran Reserva gewonnen, auch der Rosado hält im Tal des Duero einen besonderen Stellenwert: Viele der Rosé-Weine zeigen Rückgrat und Profil, wie der Rosado der Bodega Martín Berdugo. Sie sind trocken ausgebaut und keine banalen pinkfarbenen Zuckerwässerchen. Ihren Charakter beweisen sie auch als vielseitige Essensbegleiter. Dass ein Rosé darüberhinaus auch die Ambitionen von Winzern spiegeln kann, zeigt der Rosé der Bodegas Traslascuestas: Im Barrique vergoren, zeigt er Länge, Dichte und Struktur. Es ist eine andere Dimension des Rosado.

Roble

Nach dem Spanischen Weingesetz ist Roble keine offizielle Einstufung: Deshalb zählen Robles offiziell zur Kategorie Vino Joven und werden auch als Roble Joven geführt. Die Bedeutung hinter diesen Begriffen ist dieselbe: Es sind junge Rotweine, die maximal sechs Monate im Holzfass reifen müssen. Roble ist im spanischen und auch portugiesischen Sprachgebrauch die Bezeichnung für Eiche und deren Holz. Robles werden in Ribera del Duero häufig in amerikanischem Eichenholz ausgebaut, was ihren fruchtigen Charakter herausstreicht und mit den würzigen Röstaromen der Barrica verbindet. Es sind meist schnell zugängliche Weine, die trotzdem Format und Substanz zeigen können. Ein Roble, wie der aus dem Hause Dominio Basconcilios, zeigt, warum diese Weine gerade auch in ihrem Herkunftsland so populär sind: Sie stehen für viel Trinkvergnügen zu einem fair kalkulierten Preis.

Crianza

Die Anforderungen an Crianza-Weine sind in den spanischen Anbaugebieten unterschiedlich: In mancher Region genügt schon ein halbes Jahr Fassreife und ein Jahr weitere Lagerung für die Einstufung als Crianza. In Ribera del Duero dagegen dürfen nur Weine als Crianza gehandelt werden, die wenigstens zwei Jahre in der Bodega reifen, davon mindestens ein Jahr im Eichenfass. Der Name Crianza leitet sich vom spanischen Wort »criar« ab, was »reifen und groß ziehen« bedeutet: Im Fass soll der Wein zu Statur und Größe gelangen. Kein anderer Weintypus hat den Ruf des Ribera del Duero so geprägt wie seine Crianza: Sie zeigt Komplexität, Lebendigkeit und Charme, sie kann beachtliche Finesse entwickeln, reife Frucht und mineralischen Schliff wie die Crianza Acón der Bodega Abadía de Acón. Aber selbst wenn eine Crianza etwas rustikaler geraten ist, kann sie am Tisch gewinnen und sich zu einem unverzichtbaren Begleiter der spanischen Lebens- und Essenskultur entwickeln.

Reserva und Gran Reserva

Die Klassifizierung Reserva liegt zwischen den Güteklassen Crianza und Gran Reserva. Reserva-Weine werden – ihrem hohen Anspruch folgend – meist nur in guten und sehr guten Jahrgängen gekeltert. Reservas müssen drei Jahre gelagert werden, davon ein Jahr im Eichenfass reifen. Sie dürfen erst im vierten Jahr nach der Ernte ausgeliefert werden. Was eine Crianza aus Ribera del Duero an Güte und Qualität einbringt, hebt eine Reserva wie die von Martín Berdugo noch einmal auf eine höhere Stufe: Druckvoll und vielschichtig, mit einer perfekten Balance von Kraft, Länge, Frische und Eleganz.

Ein als Gran Reserva eingestufter Wein gehört zu den Spitzenweinen aus den besten Jahrgängen. Für eine Gran Reserva werden nur die besten Trauben und Fässer reserviert. Die Rotweine müssen mindestens fünf Jahre gelagert werden, davon zwei im Holzfass, dabei gelangt eine Gran Reserva zu ihrer edelsten Ausformung: Es sind Legenden des spanischen Weinbaus und werden zu den größten Weinen der Welt gezählt. Die Gran Reserva der Bodegas Félix Callejo zeigt das Potenzial dieser Spitzenweine: Mit weichen und bestens eingebundenen Gerbstoffen, Tiefe, Volumen, Länge und sehr viel Charme.

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