Rebenverwandtschaft Muskateller und Muscat

Moscato Passito di Pantelleria entsteht auf der gleichnamigen Insel unweit Siziliens.

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Moscato Passito di Pantelleria entsteht auf der gleichnamigen Insel unweit Siziliens.

Moscato Passito di Pantelleria entsteht auf der gleichnamigen Insel unweit Siziliens.

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http://www.falstaff.de/nd/rebenverwandtschaft-muskateller-und-muscat/ Rebenverwandtschaft Muskateller und Muscat Ob trocken, sprudelnd oder süß, die Aromatik der Muskatweine ist einfach unverwechselbar – und die große Reb­familie ist rund um den Globus verbreitet. http://www.falstaff.de/fileadmin/_processed_/6/5/csm_harvest-at-bukkuram-c-pr-1920_61b633d562.jpg

Ein Grund für die ungemeine Beliebtheit des Muskatellers liegt möglicherweise darin, dass er eine der wenigen Rebsorten ist, bei der der fertige Wein so schmeckt wie die reifen Trauben. Sein intensives Bukett und die Aromen garantieren ein großes Maß an Wiedererkennbarkeit, und auch diese Tatsache verschafft den Muskatweinen eine treue Anhängerschaft. Dabei ist Muskat längst nicht Muskat. Denn die Sortenfamilie hat enorm viel Talent: Sie kann leicht und trocken sein, aber auch kraftvoll und vom Terroir geprägt, sie kann sprudeln, sie kann edelsüßer Wein und schließlich auch noch fortifizierter Süßwein oder »vin doux naturel« sein. So nennt der Franzose – schön irreführend – Weine, die durch Beimengung von Hochprozentigem ihre Süße bewahren. Es gibt Muskatweine eigentlich überall auf der Welt: Je wärmer eine Region, desto wohler fühlen sich die Rebstöcke.

Aber alles der Reihe nach. Auch wenn sich die Fachwelt aktuell des französischen Namens »Muscat blanc à petits grains« (weißer kleinbeeriger Muskat) bedient, so kommen als Herkunft nach jüngsten Forschungsergebnissen nur Griechenland oder Italien infrage. Für beide Länder gibt es stichhaltige Argumente. In jedem Fall handelt es sich um eine sehr alte, vielleicht bereits in der Antike geschätzte Sorte. Ihre erste schriftliche Erwähnung findet sich 1304 bei Pietro de’ Crescenzi aus Bologna, der die Rebsorte Muscatellus erwähnt, die in späteren italienischen Texten dann Moscadello heißt.

Aus der Pfalz kommen feine trockene Muskateller wie vom Weingut Müller-Catoir.
Aus der Pfalz kommen feine trockene Muskateller wie vom Weingut Müller-Catoir.

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Der Name verweist bereits auf den speziellen Duft von Traube und Wein, der gerne mit Noten der Muskatnuss beschrieben wird. Da diese aber erst nach 1500 von den Portugiesen von den Banda-Inseln nach Europa verfrachtet wurde, kommt der Name nicht von diesem Magnoliengewächs. Traube wie Nuss beziehen ihren Namen vielmehr von einer Ähnlichkeit mit dem intensiven Moschusduft – ein Duftdrüsensekret, das über Persien und Byzanz bereits im Altertum nach Europa gelangte. Im Mittelalter taucht die Sorte unter dezent abgewandelten Namen regel­mäßig auf, so als »vin muscat« Ende des 13. Jahrhunderts im französischen Rivesaltes, wo die Sorte bis heute Bedeutung hat. Im 14. Jahrhundert ist neben süßem Malvasier auch Muskateller aus Kreta bekannt, der per Galeere bis nach Flandern gehandelt wurde. In einer Baseler Ordnung werden 1532 Winzer genannt, die im Umland der Stadt süßen Muskateller anbauen, 1534 ist erstmals im deutschen Esslingen davon die Rede, dass Reben vom Muskateller in Brackenheim an der Zaber zu kaufen sind. 

Im Elsass wird die Rebsorte noch etwas früher, nämlich 1510 schriftlich erwähnt. Der Muscat à petits grains, der klassische Muskateller, hat eine Vielzahl von Synonymen. In deutschsprachigen Ländern heißt er Weißer oder Gelber Muskateller, in Italien ist er unter anderem als Moscato Bianco und in Griechenland als Moschato Samou bekannt, aber auch der Muscat de Frontignan, Muscat Lunel oder Muscat Blanc in Frankreich sind ident. 

Ausgezeichnet ist der Moscato d’Asti vom Weingut Braida im Piemont.
Ausgezeichnet ist der Moscato d’Asti vom Weingut Braida im Piemont.

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Im Osten Europas erfreut man sich an schmackhaften Weinen aus Sárgamuskotály (Ungarn), Rumeni Muskat (Slowenien), Tamjanika (Serbien) oder Tamâioasa Româneasca (Rumänien). Es gibt heute aber auch an die 200 unterschiedliche Rebsorten, die den Wortstamm Muskat tragen. Da wären zunächst Farbmutationen des echten Muskatellers aus verschiedenen Ländern von Moscato Rosa bis Moscatel Roxo im portugiesischen Setúbal. Dann gibt es eine Fülle von Muskateller-Kindern mit meist noch unerforschten Partnern, von denen der Muscat à petits grains aus zufälligen Kreuzungen einen Elternteil darstellt. 

Großfamilie

Mit der sardischen Sorte namens Axina de Tres Bias, die wohl selbst aus Griechenland stammt, vermählte sich der Muskateller zu jener Sorte, die heute Muscat of Alexandria heißt. Zu den Muskateller-Abkömmlingen in Italien zählen unter anderem Aleatico, Goldmuskateller (Moscato Giallo) oder Moscato Rosa (Rosenmuskateller), über seinen Sprössling Muscat of Alexandria hat der Muskateller als Großvater auch das Geschmacksprofil von Sorten wie Grillo, Moscatello Selvatico oder Muscat of Hamburg beeinflusst. Neun italienische und fünf südamerikanische Sorten wie die drei Torrontés-Varianten gehen auf diese Vorfahren zurück. Gemeinsam mit Großvater Muskateller und Vater Muscat of Alexandria bilden diese sechzehn Sorten die engere Muskatfamilie.

Darüber hinaus gibt es sehr zahlreiche Rebsorten, die ebenfalls ein muskatartiges Aroma aufweisen und schließlich eine Vielzahl von Neuzüchtungen bis hin zu pilzresistenten Hybriden mit Muskattouch. Mitte des 19. Jahrhunderts brachte eine Rebschule aus dem Loiretal eine neue Kreuzung (ab 1839) mit Muskatnote heraus, die zu Ehren eines Herrn H. Ottonel als »Muscat Ottonel« bezeichnet wurde. Verbreitet ist der Muskat Ottonel heute vor allem in Osteuropa, die größten Flächen befinden sich in Bulgarien, Ungarn und Rumänien, auch im österreichischen Burgenland gibt es circa 500 Hektar der Sorte. Vergleicht man die Weine, die aus Gelbem Muskateller und Muscat of Alexandria entstehen, so fällt auf, dass Zweitere im trockenen Bereich immer etwas rustikaler ausfallen und als Süßweine weit weniger subtil daherkommen als der Muskateller.

Der Steirer Hannes Harkamp erzeugt sprudelnden Muskateller-Sekt.
Der Steirer Hannes Harkamp erzeugt sprudelnden Muskateller-Sekt.

© Kanizaj Marija

Der Grund dafür liegt im höheren Anteil des Terpens Geraniol im großbeerigen Muscat of Alexandria im Gegensatz zum kleinbeerigen Muskateller. Der Muscat of Alexandria verträgt Hitze besser und wird daher gerne für die Produktion von Strohweinen und fortifizierten Weinen herangezogen. In Sizilien und auf den umliegenden Inseln werden aus der Sorte, die hier Zibibbo genannt wird, sowohl süße Passito-Weine als auch fortifizierte Weine erzeugt.

In Spanien sind fast 10.000 Hektar ausgepflanzt, feine Süßweine kommen aus Malaga von Telmo Rodriguez und mit Unterstützung des österreichischen Süßweinspezialisten Kracher von Jorge Ordoñez. In Portugal entstehen bei José Maria da Fonseca auf der Halbinsel Setúbal herausragende fortifizierte Moscatel de Setúbal mit einem grandiosen Reifepotenzial. 

Bei Yalumba in Australien erzeugt man süßen Likörwein aus Brown Muscat.
Bei Yalumba in Australien erzeugt man süßen Likörwein aus Brown Muscat.

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Der Gelbe Muskateller ist die edelste unter allen Muskatsorten, aber auch am schwierigsten zu kultivieren. An geeigneten Standorten bringt er aber Weine hervor, an deren floral-würzige Aromen und Finesse und Frische kein anderer Muskatwein heranreicht.Der größte Erzeuger von Muskateller ist Italien mit 13.000 Hektar. Über 10.000 Hektar davon liegen im Piemont, wo der Moscato mehr als ein Fünftel der Weinberge bedeckt. Die Trauben werden zu zart schäumendem, süßem Asti oder edlem Moscato d’Asti verarbeitet. Im warmen Süden wir aus den Trauben süßer Passito gemacht.

Feine trockene Muskateller-Vertreter kommen hingegen aus kühleren Gefilden wie dem deutschen Baden und der Pfalz, der Wachau und der Steiermark in Österreich sowie Nordslowenien. Süße Varianten, meist gespritet, stammen entweder aus dem Languedoc-Roussillon, oder es sind spezielle Raritäten wie der Moscatel de Setúbal Roxo aus Portugal oder der süße Tokajer aus Sárgamuskotály. Ganz rar ist auch der Vin de Constance vom Weingut Klein Constantia in Südafrika, dessen Geschichte 1659 begann.

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Falstaff Nr. 06/2017
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