Pole Position: Was beim Fuhrpark eines Hotels zählt

Tesla Model X: Der Weg an die Steckdose von Hotels in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird immer häufiger. Vor allem Tesla schaffte es, sich im Hotelfuhrpark einen Namen zu machen.

© Werk / jameslipman.com

Tesla Model X: Der Weg an die Steckdose von Hotels in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird immer häufiger. Vor allem Tesla schaffte es, sich im Hotelfuhrpark einen Namen zu machen.

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Das Angebot reicht vom noblen Concierge­service über den klassischen Transporter bis hin zum »Genussmobil« mit Elektroantrieb. Die Superlative parkt vor dem »Hotel Louis XIII.« in Macau. Dessen Investor, der Großindustrielle Stephen Hung, shoppte bei Rolls-Royce 30 Exemplare des Modells Phantom für die Hotelflotte, um betuchte Gäste zu chauffieren. Die Bestellung überstieg die Rekordbestellung von 14 Phantom-Modellen, die 2006 vom »Peninsula Hotel« in Hongkong aufgegeben worden war. Der dortige Fuhrparkmanager, Martin Oxley, ein Brite, der seine Karriere selbst bei der englischen Nobelschmiede startete, sieht den Fuhrpark als Visitenkarte des Hotels: »Das Service für den Gast beginnt nicht vor dem Eingang des Hotels, sondern wenn wir ihn bereits vom Flughafen abholen. Fahrerisch sind die Modelle nicht sonderlich kompliziert, weil man selten über den zweiten Gang hinauskommt und die meiste Zeit im Stau steht«, beschreibt er den Alltag der Chauffeure zwischen Hotel, Flughafen und Shoppingmalls.

Auf die englische Fahrzeugnoblesse setzt die Hotellerie aber nicht nur in Asien, sondern auch in der Steiermark. Marketing- und Sales-Manager Christian Walcher von GB Premium Cars betreut unter anderem die Hotels des Projekts Spielberg in der Obersteiermark mit den Marken Jaguar und Land Rover. »Im Vier- und Fünf-Sterne-Segment wollen die Hoteliers den Gästen Exklusivität bieten. Der Gast schätzt es, nicht nur mit einem luxuriösen Auto abgeholt zu werden, sondern nutzt immer öfter auch das Angebot, mit dem Fahrzeug selbst zu fahren. Dem Hotelier das Fuhrparkmanagement unkompliziert und praktisch näherzubringen, ist im Service inkludiert«, erklärt Walcher. Die gründliche Analyse des Unternehmens ist Basis für die richtige Mobilität.

Professionelles Fuhrparkmanagement macht sich nach der Erfahrung der Experten ab zehn Fahrzeugen bezahlt. Ist die Analyse abgeschlossen, steht die Car-Policy im rationalen Vordergrund, da das Thema Auto oftmals extrem emotional behaftet ist. So erzielt zum Beispiel ein schwarzes Fahrzeug auf dem Gebrauchtwagenmarkt in der Regel einen um sechs bis acht Prozent höheren Wiederverkaufspreis als das gleiche Modell in Weiß. Hinzu kommt, dass ein großer Hubraum oder eine Leistung jenseits der 160 PS den Wert des Fahrzeugs teilweise dramatisch senkt. Der Wertverlust in der durchschnittlichen Kostenaufteilung im Fuhrpark schlägt sich mit 30 Prozent zu Buche, auf den Kraftstoff entfallen 23 Prozent, auf Versicherung und Schäden noch 15 Prozent.

Kauf vs. Miete

Dass die Anforderungen im Fuhrpark von Hotels und Gastronomie sehr individuell sind, bestätigt Richard Mieling, Porsche Holding: »Die eingesetzten Fahrzeuge unterscheiden sich je nach Bedarf. Eine große Bedeutung in Fremdenverkehrsgebieten hat traditionell der Volkswagen-Bus, der sehr gern zum Transport der Gäste eingesetzt wird. Gefragt sind sichere Fahreigenschaften durch optionalen Allradantrieb, Wirtschaftlichkeit und ein dichtes Servicenetz.« Kein anderes VW-Modell wird in derart vielen Varianten angeboten, weshalb auch die Preisliste des VW T6 umfangreicher ist als für jedes andere Auto der Marke. So werden die Nutzfahrzeugversionen Kasten, Pritsche, Doppelkabine und Kombi, Multivan sowie Caravelle angeboten.

Zwar ist Volkswagen, was die Flottenzulassungen betrifft, noch immer an erster Stelle, im Frühjahr dieses Jahres konnte aber die Marke Peugeot einen kräftigen Zugang von fast 27 Prozent verzeichnen. »Wir setzen auf die passenden Fahrzeuge und kombinieren diese mit flexiblen Mietvarianten. Dadurch werden die Fixkosten eines Fuhrparks kalkulierbar und die Total Cost of Ownership (TCO) ist ab dem ersten Nutzungstag transparent und planbar. Gerade bei steigenden Nächtigungszahlen können unsere Kunden kurzfristig auf Fahrzeuge zugreifen«, weiß Martin Riha, Leiter B2B und Gebrauchtwagen von PSA Peugeot ­Citroën.

Seat Alhambra

Die spanische VW-Tochter beweist Größe! Mit dem Seat Alhambra zeigt die Van-Klasse nicht nur nach außen hin sportliche Präsenz, ­sondern auch im Innenraum Platz für bis zu sieben Personen. Perfekt für den Gäste-Shuttle. Mit einem Gepäckvolumen von bis zu 2420 Litern mutiert der Alhambra zudem zu einem wahren Packesel, der für Hotels sowie Gastronomie als ultimative Unterstützung galoppiert.

© Werk

Alternative Antriebe

Die Suche nach Alternativen zum herkömmlichen Verbrennungsmotor hat auch vor den Fuhrparks nicht haltgemacht. Allein in Österreich wurden im vorigen Jahr 3826 Elektroautos neu zugelassen, was einem Plus von 128,2 Prozent gegenüber 2015 entspricht. Österreich sprang damit laut VCÖ-Studie im EU-Vergleich von Platz fünf auf die Poleposition. Als erste österreichische Tourismusregion stellte die Ramsau ihren Fuhrpark bereits 2015 komplett auf Elektroautos um. Auch bei Jaguar punktet man mit dem I-PACE, der Mitte 2018 auf die Straßen kommt und dessen 400 PS aus der Dose kommen, schon mit zahlreichen Vorbestellungen.

VW fiebert der E-Variante des erwähnten Busklassikers entgegen. Über genug empirische Erfahrung im Bereich Elektrofahrzeuge und deren Einsatz in Gastronomie und Hotels verfügt Hannes Zeichen, Geschäftsführer von Next, einem Tochterunternehmen der Energie Steiermark. Derzeit befinden sich rund 140 E-Fahrzeuge im Konzern, die monatlich an die Gastronomie vermietet werden. Tendenz steigend. »Der Gastronom denkt ja auch in der Küche nachhaltig. Den Einsatz von Elektromobilität sieht er genauso«, kennt Zeichen die Beweggründe. Großer Nachfrage erfreuen sich vor allem jene Modelle, die sofort als Elektrofahrzeuge erkennbar sind.

Trend: E-Mobility

Die Zusammenarbeit mit Hotels und Gastronomie konnte auch das Unternehmen Greenstorm Mobility in den letzten Jahren gehörig ankurbeln. Waren es noch fünf Tesla im Jahre 2016, fanden heuer bereits 58 Tesla ihren Weg an die Steckdose von Hotels in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Spanien. »Weiters wurden 3500 E-Bikes an Hotels vermietet und zusammen mit unserem Partner smatrics konnten wir 20 E-Tankstellen realisieren«, zieht Richard Hirschhuber, Geschäftsführer von Greenstorm Mobility, erfolgreich Bilanz.

Für das nächste Jahr sind bereits 100 E-Cars und bis zu 200 E-Scooter bestellt. Vor allem durch die E-Tankstellen würden die Hotels gleich mehrfach profitieren. Der Hotelier signalisiere damit nicht nur eine Vorbildfunktion, sondern biete dem Gast auch gleichzeitig einen Mehrwert, den viele Hotels noch nicht anbieten. Hirschhuber: »Wenn ein Hotelier wirklich gut kalkuliert, wird er für seinen Fuhrpark, egal ob Transporter oder Limousine, mit Elektroautos längerfristig auf alle Fälle günstiger fahren, auch wenn die Anschaffungskosten höher sind. Dafür sind die Wartungs- und Servicekosten weit geringer.« Laut Hirschhuber belaufen sich die Kosten beim Elektroauto auf 100 Kilometer gerade einmal auf 2,50 Euro.

Jaguar I-PACE

In der zweiten Hälfte 2018 wird der I-PACE von Jaguar mit sanften, aber markanten Pfoten am Asphalt aufsetzen. Schon jetzt ist Jaguar im Conciergeservice absolut gefragt. Beim Elektrofahrzeug mit einem Drehmoment von 700 Newtonmetern und einer Leistung von 400 PS wird es nicht anders werden. Das futuristische Design wurde mit Fahrspaß ohne Emission kombiniert und bleibt dennoch ein echter ­Jaguar. Mit leiseren Schritten.

© Werk /Nick Dimbleby

Fun-Faktor

Laut Hannes Zeichen dient die E-Mobilität entweder zum klassischen Transport von Gütern oder zur Bespaßung der Gäste. In der Steiermark sind derzeit über 700 E-Bikes im Einsatz, allein 180 davon in den Hotels der Region Schladming. In diesem Frühjahr wurde auch die Idee des »Genussmobils« umgesetzt. Mittlerweile sind schon zwölf Betriebe aus der Hotellerie und der Gastronomie mit einem BMW i3 an Bord. »Hier geht es ganz klar darum, dem Gast ein emotionales Paket zu schnüren. Dem Auto wird sozusagen eine Seele gegeben, es wird mit einem Programm und entsprechenden Touren bespielt«, erklärt Zeichen.

Das Angebot reicht von Picknick-Touren, bei denen die Gäste die Adresse von Herstellern regionaler Produkte schon im Navigationssystem eingespeichert haben, bis hin zu Heiratsanträgen. Unter den »Genussmobil«-Partnern findet sich auch die »Genusswelt Döllerer« in Golling an der Salzach. Die Anregungen dafür holte sich An­dreas Döllerer bei einer »Genuss­mobil«-Tour in der Südsteiermark: »Wir sind absolut genussorientiert und unsere Gäste auch. Mit dem ›Genussmobil‹ können wir ihnen die Möglichkeit geben, eigenständig die regionalen Produzenten kennenzulernen und sich ihre Tour zusammenzustellen. In Verbindung mit dem Kulturprogramm in Salzburg ist das für viele Gäste ein Thema.«

Döllerer verfügt über einen Fuhrpark von 20 Fahrzeugen, die allesamt mit »klassischen« Verbrennungsmotoren unterwegs sind. Durch den hauseigenen Weinhandel sind etwa die Mercedes-Kastenwägen ständig im Einsatz. Dennoch fuhr er selbst schon vor Jahren ein E-Auto und nutzt seinen BMW i3 nahezu täglich. Die Gäste werden damit vom Flughafen abgeholt oder zu den Festspielen nach Salzburg gebracht. Für Döllerer ist der Zusammenschluss von Genuss und Elektromobilität einfach stimmig, und auch der Gast honoriere das: »Heute macht sich der Besucher viel mehr Gedanken über Produkte und den Service. Er will in kurzer Zeit viel erleben und setzt dabei auf Nachhaltigkeit.«

Fazit: Die Palette im Fuhrparksegment für Hotels und Gastronomie ist denkbar breit, lässt sich aber grob in die Segmente Transport von Gütern und Gästekomfort unterteilen. Wer seinen Gästen das mobile Aha-Erlebnis bieten will, muss auf jeden Fall findig sein. Aber das kennt die Branche ja aus anderen Bereichen bereits zur Genüge.

Fuhrparksprache

  • Total Cost of Ownership (TCO)
    Darunter versteht man die Gesamtkosten ­eines Betriebs. Im Fuhrparkmanagement gilt es als Abrechnungsverfahren, das dem Unternehmer hilft, anfallende Kosten wie Wartung, Reparatur und Verbrauch abzuschätzen. Somit können ersichtliche, aber auch versteckte Kosten bereits im Vorfeld der Investition berücksichtigt werden. Je nach Fuhrparkgröße können die indirekten Kosten an den Fahrzeugen bis zu 30 Prozent ausmachen.

  • Operating Leasing
    Eine Form von Leasing, die im Fuhrparksegment von vielen Unternehmen genutzt wird. Wesentliche Punkte sind eine feste, aber kurze Miet­zeit und die Leasingraten können als Aufwand verbucht werden. Der Leasinggeber trägt das volle Investitionsrisiko und aktiviert die Abschreibung über die Nutzungsdauer. Auch zusätzliche Leistungen wie Wartung und Reparatur werden vom Leasinggeber getragen. 

  • Fleet Business
    Bereits mehrere Marken bieten ihren Kunden ein individuelles Fleet Business an. Dabei sind oft nicht nur der Leasingvertrag und die Pauschale für Wartungs- und Verschleißkosten inkludiert, sondern auch die Bearbeitung von Zinsentwicklung, Betriebskosten und Restwertentwicklung des Fuhrparks. Dazu werden auch regelmäßige Reportings und Auswertungen relevanter Daten an das Unternehmen übersendet.

Artikel aus Falstaff Karriere 05/17.

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