Podcast: Champagner mit Marie-Anne Raue

Marie-Anne Raue stellt in ihrem neuen Podcast Frauen aus der Spitzengastronomie vor.

© Nils Hasenau

Marie-Anne Raue stellt in ihrem neuen Podcast Frauen aus der Spitzengastronomie vor.

© Nils Hasenau

Auch 2020 müssen Frauen in der Spitzengastronomie explizit vor den Vorhang geholt werden. Zwar ist jedem klar, dass die wenigsten Restaurants nur aus Männern bestehen – doch sind sie es meist, die in der Branche bekannt sind.

Gemeinsames Erfolgskonzept

2010 hat in Berlin das Restaurant »Tim Raue« eröffnet und schnell zu einer der besten Adressen in der Hauptstadt entwickelt. Wie der Name verrät, ist es der Küchenchef, der hier das Aushängeschild ist. Seine Küche, das Spiel mit Aromen, kommt gut an. Doch war es nicht nur Tim Raue, der das Restaurant eröffnete und Garant für den Erfolg war. Auch seine damalige Ehefrau Marie-Anne war maßgeblich daran beteiligt. Beide hatten bereits Erfahrung in der Gastronomie und wollten mit ihrem Restaurant beweisen, dass es auch in der Spitzengastronomie noch Spielraum gibt.

Während Tim Raue in der Küche nach nur zwei Monaten den ersten Michelin Stern holte, frischte Marie-Anne den Service auf. Statt schwarzem Anzug setzte sie bei ihrem Team
daher auf farbenfrohe Hemden und Blusen, coole Sneaker und ein herzliches Miteinander. Auch damit holt man Sterne, 2011 den zweiten. Seit 2014 tummelt sich das Restaurant in der Liste der »World's 50 Best«.

»Fuh Kin Great«

Die partnerschaftliche Trennung 2016 hat der professionellen Verbundenheit keinen Abbruch getan, bis heute stehen beide geschlossen hinter ihrem Restaurant und steuern es derzeit durch das Krisenjahr 2020. Dem Corona-Lockdown haben sie einen Online Shop inklusive Lieferservice entgegengesetzt: Bei »Fuh Kin Great« kann man bis heute bestellen, wenn auch nicht mehr so umfangreich wie zu den Corona-Höchstzeiten. Anlässlich des diesjährigen Jubiläums gibt es ein spezielles Jubiläumsmenü aus dem Besten der vergangenen zehn Jahre. Es kann online bestellt werden und ist ausschließlich als To-Go-Menü erhältlich.

»Auf ein Glas Champagner mit Marie-Anne«

© Nils Hasenau

Ladies Lunch

Seit 2018 lädt Marie-Anne Raue im Rahmen ihres Netzwerk-Event »Ladies Lunch« Frauen aus Wirtschaft, Politik, Medien, Politik, Kultur und Handwerk zum Austausch. Auch diesem Event hat Corona erstmal einen Strich durch die Rechnung gemacht, ebenso wie den Feierlichkeiten zum zehnjährigen Jubiläum des Restaurant »Tim Raue«. Doch frau muss sich nur zu helfen wissen, und so hat Marie-Anne Raue kurzerhand ihren Ladies Lunch in einen Podcast gehievt.

Unter dem Titel »Auf ein Glas Champagner mit Marie-Anne« kommen spannende Frauen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Gastronomie zu Wort. Beispielsweise Ilona Scholl, Gastgeberin im »tulus lotrek«, die von ihrem ganz persönlichen Weg in die Selbstständigkeit erzählt. Die beiden sprechen über den schleichenden Prozess der Emanzipation in der Gastronomie und über den Sexismus der Branche, der leider immer noch existent ist. Ob Spitzenköchin Sophia Rudolph oder Weinhändlerin und Sommeliere Alexandra Dauch – mit all ihren Gästinnen diskutiert und lacht Marie-Anne Raue, was die 60 Minuten interessant und kurzweilig werden lässt.

Marie-Anne Raue.

Marie-Anne Raue.

© Nils Hasenau

Marie-Anne Raue im Interview

In einem kurzen Interview mit Falstaff erzählt Marie-Anne Raue, wie sie es in die Gastronomie verschlagen hat, warum es wichtig ist, die Frauen in der Spitzengastronomie immer wieder ins Gedächtnis zu rufen und was sich in den letzten Jahren zum Postiven gewandt hat.

Falstaff: Das Restaurant »Tim Raue« wird auf den ersten Blick stark mit Tim Raue, also einem Mann und Ihrem Ex-Mann, verbunden. Stört Sie das?
Marie-Anne Raue: Wieso sollte mich das stören? Ich bin sehr stolz darauf, denn der Name »Tim Raue« steht ja für allerhöchsten Anspruch und Qualität. Und ist sozusagen ein Gütesiegel, das ja auch für meinen Erfolg steht.

Das Restaurant ist seit zehn Jahren erfolgreich und hat sich in der Krise wacker gehalten, auch dank des kurzfristig aufgezogenen Lieferdienstes »Fuh Kin Great«. Haben Sie in der Vergangenheit nie mit dem Gedanken gespielt, weitere Restaurants zu eröffnen?
Oh doch – natürlich habe ich das! Und das werde ich auch. Ich habe schon ein fertiges Konzept und stehe in den Startlöchern. Mir fehlt nur noch die richtige Location dafür. Daher übe ich mich im Moment in Geduld, bis ich diese gefunden habe.

Seit 2018 richten Sie den sog. Ladies Lunch aus. Was hat Sie zu diesem Netzwerk-Event bewogen?
Mir war es wichtig, Frauen in einem schönen und entspannten Rahmen zusammenzubringen. Einem Rahmen, in dem sie sich wirklich austauschen und auch Kontakte knüpfen können. Denn gerade in den vergangenen Jahren habe ich die Erfahrung gemacht, dass es sehr, sehr wichtig ist, mehr miteinander zu reden. Uns Zeit zu nehmen und uns auch gegenseitig zu unterstützen. Sowohl in Form von Gesprächen als auch in Form von Empfehlungen unserer Geschäftspartner oder gemeinsamer Geschäfte miteinander.

Corona hat nicht nur den Restaurantbetrieb verändert, auch der Ladies Lunch ist so momentan nicht mehr wirklich umsetzbar, weshalb Sie Ihn kurzerhand zum Podcast umfunktioniert haben. Die erste Folge erscheint am 16. September, sind Sie aufgeregt?
Ich bin einfach nur wahnsinnig gespannt, wie viele Menschen daran interessiert sein werden sich mit diesem Thema zu beschäftigen und auseinanderzusetzen. »Frauen in der Gastronomie« – das ist ein weitläufiges Thema, weil es sich eben nicht nur mit dem Thema der Rolle der Frau in der Gastronomie, sondern auch mit der Rolle in der Gesellschaft befasst. Denn der Umgang der Kollegen, Vorgesetzten und auch der Gäste spiegelt unsere Gesellschaft wider.

Wie würden Sie die Rolle der Frau in der (Spitzen-)Gastronomie beschreiben?
Manchmal noch schwierig, da es immer noch zu viele eingefahrene Mechanismen gibt. Und offensichtlich auch immer noch viel zu viele Menschen in unserem Metier, die denken, dass Frauen nur zuhause in die Küche gehören – nicht aber in eine Profiküche oder in die Position der Sommelière oder Gastgeberin. Was verwunderlich ist, wenn man bedenkt was eine der meisten Antworten auf die Frage ist, was sie am liebsten essen: Das, was Mama kocht! Ich würde mir wünschen, dass wir die verstaubten Ansichten endlich ganz weit »über Bord werfen« und – wie es in einer moderneren Gesellschaft sein sollte – nur die reine Arbeitsleistung bewerten und bezahlen. Unabhängig vom Geschlecht.

Warum ist es so wichtig, Frauen auch in dieser Branche stärker vor den Vorhang zu holen?
Es  ist so wichtig, weil Frauen in der Gastronomie zurzeit keine hörbare Stimme haben. Wir haben nur wenige Plattformen und die sind meist ungehört. Und dabei sind wir so viele! Ich würde mich freuen, wenn ich einen Beitrag dazu leisten könnte unsere Kommunikation zu verbessern und uns sichtbarer zu machen.

Wie hat es Sie in die Gastronomie verschlagen?
Ich habe zu Abiturzeiten Tim Raue kennengelernt. Er befand sich gerade in der Ausbildung zum Koch und hat mich sofort für das Thema Gastronomie begeistert. Für mich gab es ab diesem Zeitpunkt nichts Schöneres, als tolle Gerichte zu probieren und den perfekten Wein dazu zu finden. Nach dem Abitur hatte ich das große Glück, bei Familie Raneburger in Berlin meine zweijährige Ausbildung zur Restaurantfachfrau zu absolvieren. Die Ausbildungskombination aus dem Ausflugsrestaurant »Schloss Glienicke Remise« mit KPM Geschirr und Silberbesteck und dem 1-Sterne Restaurant, dem »Bamberger Reiter« in der City-West, war ideal, um Schnelligkeit, Überblick, aber auch die Feinheiten des Fine-Dinings zu erlernen.

Und was hat sich in Ihrer Zeit dort zum Positiven verändert?
Das Positive in den vergangenen 15 Jahren ist mit Sicherheit die Evolution des Fine Dining hin zu mehr Casuality. Das heißt, dass man inzwischen auch gut ohne Krawatte und in Jeans in ein Zwei-Sterne-Restaurant essen gehen kann – ohne dafür am Eingang böse oder erstaunt angeschaut zu werden. Man darf außerdem auch ganz offensichtlich Spaß am Tisch haben und es auch artikulieren.

Was würden Sie einer Frau raten, die sich für einen Berufsweg in der Gastronomie entschieden hat?
Sei und bleib selbstbewusst. Suche Dir einen Arbeitgeber, der Dich zu wertschätzen weiß und fördert – denn davon gibt es inzwischen viele.

INFO

Auf ein Glas Champagner mit Marie-Anne
Ab 16. September 2020 überall, wo es Podcasts gibt

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