Pio Cesare: Der Vorzeigebetrieb aus dem Piemont

Mosconi in Monforte: eine der jüngsten Lagen im Portfolio von Pio Cesare.

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Mosconi in Monforte: eine der jüngsten Lagen im Portfolio von Pio Cesare.

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»Hier unten, das sind die Weinberge für unseren Ornato, eine herrliche Lage!«, erklärt mir ein begeisterter Pio Boffa. Vor uns liegt der Hügelrücken von Serralunga, in der Ferne blitzen die schneebedeckten Gipfel der Alpen. Ein erhabener Ausblick. Ornato ist eine Steillage in voller Südlage. Seit dem Jahrgang 1985 erzeugt Pio Cesare hier seinen Barolo Ornato, der damit einer der ersten Lagenweine des Gebietes war. Lagenweine standen damals und stehen auch heute noch im Gegensatz zur Tradition – auch bei Pio Cesare. Aber dieser Betrieb zeichnete sich schon immer durch eine fruchtbringende Mischung aus Tradition und Innovation aus.

An Tradition hat Pio Cesare viel zu bieten. Man schrieb das Jahr 1881, als Cesare Pio in Alba einen kleinen Weinbaubetrieb gründete. Heute, gut 130 Jahre später, ist Pio Cesare die letzte in der Stadt verbliebene Kellerei. Über die Jahrzehnte wurden die Keller stetig erweitert und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Im historischen Keller – dort kann man sogar ein Stück der römischen Stadtmauer bewundern – reift der Wein gemächlich in großen Holzfässern.

Mit Federica Boffa und Cesare Benvenuto ist seit Kurzem die fünfte Generation im Betrieb tätig. Motor und Mastermind ist Pio Boffa, der zusammen mit seinem Cousin Augusto Boffa die vierte Generation repräsentiert. Pio Boffa erkannte früh die Wichtigkeit des ausländischen Markts. So präsentierte er schon zu Beginn der 1980er-Jahre seine Weine in Deutschland, bald auch in den USA und in Kanada. Heute exportiert Pio Cesare 80 Prozent seiner Produktion in über 50 Länder. Pio Cesare, das sind 70 Hektar Weinberge in Eigenbesitz. Erst 2014 kamen 10 Hektar in der Renommierlage Mosconi in Monforte hinzu.

Traditionell werden Barolo und Barbaresco aus einer Mischung von verschiedenen Lagen gekeltert. So verlangt es auch die Tradition bei Pio Cesare. Der klassische Barolo entsteht aus den Lagen Gustava in Grinzane Cavour, Ornato, La Serra, Briccolina und Lirano in Serralunga, Mosconi in Monforte, Ravera in der Gemeinde Novello und Roncaglie in La Morra. Diese Mischung bringt Vielfalt, ist Pio Boffa überzeugt. Pio Cesare erzeugt auch Barbaresco, dem man im Haus die gleiche Wertigkeit und Lagerzeit angedeihen lässt wie dem Barolo.

Der klassische Barbaresco entsteht aus den Lagen Il Bricco, San Stefanetto und Bongiovanni in Treiso sowie Rocche di Massalupo in Alba. Beide Weine reifen rund 30 Monate in großen Holzfässern. Bei Pio Cesare war aber auch Innovation stets wichtig. Zugleich mit dem Ornato wurde daher auch der Lagen-Barbaresco Il Bricco erzeugt: Die Trauben kommen aus einer Steillage in Treiso, einem der höchsten Punkte des Anbaugebiets. In beiden Weinen kommen mustergültig die verschiedenen Charaktere von Barbaresco und Barolo zum Ausdruck. Il Bricco zeigt sich konzentriert, aber auch elegant und geschmeidig, beim Ornato kommen zur Kraft Tiefgründigkeit und großes Lagerpotential hinzu. Manche Traditionen scheinen oft zu verschwinden, tauchen dann aber unvermittelt wieder auf. Dem Trend zum Aperitif folgend werden bei Pio Cesare seit Kurzem wieder ein Vermouth und ein Barolo Chinato erzeugt, nach einem Hausrezept aus den Fünfzigerjahren. Das ist köstliche Tradition und herrliche Innovation.

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