Piemont: Die rare Rebsorte Ruchè im Porträt

© Simon Staffler

© Simon Staffler

»Eine Familie mit einer Million Flaschen«, so definiert sich die Vereinigung der Erzeuger des Ruchè von Castagnole Monferrato. Diese kleine, einzigartige Appellation befindet sich im Piemont im UNESCO-Gebiet des Monferrato in der Provinz Asti. Besagte Vereinigung wurde im Jahr 2000 von einer Gruppe befreundeter Erzeuger gegründet, mit dem Ziel, die Bezeichnung »Ruchè di Castagnole Monferrato« und dessen Produktionsgebiet, dem ausschließlich die sieben Gemeinden Castagnole Monferrato, Grana, Montemagno, Portacomaro, Refrancore, Scurzolengo und Viarigi angehören, wertzuschätzen.

Dieser ausschließlich lokal angebaute, piemontesische Wein erhielt im Jahr 2010 den DOCG-Status (DOC bereits 1987). 2020 wurde die Einführung des Typs »Riserva« hinzugefügt, für den 24 Monate Reife erforderlich sind. Heute gehören der Vereinigung 21 Unternehmen an, die etwa 90 % der gesamten Denomination repräsentieren.

Erbe und Auftrag

»Ruchè ist Teil des italienischen Erbes der autochthonen Rebsorten, die es wiederzuentdecken gilt. Eine kleine Perle der Weinwelt, die einen realen Mehrwert für unsere Identität bietet.« berichtet Luca Ferraris (Präsident) voller Stolz. »Es gibt keine andere Rebsorte auf der Welt wie den Ruchè, eine halbaromatische Sorte, dessen unverwechselbarer Charakter sich durch den Duft von Rosen und Gewürzen auszeichnet.«

Die Traube des Ruchè ist reich an Polyphenolen, insbesondere an Tanninen, und weist in reifem Zustand eine beträchtliche Konzentration an Zucker auf. Es wurde festgestellt, dass der Ruchè aus einer Kreuzung zwischen Croatina und Malvasia aromatica di Parma hervorgeht. Während Croatina eine bekannte Rebsorte ist, die auch heute noch angebaut wird, ist über die Malvasia di Parma wenig bekannt. Heute wird der Ruchè ausschließlich auf den Hügeln zwischen 120 und 350 m.ü.d.M. mit West-Südwest-Ausrichtung angebaut. Der Boden dieser Hügel ist kalkhaltiger, alkalischer Mergel, der reich an Sandstein ist und manchmal Funde von Meeresfossilien aufweisen kann.

Geheimnis oder göttliche Fügung?

Wie Ruchè nach Castagnole Monferrato kam, ist noch immer ein Geheimnis. Eine Hypothese besagt, dass er auf den Anbau in der Nähe der Benediktinerkirche »San Rocco« zurückgeht, wo eine Gemeinschaft von Zisterziensermönchen im Mittelalter den Weinbau in der Gegend einführte. Sicher ist, dass die Ruchè-Rebe im 20. Jahrhundert wegen ihrer Wuchskraft zugunsten anderer, leichter zu kultivierender Sorten fast in Vergessenheit geriet, während ihre Wiedergeburt in den 1970er Jahren dank eines aufgeklärten Pfarrers, Don Giacomo Cauda, stattfand.

Dieser kaufte einen Hektar auf eigene Kosten und pflanzte 4.000 Rebstöcke Ruchè. Sein Wunsch, die Tradition wieder aufleben zu lassen, war nicht nur auf die sensorischen Eigenschaften zurückzuführen, sondern auch auf das tief verwurzelte Bewusstsein, dass dieser Wein zur Geschichte der lokalen Gemeinschaft gehört.

»Möge Gott mir verzeihen«, sagte er in den letzten Jahren seines Lebens, »dass ich manchmal meinen Dienst vernachlässigt habe, um mich mit Leib und Seele dem Weinberg zu widmen. Ich beendete die Messe oft früher, um mich schnell umzuziehen und auf den Traktor zu steigen. Aber ich weiß, dass Gott mir vergeben hat, denn mit dem Geld, das ich mit dem Wein verdient habe, habe ich das Oratorium gebaut und das Pfarrhaus renoviert«.

Heute noch wird der Don Cauda gepflanzte Weinberg, die »Vigna del Parroco«, gepflegt (»Pfarrweingarten«), welcher als Erbe für Pioniergeist und wertvolles Wissens Symbol steht.

Top 3 Ruchè:

© Simon Staffler

  • Gatto Pierfrancesco - Caresana Ruchè di Castagnole Monferrato DOCG 2019
    Satte Erdbeermarmelade und Waldbeeren, helle Würze, ausgewogen, zartbitterer Nachhall
     
  • Ferraris - Clàsic Ruchè di Castagnole Monferrato DOCG 2019
    Duftend, präzise, nach roten Rosen und satten Kirschen, am Gaumen saftig, leicht zartbitter, in sich stimmig, Alkohol und Tannin sind gut eingebunden
     
  • Ferraris - Vigna del Parroco Ruchè di Castagnole Monferrato DOCG 2018
    Dunkelbeerig, duftig, nach Karamell und Milchschokolade, etwas Sauerkirsche, weich und ausgewogen, mit leicht salzigem Unterton, spannt einen schönen Bogen auf, mehrschichtig

MEHR ENTDECKEN

Mehr zum Thema

News

Niederösterreichs Top-Heurige 2021

Seit mehr als zehn Jahren werden in Niederösterreich ganz besondere Heurigen mit dem Prädikat »Top-Heuriger« ausgezeichnet. Hier erwarten die...

News

OnlineSeminar zum Weinbaugebiet Rheingau

Jeden 1. Donnerstag im Monat eine der 13 Weinbauregionen ganz gemütlich von zu Hause aus entdecken und deren Weine verkosten – die »OnlineSeminare –...

Advertorial
News

Fürstlicher Premiumsekt mit Geschichte

Als im Jahre 1816 der damalige Diplomat Fürst von Metternich von Kaiser Franz I. den Johannisberg samt Schloss geschenkt bekam, begann die Geschichte...

Advertorial
News

Pairingtipps: Die besten Weine zu Käsefondue

Käsefondue ist nicht nur ein absoluter Winterklassiker, es schmeckt auch unter dem Jahr: Wir haben acht Spitzen-Sommeliers nach der perfekten...

News

Top 6 Weine zu Rehwild

Das feinste und beliebteste Wildfleisch kombiniert man am besten mit ebenso feinen Weinen. Die Falstaff-Weinredaktion verrät mit welchen.

News

Alpbach: Hochkarätige Gaja-Verkostung im »Böglerhof«

FOTOS: Nach zweijähriger Abstinenz des Alpbach-Sideevents nahmen Top-Manager und hochrangige Politiker an der Veranstaltung teil. Verkostet wurden...

News

Die Vielfalt des Alto Piemonte

Im Rahmen des Taste Alto Piemonte 2021 hat Falstaff Italien Redakteur Simon Staffler versucht sich ein Bild von diesem überraschend spannenden Gebiet...

News

Kraftvolle Rote aus dem Piemont

»Marchesi di Barolo« zählt zu den Traditionsbetrieben in den Hügeln der Langhe

Advertorial
News

»Casamon«: Neues Ferienhaus der Familie Gaja im Piemont

FOTOS: Die weltberühmte Winzerfamilie Gaja steht hinter dem neuen Hotelprojekt »Casamon«. Das Hotel liegt in der malerischen Weinbauregion der Langhe.

News

Top 10 Barbaresco Sorì San Lorenzo von Angelo Gaja

Zehn Jahrgänge des legendären Barbaresco des piemontesischen Kultwinzers Angelo Gaja. Fünfmal 98 Punkte, einmal 99.

News

Die Sieger der Nebbiolo Trophy 2020

Nebbiolo ist eine spät reifende Rebsorte, die im Piemont und in der Lombardei verbreitet ist. Die Top drei unter den Winzern sind das Weingut Rosso,...

News

Das Barolo & Barbaresco World Opening 2020

Rund 1600 Besucher, 148 Produzenten und über 400 Weine aus den Langhe vereint beim Grand Opening in New York. Zudem standen ein Spitzenmenü von...

News

Die Sieger der Barbera-Trophy 2019

Barbera ist die am häufigsten angebaute Rebsorte des Piemont. Falstaff kürt die besten drei – Das Weingut Coppo, Vajra und Braida.

News

Pio Cesare: Der Vorzeigebetrieb aus dem Piemont

Pio Boffa, Mastermind des Weinguts Pio Cesare in Alba, setzt auf Tradition und Innovation für seine Weine. Seit fünf Generationen werden hier Barolo...

Advertorial
News

Piemont-Reisetipps: Genuss mit Geduld

Touristisch ist das Piemont ein Spätzünder, wurde es doch erst in den vergangenen 20 Jahren entdeckt. Kulinarisch allerdings schöpft die Region im...

News

La Tonda Gentile: Die Königin unter den Haselnüssen

Die »Sanfte Runde» ist die beste Haselnuss der Welt. Zur Hochform läuft sie im Hügelgebiet der Alta Langa südlich des Piemonteser Städtchens Alba auf.

News

Die Top 10 im Piemont: Winzer & Weine

Die Hügel um die Stadt Alba sind im Herbst ein Hotspot für Genießer. Das verdankt das südliche Piemont auch den beiden Königsweinen, die hier...

News

Nocciola Piemonte: Die Haselnuss aus dem Piemont

Köstliche traditionelle Spezialitäten aus gerösteten piemonteser Haselnüssen online einkaufen. Mit Rabattaktion für Falstaff-Leser!

Advertorial
News

Jahrgang 2016 im Piemont: Gute Qualität und Quantität

Der Jahrgang 2016 verspricht einer zu werden, wie man ihn schon lange nicht mehr gesehen hat. Nur in wenigen Regionen gab es wetterbedingte...

News

Die großen Jahrgänge im Piemont

Seit 2006 erlebte das Piemont eine ganze Serie von großartigen Jahrgängen. Worin unterscheiden sie sich aber, wie zeigt sich der jeweilige Charakter?